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Viele Automobil-Zulieferer werden Arbeitsplätze in großer Zahl abbauen. Auch wenn die Talsohle in der Branche inzwischen durchschritten ist.

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    Automobilindustrie in Bayern: Die goldenen Jahre sind vorbei

    Der Automobilzulieferer Continental will in Bayern massiv Stellen abbauen. Die Mitarbeiter reagieren geschockt. Dabei gibt es schon seit längerem Anzeichen, dass die goldenen Jahre in der Automobilindustrie vorbei sind – nicht nur wegen Corona.

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    Von
    • Uli Scherr

    Geschockt und wütend. So haben in dieser Woche die Continental-Mitarbeiter in Regensburg reagiert, als sie vom geplanten Stellenabbau gehört haben. Es geht um mehr als ein Viertel aller Jobs bei Conti in Regensburg. Der IG Metall-Geschäftsführer in Regensburg hat kein Verständnis für die Pläne von Continental:

    "Es gibt andere Wege, als 2.100 Arbeitsplätze zu streichen. Die Konkurrenz hat das gezeigt. Neben Kurzarbeit kann man auch kollektiv die Arbeitszeit absenken. Dafür haben die Beschäftigten eine Zukunftssicherung." Rico Irmischer, IG Metall-Geschäftsführer Regensburg

    In Niederbayern und der Oberpfalz arbeiten mehr als 60.000 Menschen in der Automobilindustrie, vor allem bei den Zulieferbetrieben. Noch - muss man sagen. Denn in den letzten Wochen gab es für die Branche reihenweise schlechte Nachrichten.

    Im Juli wurde das Aus für das Neutraublinger Werk des Zulieferers HP Pelzer mit 100 Mitarbeitern verkündet. Eine Woche später meldete Webasto, dass der Standort Hengersberg bei Deggendorf dicht gemacht wird. 200 Beschäftigte sind hier betroffen.

    Erst diese Woche dann gab der Scheinwerfer-Hersteller Hella bekannt, sein Regensburger Werk mit immerhin 60 Beschäftigten zu schließen.

    In anderen Regionen Bayerns sieht es kaum besser aus. Beispiel Oberfranken: Brose in Coburg teilte Mitte August mit, dass mit dem Betriebsrat jetzt über einen Stellenabbau verhandelt wird. Umfang unbekannt.

    Die Corona-Pandemie scheint einer ohnehin taumelnden Branche den k.o.-Schlag zu versetzen, sagt die IG-Metall.

    "Wir kennen die Zahlen, wie die Einbrüche bei den Automobilverkäufen sind. Dementsprechend ist nicht wegzudiskutieren, dass Corona auf die Situation großen Einfluss hat. Da gibt es aber andere Antworten, als 2.100 Leute auf die Straße zu setzen." Rico Irmischer, IG Metall-Geschäftsführer Regensburg

    Der Standortleiter bei Continental in Regensburg widerspricht. Er ist der Mann, der den angekündigten Stellenabbau jetzt organisieren muss – und sagt, die Autoindustrie mache gerade den tiefgreifendsten Wandel ihrer Geschichte durch.

    "Es handelt sich einmal um eine generelle Absatzkrise, es handelt sich um einen Wandel im Antriebsstrang. Und wir haben dazu eine Transformation im Produktionsumfeld hin zu mehr Automatisierung und Digitalisierung. Das Ganze, überlagert von Corona, führt dazu, dass wir Maßnahmen ergreifen müssen." René Krahn, Standortleiter Continental Regensburg

    Generell gehe es darum, den Standort Regensburg wettbewerbsfähig und zukunftsfest zu machen.

    "Dazu ist aber ein Beitrag der Arbeitnehmerseite zu leisten als Voraussetzung, dass wir diese Maßnahmen auch umsetzen." René Krahn, Standortleiter Continental Regensburg

    Übersetzt heißt das: An dem geplanten Stellenabbau bei Conti in Regensburg ist nicht zu rütteln.

    Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger will niemandem falsche Hoffnungen machen und weist auf seinen begrenzten Handlungsspielraum hin.

    "Diese Umstrukturierungsprozesse sind international aufgesetzt und von einer solchen Tragweite, da komme ich mit einem reinen Technologieförderprogramm nicht mehr durch. - Natürlich tut das sehr weh, wenn hier über 2000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Wir tun alles, um zu retten, was zu retten ist. Aber die Hoffnung ist nicht ganz groß, dass wir das noch völlig abwenden können." Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister Bayern