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Bayerische Wirtschaft sieht Testpflicht für Unternehmen kritisch | BR24

© BR / Manuel Mehlhorn
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Arne Dedert

In Berlin gibt es bereits eine Testpflicht für Unternehmen. Eine solche Verordnung könnte auch auf Bundesebene kommen, wie Kanzlerin Merkel angedeutet hat. Denn die Anzahl der Unternehmen, die ihre Beschäftigten freiwillig testen, ist noch gering.

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Bayerische Wirtschaft sieht Testpflicht für Unternehmen kritisch

In Berlin gibt es bereits eine Testpflicht für Unternehmen. Eine solche Verordnung könnte auch auf Bundesebene kommen, wie Kanzlerin Merkel angedeutet hat. Denn die Anzahl der Unternehmen, die ihre Beschäftigten freiwillig testen, ist noch gering.

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Von
  • Manuel Mehlhorn
  • Leonie Thim
  • Regina Kirschner

Bundesweit testen erst 19 Prozent aller Betriebe ihre Mitarbeitenden regelmäßig auf das Corona-Virus. 28 Prozent wollen in Kürze mit Tests beginnen. Das hat eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ergeben. Für Bayern gibt es noch keine allgemeinen Zahlen.

Wirtschaftsverbände gehen jedoch davon aus, dass das Bild in Bayern sehr unterschiedlich ist. Größere Unternehmen täten sich leichter, ihren Mitarbeitern Testmöglichkeiten anzubieten, als kleinere oder mittelständische Unternehmen. Konzerne wie Audi und BMW fahren zum Beispiel aktuell zweigleisig in ihrer Teststrategie. Das heißt, beide Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Schnelltests im Betrieb und Selbsttests für zu Hause an. "Nach Ostern werden mehr als eine halbe Million Selbsttests an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland verteilt", teilt BMW mit.

Problem: Fehlende Informationen für Unternehmen

Viele kleinere Betriebe zögern noch, überhaupt Tests für ihre Beschäftigten zur Verfügung zu stellen. Der Kofferherstellers Rox Hamann aus der Nähe von Landsberg am Lech zum Beispiel kritisiert, es sei ein organisatorisches Problem, überhaupt an genügend Selbsttests für Mitarbeiter zu bekommen.

Einmal die Woche fährt ein Angestellter zur örtlichen Filiale des Discounters, um Schnelltests für die Kollegen zu kaufen. Das Problem sei, dass sein Angestellter immer nur zehn Tests bekomme, erklärt Geschäftsführer Fabian Ewald. Von seinen 50 Mitarbeitern arbeitet die Hälfte in der Produktion, die andere Hälfte ist im Homeoffice oder in Kurzarbeit.

Bei der aktuellen Debatte um eine Testpflicht für Unternehmen bemängelt Ewald vor allem fehlende Informationen. "Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind wir jetzt alle, ich glaube, ich spreche da für viele Unternehmer, sauer", sagt Ewald. Der Unternehmer an sich neige grundsätzlich dazu, zu agieren, "weil er muss. Die Politik reagiert halt nur. Nur mit Reaktion kommst Du nicht weiter", sagt Ewald.

BIHK: Lieferengpässe erschweren Tests in Betrieben

Der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, Manfred Gößl, begrüßt das Testen der Mitarbeiter in Unternehmen. Auch er fügt allerdings an: "Es wird aber aktuell leider noch ausgebremst durch Lieferengpässe, sowohl bei Schnelltests als auch bei Selbsttests."

Wirtschaftsverbände lehnen Testpflicht ab

Viele Fragen zum Ablauf seien noch ungeklärt, meldet die Vereinigung Mittelstand in Bayern. Sie lehnt eine Testpflicht für Unternehmen ab. Ähnlich sieht das die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vbw. Sie ruft die Unternehmen erneut dazu auf, wo immer es geht, Corona-Testangebote für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszuweiten. Eine gesetzliche Testpflicht lehnt auch die vbw ab. Die wäre für viele Unternehmen mit immensem Aufwand verbunden und in der Praxis nicht durchführbar. "Viele Unternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand. Weitere bürokratische und finanzielle Belastungen sind daher nicht akzeptabel", erklärt vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Hintergrund: Merkel deutet künftige Testpflicht an

Hintergrund der Diskussion ist die erneute Frage, ob es eine Testpflicht für Unternehmen geben soll. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will" unzufrieden gezeigt mit der Umsetzung der Selbstverpflichtung der Wirtschaft, dass jeder Mitarbeiter, der nicht im Homeoffice ist, sich zweimal pro Woche testen lassen kann. Sie habe den Eindruck, dass dies doch nicht flächendeckend umgesetzt werde, machte Merkel deutlich. Man müsse das Testen in den Betrieben "wahrscheinlich" verpflichtend machen.

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