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Wirtschaft

Autovermieter Hertz meldet in den USA Insolvenz an | BR24

© picture-alliance/dpa

Kunden stehen am Schalter in einer Station des Autovermieters Hertz in Las Vegas.

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    Autovermieter Hertz meldet in den USA Insolvenz an

    Der Autovermieter Hertz hat aufgrund der Corona-Krise einen Insolvenzantrag in den USA gestellt. Das europäische Geschäft sei davon aber nicht betroffen. Etwa die Hälfte aller Beschäftigten weltweit wurde bereits beurlaubt oder entlassen.

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    Der US-Autovermieter Hertz hat in der Corona-Krise Insolvenz angemeldet. Der Rückgang von Reisen habe zu einem "plötzlichen und dramatischen" Einbruch bei Umsätzen und Buchungen geführt, erklärte das Unternehmen. Während der Neuaufstellung in der Krise werde der Betrieb im Zuge des Verfahrens nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts weitergeführt. Dieses Verfahren sieht eine Sanierung vor. Das internationale Geschäft des Autoverleihers in Europa, Australien oder Neuseeland sei von dem Insolvenzantrag nicht betroffen.

    Hertz teilte mit, der Konzern habe sich mit seinen größten Gläubigern nicht auf eine langfristige Reduzierung der Zahlungen einigen können. Auch hätten sich Hoffnungen auf eine Unterstützung der US-Regierung für Autovermieter zerschlagen. Diese Entwicklungen zwangen Hertz schließlich zum Insolvenzantrag. Das "Wall Street Journal" berichtete zugleich, das Unternehmen und die Gläubiger wollten noch einen Deal aushandeln, um eine Auflösung der Flotte aus Hunderttausenden Mietwagen zu vermeiden.

    Zur Höhe der Schulden machte der Mietwagenanbieter keine Angaben. Das "Wall Street Journal" berichtete aber von einer Verschuldung von rund 19 Milliarden Dollar (17,4 Milliarden Euro) und knapp 700.000 Fahrzeugen, die wegen der Pandemie größtenteils ungenutzt blieben.

    Etwa 20.000 Beschäftigte entlassen oder beurlaubt

    Hertz betonte, das Unternehmen habe mehr als eine Milliarde Dollar (920 Millionen Euro) an Barbeständen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Im März leitete Hertz erste Maßnahmen als Reaktion auf die Corona-Krise ein. Am 21. April hatte der Mietwagen-Riese bereits 10.000 Stellen in Nordamerika gestrichen, das entspricht 26,3 Prozent seiner weltweiten Stellen. Gestern erklärte das Unternehmen, es seien insgesamt 20.000 Mitarbeiter entlassen oder beurlaubt worden, rund die Hälfte aller Beschäftigten. Das in Estero im US-Bundesstaat Florida ansässige Unternehmen beschäftigt etwa 38.000 Mitarbeiter, davon allein 29.000 in den USA.

    Die Zahl der Fahrzeuge und Standorte werde reduziert. Man beabsichtige dennoch, Kunden weiterhin die gleiche Qualität anzubieten und Lieferanten sowie Arbeitnehmer zu bezahlen, betonte Hertz. Auch Treueprogramme sollten weitergeführt werden.

    Der Konzern ist mehr als 100 Jahre alt und gilt als eine der größten Leihwagenfirmen weltweit. Hertz vermietet Fahrzeuge auch unter den Marken Dollar und Thrifty. Das Unternehmen hatte bereits seit Jahren einen milliardenschweren Schuldenberg angehäuft. Diesen schleppt Hertz seit einer zeitweisen Übernahme durch Finanzinvestoren mit sich herum.

    Krise in der US-Wirtschaft

    Die Krise hat die US-Wirtschaft schwer in Mitleidenschaft gezogen: Seit der Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie in den USA im März haben bereits mehr als 38 Millionen Menschen mindestens zeitweise ihren Job verloren - so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit.

    US-Präsident Donald Trump drängt deshalb die US-Bundesstaaten zu einer möglichst schnellen Lockerung der Schutzmaßnahmen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Er schließt zudem einen weiteren Lockdown aufgrund der Pandemie aus, um die Wirtschaft nicht weiter in Bedrängnis zu bringen.

    Konkurrenz gerät ebenfalls unter Druck

    Nicht nur Hertz, sondern auch Autoverleiher wie Avis griffen in der Corona-Krise zu harten Einschnitten und stockten ihre Geldreserven auf. Der größte deutsche Autovermieter Sixt schrieb zwar zuletzt rote Zahlen und plante bereits "ein verheerendes zweites Quartal ein" - will aber weder Stellen abbauen, noch Stationen schließen. Er rechne damit, dass im zweiten Halbjahr das Geschäft wieder anziehe, sagte Vorstandschef Erich Sixt.