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Bayerischer Einzelhandel verspricht sich wenig von Lockerungen | BR24

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Ein Schaufenster in Nürnberg

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    Bayerischer Einzelhandel verspricht sich wenig von Lockerungen

    "Hoffnungsschimmer" oder "Katastrophe" – ganz unterschiedlich sind die Reaktionen im Einzelhandel auf die eingeschränkten Corona-Lockerungen ab Montag. Es hängt davon ab, wen man fragt.

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    Von
    • Ralf Schmidberger

    Händler und Kunden sehen sich die nächsten Wochen mit vielen Zahlen konfrontiert: Je nach Corona-Inzidenzwert und Ladengröße darf höchstens ein Kunde auf 10, 20 oder gar 40 Quadratmeter Verkaufsfläche kommen und muss teils im Vorfeld ein Einkaufs-Termin verabredet werden.

    Was Politiker als erste Lockerungsschritte bezeichnen, ist für den Handelsverband Bayern nur ein "Feigenblatt für die Lockdown-Verlängerung bis zum 28. März". Allerdings sehen das nicht alle Händler so negativ. Je nach Branche oder Ladengröße fällt das Urteil unterschiedlich aus.

    Nur 30 bayerische Landkreise erreichen niedrigsten Inzidenzwert

    Der Einzelhandel darf in Gegenden mit einer Inzidenz unter 50 wieder unter strengen Auflagen öffnen. Wie viele Kunden zur gleichen Zeit shoppen dürfen, hängt von der Größe des Ladens ab. Vor dem Wochenende meldeten von den 96 bayerischen Städten und Landkreisen nur rund 30 einen Inzidenzwert unter 50.

    Einkauf nur nach Termin

    Bei Inzidenzen zwischen 50 und 100 ist zumindest das Konzept "Meet & Collect" möglich. Hier muss der Kunde vorab einen Termin vereinbaren, bevor er im Laden einkaufen darf. Das ist praktisch eine Erweiterung des bisherigen "Click & Collect", bei dem der Verbraucher seine bestellte Ware nur abholen kann. Über dem 100er-Wert gilt wieder der harte Lockdown.

    Kleine Boutiquen freuen sich

    Die besonders hart unter den Geschäftsschließungen leidenden Modehändler beurteilen die neuen Bestimmungen differenziert. Für kleine Boutiquen, die Kunden intensiv beraten, könne es ein sinnvoller Zwischenschritt sein, sagte der Präsident des Branchenverbands Textil, Steffen Jost. Das trifft beispielsweise auf den Modeladen "Barceloneta" in der Erlanger Fußgängerzone zu. Besitzerin Beatrix Piller zeigt sich überglücklich, dass sie wieder Kunden in ihr Geschäft lassen kann.

    Große Modehäuser: Es lohnt sich nicht!

    Doch für große Modehäuser mit normalerweise starkem Kundenandrang rechne sich das nicht, meint Jost. Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis. So würden weitere Modehändler in den Ruin getrieben. Die Häuser sitzen auf Bergen von nicht verkaufter Kleidung.

    Möbel- und Autohäuser profitieren besonders

    Erfreut zeigten sich auch die Autohäuser und Möbelverkäufer. Das sei ein Grund für Optimismus, heißt es beim Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. Man sei bestens auf „click & meet“ vorbereitet, also den Verkauf nach Terminvergabe. Letztlich berieten die Autohäuser schon vor Corona oftmals nach vorheriger Absprache.

    Handelsverband Bayern: nur "theoretische Öffnungsperspektiven"

    Ungeachtet der vereinzelten Zustimmung zu den neuen Regeln spricht der Handelsverband Bayern (HBE) von einer "Katastrophe" und nur "theoretischen Öffnungsperspektiven". HBE-Präsident Ernst Läuger verweist darauf, dass eine stabile Inzidenz von unter 50 auf absehbare Zeit nicht flächendeckend zu erreichen sei, was für eine Wiedereröffnung aller Geschäfte die Bedingung ist. Über allem schwebt eine Unsicherheit: Keiner weiß, wie sich die Inzidenzzahlen entwickeln. Bei Werten über 100 geht es sofort zurück in den bisher geltenden Lockdown.

    HBE: 8.000 bayerische Händler vor der Pleite

    Der HBE befürchtet eine große Pleitewelle im Handel – auch wegen der schleppend geleisteten staatlichen Hilfszahlungen. Laut dem Handelsverband Bayern sind mindestens 8.000 Unternehmen im Freistaat von der Insolvenz bedroht, rund 25.000 Jobs im Handel stehen auf der Kippe.

    Gastronomie noch ohne Perspektive

    Weiter ohne baldige Aussicht, öffnen zu dürfen, sind Hotels und Gastronomie. Deren Verband Dehoga bezeichnet deshalb die politischen Entscheidungen als "inakzeptabel". Frühestens ab dem 22. März könnte unter bestimmten Bedingungen zumindest die Außengastronomie öffnen – nämlich dann, wenn die Inzidenz unter 50 liegt oder zumindest vom Ausgangswert am 8. März zwei Wochen lang nicht steigt.

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