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Wasserstoff-Kennzeichnung

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    Bayern hofft auf nationales Wasserstoffzentrum

    In Nürnberg beginnt heute der zweitägige "Hydrogen-Dialog". Fachleute diskutieren die Einsatzmöglichkeiten des Energieträgers Wasserstoff. Im Fokus steht dabei auch die Gemeinde Pfeffenhausen, die zum deutschen Zentrum der Technologie werden könnte.

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    Von
    • Stephan Lina

    Wenn es nach Florian Hölzl, dem Bürgermeister von Pfeffenhausen, geht, dann soll in der niederbayerischen Marktgemeinde das nationale Anwendungszentrum Wasserstoff entstehen.

    Pfeffenhausen: 130.000 Quadratmeter für Forschung und Entwicklung

    Es wäre ein Riesenprojekt auf einer Fläche von 18 Fußballfeldern. In einer Vorausscheidung hat sich die Marktgemeinde neben Chemnitz und Duisburg gegen mehr als 60 andere Kandidaten durchgesetzt. Der Bürgermeister klingt immer noch überwältigt, wenn er sich zurückerinnert an den Moment, in dem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer diese Entscheidung bekannt gab.

    "Man ist einfach total stolz als Bürgermeister von so einem Ort und sagt: Wahnsinn, wir sind wirklich mit dabei. Aber wir sind auch bodenständige Niederbayern und haben jetzt die Hoffnung, dass wir wirklich bundesweit überzeugen können." Florian Hölzl, Bürgermeister Pfeffenhausen

    Vereinfacht gesagt, geht es bei dem Projekt darum, ein Kreislaufsystem für Wasserstoff aufzubauen. Das Gas gilt als ein wichtiger Baustein dafür, künftig im großen Stil Energie zu erzeugen und zu speichern, ohne wie bei der Verbrennung von Kohle und Erdgas Schadstoffe in die Atmosphäre zu blasen.

    Nur "grüner" Wasserstoff ist sauber

    Grundlage dafür: Der Strom, mit dem Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten wird, muss aus erneuerbaren Quellen kommen. Dann spricht man von "grünem" Wasserstoff, im Gegensatz zum herkömmlichen "grauen" Wasserstoff aus Kohlestrom, bei dessen Produktion sehr viel CO2 freigesetzt wird. Pfeffenhausens Bürgermeister Florian Hölzl sieht sich hier bestens vorbereitet, da man große Solaranlagen plant. So plant die Gemeinde in unmittelbarer Nähe zum Projektstandort eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage. Dieser "grüne" Strom solle der Grundlastträger für den Elektrolyseur werden, der Wasser aufspaltet in seine beiden Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff.

    Breites Bündnis für Pfeffenhausen

    Hinter der Bewerbung Pfeffenhausen für das nationale Anwendungszentrum steht ein breites Konsortium, darunter das "Wasserstoffbündnis Bayern". Denn in ganz Bayern tüfteln derzeit Konzerne ebenso wie kleine Ingenieurbüros am möglichen Einsatz von Wasserstoff als sauberer Energieträger. Zum Beispiel Tobias Brunner, dessen Ingenieurfirma HynErgy das Konsortium für die Bewerbung Pfeffenhausens angeführt hat. Er verweist auf Erfahrungen in Fernost. Seine Firma hat zwischen 2015 und 2020 ein Wasserstoff-Entwicklungs-Programm für ein chinesisches Automobilunternehmen aufgebaut, etwa 160 Kilometer südwestlich von Peking, wie er erzählt. Dort arbeiteten mittlerweile mehrere Hundert Ingenieure an der Entwicklung von Brennstoffzellentechnik und Tanktechnik.

    Ziel: Dichtes Wasserstoff-Netzwerk

    Das Projekt in Pfeffenhausen gilt als ein Baustein auf dem Weg, Bayern zu einem führenden Wasserstoff-Standort zu machen. Ziel ist es, mittelfristig ein Netzwerk von Forschungs- und Entwicklungsfirmen anzusiedeln. Zumindest für Pfeffenhausen wäre eine bayerische Wasserstoff-Wirtschaft also eine echte Zukunfts-Sicherung. Wie es für andere Industrie-Regionen aussieht, die heute noch von der klassischen Art der Stromerzeugung abhängen, das wird sich in Zukunft herausstellen.

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