Zurück zur Startseite
Wirtschaft
Zurück zur Startseite
Wirtschaft

Bayerns Autoindustrie kämpft um die Pole Position | BR24

© BR

Crash-Gefahr - Bayerns Abhängigkeit von der Auto-Industrie

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bayerns Autoindustrie kämpft um die Pole Position

Bei der Los Angeles Auto Show ging es für die bayerischen Autobauer einmal nicht um lästige Themen wie den Abgas-Skandal, Betrug und Fahrverbote. Hier konnten sich BMW und Audi mit neuen Elektroautos als visionäre Technik-Schmieden darstellen.

Per Mail sharen

Während BMW und Audi in den Messehallen des Los Angeles Convention Center vollmundig Visionen präsentierten, rollte vor der Tür die Realität über die Straßen: Elektroautos des kalifornischen Konkurrenten Tesla. Der Konkurrent, den man in München und Ingolstadt lange nicht ernst genommen hatte, dominiert auf seinem Heimatmarkt längst das Geschäft.

Neues Sparkonzept für Elektromobilität: Laden für lau

Die Bayern wollen aber nicht aufgeben. So verweist man bei BMW darauf, mit dem i3 ein Pionier der Elektromobilität zu sein. Gerade die Münchener haben Milliarden in Elektroautos investiert. Einer der Vordenker ist Joachim Kolling. Der Manager leitet bei BMW die Sparte Energy Services. Er soll Konzepte entwickeln, die das Elektroauto für den Massenmarkt attraktiv machen sollen:

"Wir bieten in Kalifornien heute das sogenannte Charge Forward Programm an. Hier können Kunden, wenn sie ihr Elektrofahrzeug an das Stromnetz anschließen, dadurch Geld zurück verdienen, dass sie erlauben, dass, wenn das Stromnetz kurzfristig ein Problem hat, kurz mal der Ladevorgang unterbrochen wird. Der Kunde bekommt dann ein Incentive, bekommt letztendlich den Großteil des Geldes zurück. Und das ist natürlich schon ein tolles Argument, um ein solches Auto zu fahren und zu besitzen." Joachim Kolling, Leiter BMW Group Energy Services

Autofahren soll zum Erlebnis werden

Egal ob im Großraum München, ob in Ingolstadt, Regensburg oder im niederbayerischen Dingolfing: Die Zukunft ganzer Regionen steht und fällt damit, dass es Audi und BMW gelingt, genügend Autos profitabel zu verkaufen. Die Optimisten unter den Auto-Experten haben die deutschen Autobauer auch noch lange nicht abgeschrieben. Die Branche sei durchaus zukunftsfähig, sagt zum Beispiel Heinz Hollerweger, langjähriger Chef bei der Sportabteilung von Audi. Heute unterrichtet Hollerweger an der Hochschule in Ingolstadt. Seinen Studenten gibt er mit, dass in Zukunft nicht mehr nur die PS zählen:

"Wichtig ist, dass wir einen neuen Erlebnisraum im Automobil schaffen. Dass wir neue Werte im Auto schaffen. Wenn wir heute auf der Autobahn im Stau hinter dem Lkw herzockeln, dann ist das Fahren eher vom Genuss zur vergeudeten Zeit geworden. Und diese Zeit wollen wir dem Fahrer mit dem autonomen Fahren wieder zurückgeben. Aber das wird ganz anders sein. Das Erlebnis Innenraum, das Erlebnis während des Fahrens andere Tätigkeiten erledigen zu können, vom Lernen über Surfen über Musikentertainment bis hin zu körperlicher Ertüchtigung, das alles sind neue Erlebnisfelder, die wir uns erschließen müssen. Das wird eine völlig neue Ausprägung des Produkts Automobil bedeuten." Heinz Hollerweger, Senior Advisor bei Audi AG

Deutsche Hersteller durchaus konkurrenzfähig

Apps im Auto, digitale Cockpits: Bei solchen Zukunftstechnologien sehen sich die deutschen Hersteller inzwischen gut aufgestellt. Grundsätzlich sei der Wille zum Wandel auch durchaus da, glaubt Burkhard Göschel. Der frühere BMW-Vorstand gilt heute als extrem gut vernetzter Experte. Die hiesigen Hersteller seien in einigen Bereichen nach wie vor führend.

"Die Stärken der deutschen Autohersteller: Sie wissen, wie Auto geht, sie wissen, wie ein Auto funktioniert. Sie haben eine große Erfahrung in den bestehenden Prozessen, aber auch in Themen, die neu sind. Nehmen wir Konnektivität oder autonomes Fahren. Da ist die deutsche Automobilindustrie schon vorne mit im Spiel. Sie haben es geschafft, sich die Kompetenz anzueignen. Das ist auf jeden Fall die Stärke." Burkhard Göschel, ehemaliger BMW-Vorsitzender

Allerdings sei noch lange nicht ausgemacht, wer am Ende das Rennen für sich entscheidet: Die bayerischen Hersteller Audi und BMW oder ein Neuling wie zum Beispiel Tesla. Nicht vergessen dürfe man auch die aufstrebende chinesische Industrie, sagt Göschel. Für die deutschen Autobauer seien die Erfolge der Vergangenheit deshalb noch lange keine Garantie für die Zukunft.