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Autozulieferer Harman will Werk in Straubing definitiv schließen | BR24

© BR/Sarah Beham

Autozulieferer Harman will Werk in Straubing definitiv schließen

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Autozulieferer Harman will Werk in Straubing definitiv schließen

Das Werk des Autozulieferers Harman in Straubing wird geschlossen - daran würden auch Gespräche mit Politikern nichts ändern, heißt es aus dem Unternehmen. Dennoch sei man bereit, sich an einen Tisch zu setzen.

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Offenbar gibt es daran nichts zu Rütteln: Der Automobilzulieferer Harman wird sein Werk in Straubing aufgeben und damit mehr als 600 Mitarbeiter auf die Straße setzen. Daran würden auch Gespräche mit Politikern nichts ändern, hieß es aus dem Unternehmen. Dennoch schätze man das Angebot, nächste Woche miteinander zu sprechen.

"Sehen keine Alternative"

Eine Unternehmenssprecherin von Harman sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Wir haben klar die Gründe dargelegt, dass wir nicht mehr in der Lage sind in Straubing zu produzieren. Wir sehen keine andere Alternative als das Werk in Straubing zu schließen". Gemeinsam wolle man aber bei einem Treffen sozial verträgliche Lösungen für die 625 Mitarbeiter finden. Heute findet auch eine Mitarbeiterversammlung bei Harman in Straubing statt. Dort soll über die weiteren Schritte informiert werden.

Mitarbeiter entsetzt und wütend

Der Betriebsrat und die IG Metall Bezirksleitung München wollen sich nächste Woche in Straubing treffen. Sie finden sich nicht mit der Tatsache ab, dass das Werk in Straubing geschlossen wird. Die Mitarbeiter sind entsetzt. Es herrsche Wut, sagte Heinz Hausner von der IG Metall dem Bayerischen Rundfunk. Gemeinsam wolle man nächste Woche nicht nur verschiedene Optionen durchsprechen, beispielsweise die Suche nach einem Käufer für den Standort in Straubing, sondern auch Protestaktionen in Straubing planen.

IG Metall: "Absolute Katastrophe"

Die Werksschließung des Autozulieferers Harman in Straubing ist für den Standort eine "absolute Katastrophe", sagte Heinz Hausner von der IG Metall Passau. Er bezeichnete die Begründung der Werksleitung als "fadenscheinig". Viele Mitarbeiter haben eine lange Betriebszugehörigkeit und teilweise würden beide Ehepartner bei Harman arbeiten, so Hausner. Zwar seien die Mitarbeiter hoch qualifiziert, aber eben nur für ihr Produkt. Daher schätzt Hausner deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt in der Region als "relativ schlecht" ein. Außerdem komme die Werksschließung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. In der derzeitigen Industriekrise verhielten sich Betriebe im Umfeld sehr verhalten und würden teilweise Leiharbeiter abbauen.

Landrat will Hilfsmöglichkeiten ausloten

Auch der Landrat des Landkreises Straubing-Bogen, Josef Laumer (CSU) zeigt sich betroffen: "Wir haben auch das weitere Gespräch mit dem Betriebsrat gesucht, um Hilfsmöglichkeiten durch den Landkreis auszuloten. Anfang kommender Woche wird es deshalb auch ein Treffen geben." Zudem will Laumer Unternehmen aus dem Landkreis mit dem Betriebsrat vernetzen, um auszuloten, wo Bedarf an Arbeitskräften besteht und welche Anschlusslösungen möglich sind.

Grund der Schließung: Steigender Kostendruck

Der Automobilzulieferer Harman hat am Donnerstagnachmittag in einer Pressemitteilung mitgeteilt, das Straubinger Werk noch dieses Jahr schließen zu wollen - 625 Arbeitsplätze fallen dadurch weg. Begründet wird die Entscheidung mit dem steigenden Kostendruck in der Zuliefererindustrie sowie mit Absatzrückgängen, neuen Technologien und zunehmende Automatisierung. Die im Werk Straubing laufende Produktion von Infotainment- und Automotive-Audio-Lösungen soll nach Ungarn verlagert werden.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) und der Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) hatten sich am Donnerstagnachmittag kurzfristig in Straubing getroffen. Sie wollen sich gemeinsam für die Mitarbeiter einsetzen.

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Die Entscheidung sei gefallen, auch Gespräche mit Politikern, zu denen man grundsätzlich bereit sei, könnten daran nichts ändern: Das Werk in Straubing werde geschlossen, so heißt es aus dem Unternehmen. Reaktionen ...