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Balkonsicherheit - Jetzt ist die Zeit für einen kritischen Blick | BR24

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Zwischen Rost und Ritze: Balkone müssen gepflegt werden, sonst werden sie zum Sicherheits-und Kostenrisiko

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    Balkonsicherheit - Jetzt ist die Zeit für einen kritischen Blick

    Wer im Winter seinen Balkon auf Schäden prüft, muss Tauwetter und Wasserschäden im Frühjahr nicht fürchten. Denn Nachlässigkeit kann teuer und sogar sehr gefährlich werden.

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    "Niederbayer durchbricht Geländer und stürzt in Österreich 9 Meter in die Tiefe". "Balkon im Landkreis Miltenberg bricht von der Fassade und begräbt zwei Männer unter sich" Immer wieder lesen wir von solchen Balkonunfällen, auch wenn sie nicht immer so spektakulär verlaufen wie im Juli 2019 in Stuttgart: Dort rutschten sechs Bewohner mitsamt einem gefüllten, viel zu schweren Pool vom ersten Stock vier Meter in die Tiefe. Leichte Verletzungen, 100.000 Euro Sachschaden und Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung waren das Ergebnis dieser Balkon-Fehlnutzung.

    Beim Balkon klaffen Theorie und Praxis weit auseinander

    An den gesetzlichen Vorgaben kann es nicht liegen, sagt Diplom-Ingenieur Hans Schröder vom Verband privater Bauherren in Augsburg.

    Nichts ist so sicher wie ein fachgerechter deutscher Balkon, aber nur wenn die Vorgaben auch tatsächlich eingehalten werden.

    Und daran mangelt es in der Praxis nicht selten, wie Jutta Heinkelmann von der Bayerischen Architektenkammer bestätigt. Geländermindesthöhe, Kletterschutz für Kleinkinder, Sicherheitsglas und vieles mehr sind in der Bayerischen Bauordnung genau festgelegt. Doch da gibt es viele Ausnahmeregelungen, die nur Profis kennen - etwa bei den Abstandsflächen oder der Barrierefreiheit. Hinzu kommt: Die Vorschriften können von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein. Und manchmal werden sie einfach nicht genau beachtet.

    Doch Vorschriften sind beim Balkon ja durchaus berechtigt. Dabei geht es nicht nur um den Schutz der Eigentümer, Mieter oder Passanten sondern auch um die Kosten für Instandhaltung oder Renovierung. In Kürze erscheint der neue Bauschadensbericht. Demnach seien die Schadenkosten bei Baukonstruktionen, zu denen auch Balkone gerechnet werden, seit 2013 um 25 Prozent gestiegen, informiert die Mitautorin Heike Böhmer vom Institut für Bauforschung in Hannover.

    Balkone kosten, bis zu 20.000 Euro je nach Größe und Ausführung sind keine Seltenheit. Und weil viele der heute angebotenen Kaufobjekte 50 Jahre oder älter sind, sollten Kaufinteressenten diesen möglichen Renovierungsbedarf bei den Preisverhandlungen einberechnen. Aber welcher Immobilienkäufer hat diesen fachmännischen Blick und stellt bei der Besichtigung die richtigen Fragen? Zum Beispiel nach dem eigentlich vorgeschriebenen Notüberlauf, ob das Geländer tatsächlich 1,10 Meter Mindesthöhe hat, oder ob die Balkontür die zulässige Schwellenhöhe vorweisen kann ? Wer da auf Nummer sicher gehen will, lässt sich von einem auf Baumängel spezialisierten Gutachter begleiten.

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    Balkonsachverständige wie Martin Beyer aus Fulda raten zu einer gründlichen Bestandsaufnahme bevor das Tauwetter einsetzt

    Feuchteschutz spielt dabei eine herausragende Rolle, Bauschäden enstehen oft durch eine falsche Abdichtung. Oft werden Fliesen verlegt, ohne vorher abzudichten. Fugenschäden bleiben zu lange unbeachtet, sodass eindringendes Wasser den Estrich zerstört oder Bewohner legen Teppiche auf den Balkon, die sich wie ein Schwamm mit Wasser vollsaugen.

    Was Eigentümer tun sollten

    Verstopfte Abflussrohre befreien ist jetzt die dringendste Maßnahme, um spätere Frostschäden zu vermeiden. Im Frühjahr sollten Hausbesitzer Boden und die Brüstung genau untersuchen. Pflicht ist auch ein Blick auf die Anschlussstellen zwischen Balkon und Gebäude. Haben sich Bleche verformt, sind Schweißbahnen gerissen oder Fugen undicht ? Holzgeländer können durch die Winterfeuchtigkeit zudem durchfaulen. Ist die kalte Jahreszeit vorbei, hat sich oft ein Biofilm aus Moosen und Algen gebildet. Nach der unbedingt nötigen, gründlichen Reinigung kann der Balkonboden auch noch mit Öl oder Wachs versiegelt werden, um ihn vor der Sonne zu schützen. Übrigens: Beim Einsatz von Hochdruckreinigungsgeräten raten Fachleute zur Vorsicht, damit zerstörerische Feuchtigkeit nicht unerkannt durch feine Risse und Hohlräume gelangt.