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Bayerische Spitzentechnologie leidet unter Förder-Bürokratie | BR24

© picture alliance/Lisa Ducret/dpa

Eine Frau spricht mit "Semmi", einem Roboter vom Kundenservice der Deutsche Bahn, der auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) funktioniert.

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    Bayerische Spitzentechnologie leidet unter Förder-Bürokratie

    Bei der Künstlichen Intelligenz will Bayern Spitzenreiter sein, viele Start-ups sind auf dem Feld tätig. Doch viele Unternehmen tun sich schwer, Forschungsmittel des Bundes zu bekommen.

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    "Pa-Ta-Ka" tönt es aus dem Lautsprecher. Das Start-up Audeering aus Gilching forscht an emotionaler Sprachanalyse. Künstliche Intelligenz wertet dabei Stimmungen und Veränderungen in der Sprache aus, analysiert bestimmte Silben. Das kann zum Beispiel in der Medizin die Früherkennung von Krankheiten unterstützen. Die Gründer wurden mit dem Bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet. Nur wenn es darum geht Forschungsmittel des Bundes zu bekommen, kämpft das Unternehmen um jeden Cent.

    "Meiner Meinung nach sind wir hier nicht schlechter als im Silikon Valley“. Dagmar Schuller, CEO des Gilchinger Start-ups Audeering.

    Doch wenn Sie Fördergelder beantragt, kämpft sie teils gegen Windmühlen. Das Team von inzwischen rund 60 Mitarbeitern betritt Neuland, will forschen, Dinge weiterentwickeln, muss klinische Studien machen, die Ergebnisse auf Messen präsentieren - all das kostet Geld, viel Geld. Audeering ist dabei auch auf Forschungsgelder angewiesen, ohne die vieles nicht möglich wäre. Doch der Vergabe- und Verwaltungsprozess habe noch erheblichen Verbesserungsbedarf, kritisiert Dagmar Schuller.

    Forschungsgelder für Künstliche Intelligenz stocken

    Da gibt es zum Beispiel das sogenannte KMU-Innovativ, ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF. Doch bereits bewilligte Gelder kommen manchmal einfach nicht, so die Erfahrung des Start-ups aus Gilching. Da sei der Haushalt schon ausgeschöpft und zugesagte Mittel flössen dann erst in der nächsten Förderperiode. Das Unternehmen aber kann dann notwendige Schritte nicht finanzieren und fällt im Wettbewerb zurück.

    Zwischen Förderantrag und Vergabe der Mittel würden häufig Bearbeitungszeiträume von 12 bis 18 Monaten vergehen. Das sei für viele Technologien zu langsam, um einen Vorsprung zu haben und sich zu behaupten.

    © BR

    Dagmar Schuller, CEO Audeering

    „Ganz besonders in Anbetracht der KI Strategie des Bundes und der Zielsetzung, zu den USA und China aufzuschließen, steht Deutschland sich mit diesen Prozessen selbst im Weg." Dagmar Schuller, CEO Audeering

    Der administrative Aufwand für die Förderung sei von Beginn an sehr hoch und für kleine Unternehmen kaum leistbar. Zudem gibt es für Unternehmen lediglich eine Förderquote von 50% der Entwicklungskosten, während reine Forschungseinrichtungen 100% der Kosten gefördert bekommen. Kleine Unternehmen werden hier klar benachteiligt, fallen zum Teil ganz durch das Raster der Fördervoraussetzungen.

    Was könnte sich verbessern?

    Dagmar Schuller fordert deshalb „Sonderregelungen für Hightech-Unternehmen", um KI-Innovationen in Deutschland effektiv zu fördern.

    "Bisher haben wir für die Innovation und angewandte Forschung und den Innovationsprozess an sich eine ineffiziente Infrastruktur. Die aktuellen Förderprogramme bedürfen einer dringenden Überarbeitung.“ Dagmar Schuller, CEO Audeering

    Der Bundesverband Künstliche Intelligenz, in dem sich rund 200 Unternehmen zusammengeschlossen haben, drängt auf eine - so wörtlich - "Anpassung der Richtlinien, so dass auch jungen KI-Startups der Zugang zu Fördermitteln ermöglicht wird. Hier müssen, wie in anderen Ländern größere Risiken eingegangen werden, mit dem Ziel, große erfolgreiche Unternehmen aufzubauen."

    Was sagt das Ministerium zu den Vorwürfen?

    Der BR hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit den Vorwürfen von Dagmar Schuller konfrontiert. Im Antwortschreiben rechtfertigt sich die Behörde.

    „Bei der Vergabe von Steuermitteln als Zuwendung – das heißt ohne die Erwartung einer konkreten Gegenleistung - braucht es ein rechtssicheres und transparentes Verfahren; dies bedingt natürlich einen gewissen Aufwand beim Antragsteller. Die Zeitdauer bis zu einer Entscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. die Anzahl an Anträgen und die zeitliche Verfügbarkeit von Gutachtern.“ Bundesministerium für Bildung und Forschung

    Und zur Kritik, dass Gelder manchmal nicht ausbezahlt werden können, heißt es: „Einmal bewilligte Haushaltsmittel können in aller Regel auch ausbezahlt werden und werden quartalsweise abgerechnet.“

    Was gibt Deutschland aus für Künstliche Intelligenz im Vergleich zu USA und China?

    Großspurig hat die Bundesregierung ihre Deutsche Strategie für Künstliche Intelligenz verkündet. Drei Milliarden Euro will die Bundesregierung bis 2025 dafür locker machen. Nach BR-Recherchen soll es nun aber lediglich 500 Millionen Euro frisches Geld geben. Und heuer werden gerade mal 50 Millionen im Haushalt dafür locker gemacht. Ein Armutszeugnis, schaut man nach USA oder China. Laut einer Studie des Konrad Adenauer-Instituts investiert alleine das amerikanische Verteidigungsministerium 6,3 Milliarden Euro in KI-Forschung. Und in China hat zum Beispiel die Stadt Tijian nur für die Stadt einen Förderfonds für KI von 12,8 Milliarden Euro ausgeschrieben. Kein Wunder, dass Deutschland droht, im Bereich künstliche Intelligenz den Anschluss zu verpassen.