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Bayerns Wirtschaft will billigen Strom - und neue Stromtrassen | BR24

© pa / dpa / Jochen Tack

Strommast

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    Bayerns Wirtschaft will billigen Strom - und neue Stromtrassen

    In seiner Regierungserklärung zur Energiepolitik hat Wirtschaftsminister Aiwanger niedrigere Strompreise für die Industrie gefordert. Da stimmen ihm die Wirtschaftsverbände voll und ganz zu - beim Netzausbau sind sie aber nicht seiner Meinung.

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    Die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern hat die Forderung des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger nach niedrigeren Industriestrompreisen begrüßt.

    In seiner Regierungserklärung zur künftigen Energiepolitik hatte er im Landtag gefordert, dass es einen reduzierten Strompreis für Industriebetriebe geben soll. Dafür werde er sich auch in Berlin einsetzen. Konkret sagte Aiwanger, für Unternehmen sei es notwendig, dass der Strompreis "eine Vier vor dem Komma" habe. Das entspricht derzeit in etwa den Großhandelspreisen an der Strombörse – allerdings ohne weitere Abgaben.

    Wirtschaft sieht Stromkosten als "immenses Problem"

    Die immer höheren Stromkosten durch die Energiewende seien "ein immenses Problem für viele Unternehmen, besonders in der Industrie", erklärte Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, in einer Mitteilung. "Der Kostendruck durch die Energiewende kann zur Verlagerung von Produktion ins Ausland führen."

    Die Stromsteuer soll weg

    Die IHK sieht dabei Spielräume für Preissenkungen vor allem bei Abgaben und Steuern. Sie fordert unter anderem die Abschaffung der Stromsteuer. Deutschland belege durch hohe Abgaben, Steuern und Umlagen für das Stromnetz im internationalen Vergleich einen negativen Spitzenplatz bei den Stromkosten für die Wirtschaft, so die IHK.

    Gleichstromtrassen für Wirtschaft unverzichtbar

    Nicht ganz einig sind sich Wirtschaft und Wirtschaftsminister beim geplanten Ausbau des Stromnetzes. Während Aiwanger erneut betonte, dass "keiner diese Trassen will" und der Hoffnung Ausdruck gab, dass sie sich in den kommenden Jahren als überflüssig erweisen, betont die IHK, vor allem an den zwei geplanten Gleichstromleitungen gehe kein Weg vorbei.

    Entscheidend für die Wirtschaft sei die Balance aus bezahlbaren Strompreisen, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit. Der Windstrom, den die beiden Stromtrassen aus dem Norden nach Bayern bringen sollen, werde hier dringend benötigt. Drei Viertel aller Betriebe fordern einer Umfrage der IHK zufolge einen raschen Ausbau der Stromnetze.

    Die Angst vor der Energielücke

    Zu den Plänen Aiwangers hatte sich im Oktober auch schon die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) geäußert. Auch sie fordert den Ausbau der Stromnetze. Nach Abschaltung der letzten Atomkraftwerke entstehe sonst eine zu große Lücke in der Stromversorgung. Verschärft werde die Situation durch den geplanten Kohleausstieg.

    Auch zu den Strompreisen äußerte sich die vbw ähnlich wie die IHK. Diese seien im internationalen Vergleich zu hoch und müssten "dringend gesenkt werden". Bei der im Klimaschutzpaket geplanten leichten Absenkung der EEG-Umlage dürfe man nicht stehen bleiben, zumal bezahlbare Stromkosten auch ein entscheidender Faktor für die Sektorkopplung seien, also den Einsatz von "sauberem" Strom im Wärme- und Verkehrsbereich - und damit für die Erreichung der Klimaziele.