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Bayerische Unternehmen in der Krise - ein Rückblick | BR24

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Kunden des Roboterbauers Kuka stehen im Kuka-College an einem Kuka-Roboter.

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    Bayerische Unternehmen in der Krise - ein Rückblick

    Loewe hat seinen Betrieb fürs erste still gelegt. Der oberfränkische Fernsehhersteller reiht sich in die Kette bayerischer Unternehmen ein, die Insolvenzen und Kürzungen erfahren mussten. Besonders betroffen ist Augsburg.

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    Kuka

    Der Augsburger Roboterbauer Kuka musste 2018 herbe Verluste hinnehmen. Weil der Umsatz des Unternehmens im vergangenen Jahr um sieben Prozent geschrumpft ist, will Kuka bis 2021 etwa 300 Millionen Euro sparen. Im laufenden Jahr will der Roboterbauer fast ein Zehntel der Stellen streichen: 350 Vollzeitjobs sollen wegfallen. Das kündigte Kuka im März dieses Jahres an. Vorstandschef Peter Mohnen sagte, der Stellenabbau solle möglichst sozialverträglich gestaltet werden. Betriebsbedingte Kündigungen solle es nur in Ausnahmefällen geben. Vor allem der Markt in China brach im letzten Jahr ein. Der chinesische Hausgeräte-Konzern Midea hatte Kuka Anfang 2017 übernommen und damit Diskussionen um den Ausverkauf deutscher Hochtechnologien ausgelöst.

    Fujitsu

    Im Oktober 2018 kündigte Fujitsu an, bis zum Herbst 2020 seine Augsburger Fabrik zu schließen - das letzte verbliebene Computerwerk in Europa. Mehr als 1.500 Mitarbeiter sind davon betroffen. Im Mai 2019 wurden die Beschäftigten über ihre weitere Zukunft informiert. Fünf Monate lang hatte die IG Metall mit dem Fujitsu-Management verhandelt. Der Sozialplan sieht vor, dass die ersten der rund 1.400 Beschäftigten das Unternehmen ab dem Herbst "sozialverträglich" verlassen sollen. Der japanische IT-Konzern hat außerdem mit der IG Metall eine Transfergesellschaft vereinbart: Unternehmen und Agentur für Arbeit finanzieren in diesem Rahmen Umschulungen für einen weiteren Teil der Belegschaft. 350 Mitarbeiter will Fujitsu an einem neuen Standort im Raum Augsburg weiter beschäftigen. In Augsburg werden bislang Computer und die dafür notwendigen Bauteile hergestellt. Die Fertigung soll bis Ende September 2020 vollständig eingestellt und nach Japan verlagert werden.

    Osram/Ledvance

    Im Herbst 2017 kam die Schocknachricht für die Mitarbeiter des Augsburger Lampenherstellers Ledvance: Das Werk wird komplett geschlossen, ab 1. November 2018 wurden die 650 Mitarbeiter freigestellt. Damit war nach über 110 Jahren Schluss mit der Licht- und Leuchten-Produktion an der Berliner Allee. Im Jahr 2015 hatte Osram sein Lampengeschäft ausgegliedert. Zu Hoch-Zeiten hatten dort rund 2.000 Männer und Frauen gearbeitet. Kaum Trost bot Osram-Chef Olaf Berlien, der die Entscheidung des neuen chinesischen Eigentümers von Ledvance verteidigte: "Unter Osram wäre es genauso gelaufen. Wir hätten das Werk sogar noch viel früher als Ledvance zugemacht."

    Grundig

    In Nürnberg schloss Grundig 2016 zum Jahreswechsel seine Tore. Das ehemalige Traditionsunternehmen zog seine letzten Mitarbeiter ab. Zu Hoch-Zeiten beschäftige Grundig in Nürnberg bis zu 28.000 Menschen - zuletzt waren es noch 72.

    Premium Aerotec

    Die Entscheidung von Airbus erfuhren die Mitarbeiter aus der Presse: Im vergangenen Jahr kündigt das Unternehmen einen Produktionsstopp des Airbus A380 an, für den bei Premium Aerotec in Augsburg Teile hergestellt werden. 115 Beschäftigte waren betroffen. Bis 2020 gilt eine Beschäftigungsgarantie, für die Zeit danach herrscht Unsicherheit. Schlecht erwischt haben es 500 Leiharbeiter, die - anders als ihre Kollegen - nicht abgesichert waren und die Airbus-Tochter bereits verlassen mussten. Insgesamt sind 1.100 von 3.600 Jobs bedroht.

    manroland

    Turbulente Jahre haben die Beschäftigten des Druckmaschinenherstellers manroland hinter sich. Im November 2011 die Insolvenz. Durch den Siegeszug des Internets und die Digitalisierung wurden immer weniger große Druckmaschinen gebraucht. Im Januar 2012 erhielten 741 Mitarbeiter ihre Kündigung. Dem Insolvenzverwalter gelang es jedoch, einen Investor zu präsentieren: Das Augsburger Werk geht an die Lübecker Possehl-Gruppe. Als manroland web Systems startete das Unternehmen neu.

    2014 musste der Druckmaschinenhersteller erneut 250 Mitarbeiter entlassen. Jährliche Berichte über den schrumpfenden Weltmarkt erschütterten den Konzern. Im Februar 2017 kündigte manroland an, 280 der 1.070 Mitarbeiter am Standort Augsburg auszugliedern. Im August 2018 schlossen sich manroland und das US-Unternehmen Goss zusammen - mit einer Standort- und Beschäftigungsgarantie für Augsburg bis Mitte des Jahres 2023.

    Böwe

    Das Unternehmen schlitterte 2010 in die Insolvenz, fast 400 Menschen verloren über die Jahre ihren Arbeitsplatz. Böwe Systec, Marktführer klassischer Kuvertiermaschinen, erweiterte in der Krise seine Geschäftszweige, nachdem 2010 wie auch bei manroland die Possehl-Gruppe eingestiegen war. In den letzten Jahren stieg der Umsatz, das Unternehmen schreibt seit vier Jahren wieder schwarze Zahlen - eine Erfolgsgeschichte des 1945 von den Herren Böhler und Weber (daher Böwe) gegründeten Unternehmens.

    UPM

    Im November 2016 strich der Papierhersteller UPM 150 Arbeitsplätze in der Produktion, rund ein Drittel der Beschäftigten im Augsburger Werk. Grund: Die finnische Konzernmutter wollte europaweit die Kapazität von grafischen Papieren um 305.000 Tonnen reduzieren. Für viele Augsburger ist die Firma UPM eng mit der früheren Unternehmerfamilie Haindl verbunden. Die traditionsreiche Firma, die zu diesem Zeitpunkt auf eine 152-jährige Geschichte zurückblicken konnte, war im Mai 2001 an die Finnen verkauft worden.

    Weltbild

    Nachdem die Weltbild-Verlagsgruppe im Januar 2014 Insolvenz anmeldete, gab es zahlreiche Turbulenzen rund um den Konzern. Zu den besten Zeiten arbeiteten 2.200 Beschäftigte in der Augsburger Zentrale. Das Familienunternehmen Droege übernahm die Anteile, die Logistik wurde von Schwaben in die Nähe von Pilsen nach Tschechien verlegt. Von dort werden heute fast alle bei Weltbild bestellten Waren versandt. Weltbild-Chef Christian Sailer sagte im März diesen Jahres: "Die Trendwende ist gelungen." Die Zahl der Mitarbeiter geht jedoch weiter zurück, auch wegen der Schließung von Filialen.