BR24 Logo
BR24 Logo
Wirtschaft

Bahn mit Fahrgastrekord und Unsicherheit wegen Corona-Pandemie | BR24

© ARD / RBB / Karsten Zummack

Bilanz der Deutschen Bahn

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bahn mit Fahrgastrekord und Unsicherheit wegen Corona-Pandemie

Mehr als 150 Millionen Reisende hat die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr im Fernverkehr transportiert. Ein Rekord, genauso wie die Höhe der Investitionen. Die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise sind derweil noch nicht absehbar.

Per Mail sharen
Teilen

Eigentlich war es ein gutes Jahr: So viele Passagiere und so viel Investitionen wie nie. 2019 sollte der Einstieg in ein Bahnjahrzehnt sein. Doch seit ein paar Wochen stehen im Zuge der Coronakrise viele Signale wieder auf Rot. Weil DB-Chef Richard Lutz in häuslicher Quarantäne ist, fiel sogar die Bilanz-Pressekonferenz aus.

Wie viel Verkehr muss sein?

In den vergangenen Tagen entbrannte ein Streit um 50, 75 oder 90 Prozent. Ausgetragen wurde er zwischen den Bahngewerkschaften GDL, EVG und dem Bundeskonzern Deutsche Bahn. Es ging um die Frage, wie viele Züge die Bahn im Fernverkehr momentan fahren lässt und was notwendig ist, obwohl Deutschland wegen des Shutdown weitgehend zum Stillstand kam. 90 Prozent der Verbindungen würden bedient, behauptete die Gewerkschaft der Lokführer, die Bahn konterte mit 75 Prozent und die Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft forderte 50 Prozent. In der Pressemitteilung zur Bilanz findet sich dazu nichts. Zur Covid-19 Pandemie heißt es nur, die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen seien noch nicht abschätzbar.

Fernverkehr von Pandemie betroffen

Natürlich wird die Coronakrise den Fernverkehr treffen. Der hatte im vergangenen Jahr mit 151 Millionen Reisenden einen neuen Fahrgastrekord aufgestellt, den fünften in Folge. 2,8 Millionen zusätzliche Fahrgäste stiegen in die ICE und IC-Züge. Auch deswegen konnte die Bahn AG den Umsatz um ein Prozent auf 44,4 Milliarden Euro steigern. Wenn jetzt aber nur noch "heiße Luft" transportiert wird, wie der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky gewohnt provokativ sagte, trifft das den Fernverkehr hart. Die Frage, wie viel Angebot sein muss, ist deshalb von Bedeutung.

Bahn will Grundversorgung sicherstellen

Die Bahn teilte am Mittwoch mit, man habe das Angebot maßvoll reduziert, um die Kräfte der Mitarbeiter zu schonen. Gerade jetzt sei es für bestimmte Berufsgruppen besonders wichtig, mit der Bahn zuverlässig zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Man komme der Verantwortung für das Funktionieren der Infrastruktur nach. Auch die Gewerkschaft EVG forderte die Bahn auf, Ressourcen zu schonen, um Erkrankungen der Beschäftigten vorzubeugen. Hier werden die kommenden Wochen entscheidend sein.

Güterbahn von Rezession betroffen

Der Konzernbereich DB Schenker konnte im vergangenen Jahr einen weiteren Rekord (538 Mio Euro) einfahren. Darunter sind die weltweiten Logistikbereiche der Deutschen Bahn gebündelt. Doch schon jetzt ist absehbar, dass im ersten Quartal die Geschäfte schlechter liefen. Anfang des Jahres wütetet Covid-19 zwar in erster LInie in China, aber bereits das brachte die Logistikunternehmen in Schwierigkeiten, die Nachfrage sank.

Schwierig ist auch die Lage bei der Güterbahn DB Cargo. Sie sucht schon seit Jahren nach einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell und verschliss in dieser Zeit mehrere Vorstände. Nun soll es Sigrid Nikutta richten, die zuvor resolut die Berliner Verkehrsbetriebe saniert hatte. Doch bereits im vergangenen Jahr war spürbar, dass die Autobranche und die Stahlunternehmen weniger umsetzten. Die Verkehrsleistung sank um 3,7 Prozent. Und jetzt sind die Aussichten weiter düster. Eine Sanierung von DB Cargo wird zum Kraftakt.

Milliarden in Zukunftsinvestitionen

Der einzige Bereich, der bei der Deutschen Bahn von der Coronavirus-Pandemie verschont bleiben dürfte, sind die riesigen Investitionen in die Infrastruktur. Mit Milliarden sollen Schienen, Gleise, Signale aber auch Bahnhöfe und Züge erneuert werden und die weitere Digitalisierung der Infrastruktur vorangetrieben werden. Die Milliardeninvestitionen könnten schon jetzt für alle betroffenen Industrien ein vorgezogenes Konjunkturpaket sein. Denn das Geld, das für die Bahn ausgegeben wird, kommt zum größten Teil vom Bund. Der Bund zahlt bis 2029 in der neuen Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung 62 Milliarden Euro. Dies ist ein Plus gegenüber der 2019 ausgelaufenen Vereinbarung von fast 60 Prozent. Die Bahn selbst soll die übrigen gut 24 Milliarden Euro aus eigenen Mittel aufbringen, sowie über Dividenden an den Bund, die ins Netz zurückfließen. Und so erhöhten sich schon 2019 die Nettoinvestitionen um 41 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro.

Das operative Ergebnis sank deswegen um 13 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Oder wie der Vorstandsvorsitzende Richard Lutz schrieb: "Zukunftsausgaben haben Vorrang, was sich mittelfristig an niedrigeren Ergebnissen widerspiegeln wird."

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!