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Ein Kunde bezahlt seinen Einkauf an einem Stand auf einem Wochenmarkt mit einem Fünf-Euro-Schein (gestellte Szene).

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Digitales Bezahlen – wird das Bargeld abgeschafft?

Bargeld wird weltweit zurückgedrängt, zugunsten von Kartenzahlungen, Überweisungen und Online-Apps. In Deutschland aber sind Scheine und Münzen gesetzliche Zahlungsmittel. Es gibt immer wieder Vermutungen, dass sich das ändern könnte. Was ist dran?

Die Bundesbank behauptet immer wieder, alle Fragen rund um das Bargeld seien eindeutig geklärt. Es gebe da nichts zu befürchten. Wer lieber mit Geldscheinen und Münzen bezahlen möchte, soll das weiterhin uneingeschränkt tun dürfen. Dahinter steht das Recht, das bestimmt, dass Bargeld das gesetzliche Zahlungsmittel in Deutschland ist. Doch tatsächlich sind immer mehr Zahlungen in der gelebten Praxis nur noch digital möglich. Per Karte, Banküberweisung oder App.

Auch Kleinstbeträge können digital bezahlt werden

Je kleiner die Zahlungen, desto häufiger kommt Bargeld zum Einsatz. Bei Beträgen bis fünf Euro soll das in mehr als 90 Prozent immer noch der Fall sein. Gerade für solche Kleinbeträge, sogenannte "Micropayments", eignet sich aber auch das kontaktlose Bezahlen, das seit der Corona-Pandemie als besonders hygienisch gilt. Dabei wird ein Kartenchip oder eine Smartphone-App in geringem Abstand vor ein Lesegerät gehalten.

Ausgaben in Bargeld schwer zu kontrollieren von Staat und Ermittlern

Aus Sicht des Staates ist Bargeld mit größeren Unsicherheiten verbunden. Neben Geldwäsche, Schwarzarbeit und Drogenhandel ist das Bare auch Ziel von Überfällen auf Banken, Einzelhändler oder Geldautomaten, die gesprengt werden. So ist es seit 2023 verboten, Immobilien, Grundstücke, Häuser und Wohnungen in bar zu bezahlen.

Das war vorher fast ausschließlich in Deutschland möglich und wurde im Ausland kritisiert. Der Verdacht war, dass Kriminelle über Strohmänner ihr Geld in bar nach Deutschland transferieren und hier in Immobilien investieren. Beim Notar gaben die Strohmänner dann an, auf eigene Rechnung zu handeln.

Obergrenzen für Barzahlung in allen Euroländern eingeführt oder vorgesehen

So gibt es inzwischen auch eine rechtliche Obergrenze für Bargeldzahlungen. Die liegt in Deutschland bei 10.000 Euro, und in angrenzenden Nachbarländern zum Teil deutlich darunter, etwa bei 5.000 Euro und weniger.

Schon länger müssen Banken bei darüber liegenden Beträgen prüfen, ob ein möglicher Fall von Geldwäsche vorliegt und dazu eine persönliche Erklärung verlangen, mit Vorlage von Pass oder Personalausweis. Das gilt etwa für Bareinzahlungen auf ein bestehendes Konto.

Privater Bereich für Barzahlung teilweise schon eingeschränkt

Verbraucher müssten in der Theorie immer und überall auch in bar bezahlen können. Das ist in der Realität aber nicht der Fall. Immer häufiger wird das Recht auf Barzahlung schlicht ignoriert oder zumindest eingeschränkt.

Da gibt es Tankstellen, die keine großen Euro-Banknoten akzeptieren aus Angst vor Falschgeld. Oder es gibt einen Elektrohändler, der an der Ladenkasse gar kein Cash mehr sehen will. Auch viele Autohändler, die früher auch Barzahlung anboten, wollen den Kaufpreis oder das Geld für die Reparatur inzwischen nur noch per Banküberweisung.

Geregelter Zahlungsverkehr erhöht Sicherheit für alle Beteiligten

Ein Gebrauchtwagenkauf per Überweisung ist natürlich sicherer als der mit großen Barbeträgen, die immer auch eine Gefahr darstellen. Bargeld kann schließlich verlorengehen, gestohlen werden oder anders abhandenkommen - und ist damit nie frei von Risiken.

Alle unbaren Zahlungen sind dagegen digital festgehalten, nachprüfbar und damit sicherer. Viel sollte dabei eigentlich nicht schief gehen können, bis auf extreme Einzelfälle. Fehler bei der Datenübermittlung sind selten. Sie lassen sich in der Regel aufspüren und korrigieren.

Vor dem Ausspähen von Daten durch Hacker, mittels Phishing und anderer krimineller Praktiken ist allerdings ein Schutz notwendig. Karten können missbraucht werden. Kreditkarten sollten zum Beispiel versichert sein. Bei allen bargeldlosen Verfahren gibt es Vorkehrungen, welche die Sicherheit erhöhen. Beim Bargeld muss man das Risiko dagegen ganz alleine tragen.

Digitale Zahlungen: Nur eine Option? Oder steckt mehr dahinter?

Im täglichen Leben läuft es inzwischen häufig auf Überweisungen im Internet oder Kartenzahlung im Laden hinaus. Für beides ist ein Konto notwendig, bei einer Bank oder einem anderen Zahlungsdienstleister.

Diese bekommen damit zusätzlich wichtige persönliche Daten: Etwa über das Konsumverhalten oder bevorzugte Waren und Dienstleistungen mit den dazugehörigen Aufenthaltsorten. Alle diese Vorgänge sind digital erfasst und komplett nachvollziehbar, mit allen Vor- und Nachteilen.

Vorteil: Kontrolle auch auf Seiten der Verbraucher

Einerseits gibt das mehr Kontrolle über persönliche Ausgaben, die man mit dem Kontoauszug nun überprüfen oder gegenüber dem Finanzamt nachweisen kann. Auf der anderen Seite ist man über diese Daten jederzeit kontrollierbar.

Es geht beim bargeldlosen Bezahlen auf jeden Fall ein Teil der gelebten Freiheit des Bargelds verloren. Der private Bereich, in den niemand einen Einblick haben sollte, wird dadurch zweifellos kleiner. Einige Bürger versuchen diesen Bereich zu vergrößern, indem sie Bargeld horten oder Ausgaben im Voraus planen, die dann möglichst in Cash abgewickelt werden.

Gegenmodell: "Cash Stuffing" statt Bankkonto und Zahlkarte

Wie in alten Zeiten, als es noch die Lohntüte mit Bargeld vom Arbeitgeber gab, räumen sogenannte "Cash Stuffer" zwecks besserer Finanzplanung ihr Bankkonto regelmäßig ab und bewahren das Geld zu Hause auf. Dort wird mit dem Cash reiner Tisch gemacht, alle erwartbaren Ausgaben werden aufgeschrieben. Für alles, was ansteht, kommt der entsprechende Barbetrag in einen Briefumschlag. Auch der Rest, der frei zur Verfügung steht, wird minutiös verteilt und eingeplant.

So glauben einige, ihre Ausgaben besser in den Griff zu bekommen, um zum Beispiel Schulden abzubauen. Denn die zahlreichen Möglichkeiten der Bezahlsysteme können auch zu Mehrausgaben verleiten.

Große Vielfalt von Zahlungssystemen erschwert Ausgabendisziplin

Bei den vielen Wegen, die das Geld nehmen kann, kann der Überblick leicht verloren gehen: Neben der Barzahlung gibt es Banküberweisung, Lastschrift, EC- oder Debit-Karte, zusätzliche Kreditkarten, Bezahl-Apps im Smartphone oder auf der Smartwatch sowie neuerdings elektronische Wallets im Internet von digitalen Anbietern wie Apple, Google oder PayPal.

Daneben existieren noch sogenannte Neo-Banken und –Broker, die mit ihren Zahlungsmöglichkeiten häufig auch zusätzliche Kredite anbieten. Bei Banken und Kreditkartengesellschaften gehört es zum Geschäftsmodell, dass Kunden und Verbraucher ihre Zahlungen nach Art und Menge ausweiten können, was dann bei manchen Menschen zu einem Kontrollverlust führen kann.

Deutscher Staat akzeptiert meist keine Barzahlung mehr

Schließlich muss auch die Doppel-Rolle gesehen werden, die der Staat selbst in der Frage von Bargeld und digitalem Bezahlen spielt: Einerseits sorgt er über die Notenbanken für das Bargeld - mit dem er jedoch selbst aber auf der anderen Seite immer weniger zu tun haben will.

Der Staat, der das Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel laut Bundesbank und EZB garantieren soll, verstößt selbst häufig gegen diesen Grundsatz, indem er in Deutschland (bis auf wenige Ausnahmen wie etwa alte Parkuhren) kaum noch Bargeld akzeptiert, sondern nur noch Überweisungen. Anders ist das zum Beispiel in Frankreich, wo sich Steuerschulden bis zu bestimmten Beträgen in bar begleichen lassen - oder zumindest mit der EC- oder Debit-Karte. In unserem Nachbarland ist das in kommunalen Bürgerbüros immer noch möglich.

Eine Möglichkeit zur Barzahlung von Steuern beim Finanzamt besteht in Deutschland nicht (§ 224 Absatz 4, Abgabenordnung). Die Verwaltung habe dem Gesetz zufolge vielmehr von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die noch bestehenden Kassen für die Barzahlung gegen Quittung zu schließen.

Digital bezahlen – oder mit Bargeld?

Bei der Frage, was besser ist, bar oder unbar zu bezahlen, werden letztlich immer persönliche Vorlieben den Ausschlag geben. Die Akzeptanz von Bargeld ist in vieler Hinsicht rückläufig, nicht nur im Wirtschaftsleben sondern eben auch bei den Staaten selbst, so dass die Entwicklung eindeutig ins Digitale zeigt.

Ein wichtiger Grund dafür ist der hohe Aufwand, der mit der Verwendung von Bargeld immer schon verbunden war, und der mittlerweile auch unter Energie- und Klimagesichtspunkten eine Rolle spielt.

Bargeldkreislauf verschlingt viele Ressourcen

Banknoten und Geldmünzen müssen, um fälschungssicher zu sein, sehr aufwendig hergestellt werden. Dann kommt der Kreislauf des Geldes in Gang: Von der Gelddruckerei oder Münzprägeanstalt geht es in das Verteilsystem der Bundesbank, die das Bargeld den Banken je nach Bedarf zuteilt. Diese bringen es über Geldautomaten in Umlauf, bis es der Verbraucher im Einzelhandel an der Kasse wieder abliefert. Dann geht es über die Banken der Händler zurück zur Bundesbank, die dort die Menge des umlaufenden Geldes erfasst und steuert sowie die abgenutzten und veralteten Scheine aussortiert.

Das ist ein logistischer Kraftakt, der auch viel händische Arbeit notwendig macht. In Zeiten der Digitalisierung erscheint dieser "altmodische" Umgang mit Geld überholt und überflüssig. Banken und Händler wollen den hohen Personalaufwand und alle damit verbundenen Kosten gern so gering wie möglich halten.

Wird es bald kein Bargeld mehr geben?

Schweden und Brasilien gelten als Musterbeispiele dafür, wie schnell und einfach das herkömmliche Bargeld sich auf zwei ganz unterschiedlichen Wegen quasi abschaffen lässt. Obwohl auch in diesen Ländern Banknoten und Geldmünzen immer noch vorhanden sind, spielen sie im Alltag so gut wie keine Rolle mehr.

Ein solches Szenario wäre wohl auch in Deutschland zumindest denkbar. In Schweden haben sich Verbraucher schlicht und einfach angewöhnt, so gut wie alles mit Karte oder online zu bezahlen.

Brasilien: Bezahlen ohne Bargeld und Bankkonto

In Brasilien ist der Fall etwas komplizierter. Dort hat die Notenbank neben Cash und Bankgeld (dem digitalem Giralgeld auf Bankkonten) ein eigenes, digitales Geld der Zentralbank eingeführt. Das hat sich unter dem Namen "Pix" überraschend deutlich durchgesetzt und die beiden anderen Geldformen im täglichen Gebrauch weitgehend verdrängt. Der private Bankensektor, der an diesem neuen Zahlungsmittel kein Interesse hatte, wurde von der brasilianischen Regierung verpflichtet, auch "Pix" zu akzeptieren. Dieses Geld findet sich nur in elektronischen "Wallets", von denen es direkt ausgetauscht wird, zum Beispiel von Smartphone zu Smartphone.

In Brasilien braucht man so weder Scheine noch Münzen - und auch kein Bankkonto mehr.

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