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Vielen Autozulieferern macht die zunehmende Umstellung auf Elektro-Antriebe Schwierigkeiten. Bei Webasto in Schierling ist das anders, hier hilft die neue Technologie Stellen aufzubauen. Für viele Mitarbeiter ist das eine Herausforderung.

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Batterien aus Schierling: Jobchancen mit Elektroantrieb

Vielen Autozulieferern macht die zunehmende Umstellung auf Elektro-Antriebe Schwierigkeiten. Bei Webasto in Schierling ist das anders, hier hilft die neue Technologie, Stellen aufzubauen. Für viele Mitarbeiter ist das eine Herausforderung.

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Von
  • Andreas Wenleder
  • BR24 Redaktion

Ein Roboterarm hebt nacheinander mehrere Batteriezellen von einem Förderband und setzt sie in ein Aluminiumgehäuse. Was hier im Webasto-Werk-Schierling im Landkreis Regensburg entsteht sind Batterie-Systeme für Nutzfahrzeuge und Busse mit Elektro-Antrieb. Florian Schweiger ist einer der zuständigen Meister in der Fertigung der Stromspeicher und hat hier eine komplett neue Aufgabe gefunden.

"Man muss sich reinfuchsen"

Bis vor knapp zwei Jahren war Schweiger für die Fertigung von Autodächern im Werk zuständig. Jetzt setzen er und sein Team Batterien zusammen. Ein harter Umstieg. Da er mit Elektrotechnik bis dahin kaum zu tun hatte, musste der 40-Jährige erst nochmal die Schulbank drücken. "Man muss sich schon reinfuchsen, aber es ist machbar. Auch für Nicht-Elektroniker", sagt Schweiger.

Bei Webasto in Schierling sind in den letzten Monaten dutzende Mitarbeiter wie Florian Schweiger umgeschult worden. Das Unternehmen hat dafür viel investiert, sagt Werkleiter Christian Gallner. Es sei eine anstrengende Zeit gewesen, besonders für die Mitarbeiter, von denen die meisten völlig fachfremd gewesen sind, sagt Gallner. Trotzdem Rund 95 Prozent hätten den Umstieg und die internen Schulungen ohne Probleme gemeistert.

Neue Mitarbeiter gesucht

Die E-Mobilität sei für den Standort eine große Chance. Von den rund 430 Mitarbeitern im Werk arbeiten aktuell rund 120 im Batterie-Bereich. Und es sollen noch mehr werden. 30 bis 40 Stellen in unterschiedlichen Bereichen will Gallner demnächst neu besetzen. Die Nachfrage sei da. Künftig werde der Standort in mehreren Schichten und auch an Samstagen Fahrzeug-Batterien zusammensetzen. Zusätzlich werde das Werk in Kürze mit der Fertigung von Stromspeichern für Zuhause beginnen, etwa für Photovoltaikanlagen-Besitzer.

Viele Jobs in der Region sind gefährdet

Während Webasto in Schierling derzeit Personal aufbaut, sind die Aussichten für Beschäftigte an anderen Zulieferstandorten rund um Regensburg derzeit weniger gut. So baut Continental in Regensburg Stellen ab und schließt den Standort für Benzin- und Diesel-Hochdruck-Pumpen in Roding. Der Brems- und Benzinleitungshersteller TI Automotive in Neutraubling schließt ebenfalls und auch bei Antolin in Regenstauf ist das Aus des Standorts bereits beschlossen. Auch bei Webasto wurden am Standort Hengersberg Stellen gestrichen und verlagert.

Jürgen Scholz von der IG Metall in Regensburg sieht derzeit deutliche Unterschiede: Während mache Betriebe komplett ausgelastet sind und wieder Leiharbeiter einstellen, bauen andere Stellen ab. Er sieht derzeit gleich mehrere Faktoren, die Jobs gefährden: Zum einen würden die Unternehmen durch die Verlagerungen in Ländern mit niedrigerem Lohnniveau schlicht Kosten sparen wollen, zum anderen koste die Digitalisierung und Automatisierung Arbeitsplätze. Drittens, könne auch die zunehmende Umstellung auf die E-Mobilität zu Stellenstreichungen führen, sagt Scholz.

"Viele Jahre verschlafen"

Um die Beschäftigung zu sichern fordere die IG Metall deshalb schon lange, dass sich die Firmen neue Technologien erschließen sollen. Zum Beispiel in der Batteriefertigung. "Da hat man viele Jahre verschlafen, von daher ist jeder Einstieg in die Batteriefertigung begrüßenswert", sagt Scholz.

Webasto in Schierling ist diesen Schritt bereits gegangen und will mit der neuen Technologie langsam wachsen. Für Meister Florian Schweiger und seine Kolleginnen und Kollegen ist die Batterietechnik keine Gefahr, sondern eine Chance. "Die E-Mobilität, die kommt und wächst. Da will ich dabei sein", sagt Schweiger.

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Florian Schweiger fertigt statt Autodächern jetzt Fahrzeugbatterien.

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