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Bildrechte: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich

Im Zuge der Streikaktionen im Groß- und im Einzelhandel in Bayern ruft die Gewerkschaft verdi die Beschäftigten von Betrieben an sechs bayerischen Standorten zu Arbeitsniederlegungen auf.

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Streik-Aktionen im bayerischen Handel starten

Einmal verhandelten Arbeitgebervertreter des bayerischen Handels sowie von Verdi bereits – doch ohne Ergebnis für die Beschäftigten. Heute startet Verdi nun eine Reihe von größeren Protestaktionen. Betroffen sind sechs bayerische Standorte.

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Von
  • Birgit Harprath
  • BR24 Redaktion

Gemeinsam streiken für die gleiche Prozentforderung, aber in unterschiedlichen Verträgen: Diese Marschrichtung in der Tarifrunde hat sich Verdi gesetzt. Heute ruft die Gewerkschaft sowohl im Einzelhandel als auch im Groß- und Außenhandel zu Warnstreiks auf - und zwar ganztägig.

Aktionen an sechs bayerischen Standorten

Betroffen sind das Zentrallager von Lidl in Anzing bei München und Graben bei Augsburg. Von dort aus werden die Filialen in Südbayern mit Waren versorgt. Der Warnstreik könnte durchaus Wirkung haben, heißt es auf Nachfrage bei Verdi Bayern.

In Sulzbach-Rosenberg steht das Zentrallager von Stahlgruber auf der Streikliste, in Schweinfurt Kaufland und in Rotthalmünster im Landkreis Passau Netto. Außerdem sind auch bei Amazon in Graben Beschäftigte wieder zum Protest aufgerufen. Für sie geht es seit Langem schon darum, überhaupt einen Tarifvertrag zu bekommen.

Nur kurze Aktionen wegen Corona

Wegen Schutz- und Hygienemaßnahmen werden die Streikenden sich nur zu kurzen Aktionen vor dem Betrieb versammeln beziehungsweise ohne Aktion vor Ort in den Ausstand treten.

Verdi verweist auf gestiegene Umsätze

Die Beschäftigten im bayerischen Einzel- und Versandhandel hätten im Jahr der Pandemie "sagenhafte" 6,8 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet, so Hubert Thiermeyer, Verdi-Verhandlungsführer im Einzel- und Versandhandel Bayern. Das sei der größte Umsatzrekord seit 1994. Dafür verdienten sie Respekt und Wertschätzung - und dies müsse sich auch in Löhnen und Gehältern widerspiegeln, so Thiermeyer.

Auch die zuständige Gewerkschaftssekretärin Fachbereich Handel im Verdi-Bezirk Oberpfalz, Christin Rappl, verwies auch darauf, dass die Beschäftigten trotz der Pandemie dafür gesorgt hätten, dass der Groß- und Außenhandel in Bayern hohe Umsätze machen konnte, Deutschland mit Waren und Gütern versorgt wurde und die Branche damit wenig von der Krise betroffen war.

Einzelhandelsverband: "Kein guter Stil"

Als "keinen guten Stil" bezeichnete hingegen der Handelsverband Bayern die ausgerufenen Warnstreiks. Sprecher Bernd Ohlmann verwies darauf, dass die Aktionen sofort nach der ersten Verhandlungsrunde letzten Montag begonnen hätten. "Eine solche Vorgehensweise ist wenig hilfreich. Es ist fern jeder tarifpolitischen Vernunft, schon jetzt unnötig Öl ins Feuer zu gießen." Dass ausgerechnet jetzt Zentrallager des Lebensmittelhandels bestreikt würden, zeige, dass Verdi ohne Skrupel bereit sei, den Konflikt auf dem Rücken der Kunden auszutragen. Der Verband sei aber weiterhin verhandlungsbereit.

Mehr als ein Austausch kam bislang nicht zustande

Beim ersten Treffen am Verhandlungstisch hatten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber sowohl im Einzelhandel als auch im Groß- und Außenhandel ausgetauscht – mehr aber auch nicht. Verdi fordert 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr im Monat und bietet Sonderlösungen für tarifgebundene Betriebe in der Krise an. Die unteren Beschäftigtengruppen sollen nach Ansicht der Gewerkschaft auf ein rentenfestes Mindesteinkommen von 12,50 Euro in der Stunde angehoben werden. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll 12 Monate betragen.

Anfang Juni wird weiterverhandelt

Weiterverhandelt wird am 8. und 9. Juni. Es kann Verdi zufolge sein, dass Kunden von weiteren Streiks betroffen sein werden. Das sei aber nicht das Ziel. "Wir wollen die Arbeitgeber treffen. Wenn es Kunden trifft, bitten wir um Verständnis, denn es geht für die Beschäftigten um ziemlich viel bei dieser Tarifverhandlung", erklärt Verhandlungsführer Thiermeyer.

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