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BaFin und Wirecard - Nur ein Mitarbeiter zur Kontrolle? | BR24

© dpa-Bildfunk/Boris Roessler

BaFin-Sitz in Frankfurt

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    BaFin und Wirecard - Nur ein Mitarbeiter zur Kontrolle?

    Nach dem Bilanzskandal bei Wirecard steht auch die Aufsichtsbehörde BaFin unter Druck. Warum hat sie nicht Alarm geschlagen? Laut einem Medienbericht könnte ein Verein mit Personalnot dafür mitverantwortlich sein.

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    Wie ist es möglich, dass der Bilanzskandal beim Finanzdienstleister Wirecard Behörden und Wirtschaftsprüfer so lange nicht auffiel? Diese Frage rückt bei der Aufarbeitung immer weiter in den Fokus. Vor allem die Finanzaufsichtbehörde BaFin steht unter Druck: Nun berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", dass die Behörde Anfang 2019 mit einer Sonderprüfung des Dax-Unternehmens die privatrechtlich organisierte Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) beauftragt hat. Ein Vorgang, der laut dem Bericht gesetzeskonform war. Doch bei der gelegentlich "Bilanzpolizei" genannten DPR beschäftigte sich laut "FAS" nur ein Mitarbeiter mit der Prüfung.

    "BamS": Vertrag mit DPR wird gekündigt

    Private Wirtschaftsprüfungsgesellschaften setzten dagegen bei ähnlich schwierigen Fällen in Großunternehmen nicht selten Dutzende von Bilanzierungsfachleuten ein. Das Ergebnis seiner 16-monatigen Prüfung liegt offenbar bis heute nicht vor. Laut "Bild am Sonntag" wollen Bundesjustiz- und das Bundesfinanzministerium als Konsequenz aus den Vorgängen die Zusammenarbeit mit der DPR beenden.

    "Schaden ist immens und wird Jahre nachwirken"

    Wirecard hat diese Woche Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen eingestehen musste, dass in der Bilanz aufgeführte Barmittel von 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf asiatischen Bankkonten lagen, nicht auffindbar seien. BaFin-Präsident Felix Hufeld bezeichnete die Ereignisse als eine "Schande" für Deutschland. Er muss am Mittwoch im Finanzausschuss des Bundestags Rede und Antwort stehen.

    Die BaFin wurde zuletzt massiv kritisiert. So sprach der Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums, Wolfgang Gerke, von einem Versagen der Aufsichtsbehörden. "Sie haben nicht genug recherchiert und dem Management von Wirecard vertraut", sagte der Bankenexperte im Interview der "Passauer Neuen Presse". "Für die Wirtschaftsprüfer und die Aufsichtsbehörde BaFin ist das ein Armutszeugnis." Er vermute ein korruptes Netz hinter dem Skandal. "Der hier verursachte Schaden ist immens und wird Jahre nachwirken."

    Reform der Finanzaufsicht angekündigt

    Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat als Konsequenz aus dem Bilanzskandal eine Reform der deutschen Finanzaufsicht angekündigt. Die EU-Kommission hatte im Fall Wirecard die europäische Finanzaufsicht ESMA eingeschaltet. Die Aufseher sollen den Zusammenbruch des Münchner Zahlungsdienstleisters und mögliche Versäumnisse der Aufsichtsbehörden unter die Lupe nehmen. Bis 15. Juli soll ein vorläufiger Untersuchungsbericht vorliegen.

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