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Automobilexperte Bratzel: Mehr mit China zusammenarbeiten | BR24

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Die schwächelnde Weltwirtschaft, die internationalen Handelskonflikte und der anstehende Brexit machen den deutschen Autobauern zu schaffen. Der Verband der Automobilindustrie VDA erwartet eine längere Durststrecke.

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Automobilexperte Bratzel: Mehr mit China zusammenarbeiten

Die Autoindustrie steckt in der Krise - auch die aktuelle Prognose des Branchenverbands VDA fällt ernüchternd aus. Im BR24-Interview erwartet der Automobilexperte Stefan Bratzel weiteren Stellenabbau und fordert mehr Kooperationen mit China.

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Stellenabbau bei Daimler und Audi, weniger Erfolgsbeteiligung bei BMW und Kurzarbeit bei vielen Zulieferern: Die Autoindustrie hat derzeit mit einigen Problemen zu kämpfen, zum Beispiel mit weniger verkauften Fahrzeugen weltweit oder mit der Umstellung auf die Elektromobilität.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) stellte heute seine Prognose für das kommende Jahr vor - auch diese macht der Branche wenig Mut. Der VDA geht darin für 2020 von weltweit etwa 78,9 Millionen verkauften Autos aus – das wären ein Rückgang von einem Prozent.

Der Automobilexperte Stefan Bratzel von der Hochschule Bergisch Gladbach sieht noch viel Arbeit auf die gesamte Industrie zukommen. Er spricht sich im BR24-Interview für mehr Zusammenarbeit mit China aus.

Der Verband geht für das kommende Jahr von noch mehr Personalabbau aus. Wie dramatisch ist die Situation?

Die aktuelle Situation ist geprägt von einer schwächeren konjunkturellen Nachfrage, gepaart mit der Transformation hin zur Elektromobilität. Und das kostet massiv Arbeitsplätze. Wir rechnen damit, dass bis 2030 in der Autoindustrie in Deutschland rund 150.000 Arbeitsplätze wegfallen werden.

Vor allem die Nachfrage auf dem chinesischen Markt schrumpft. Woran liegt das?

Der wesentliche Grund für den Nachfrage-Rückgang in China ist der Handelskonflikt mit den USA. Der sorgt grundsätzlich für geringere Umsätze in China beim Konsum. Entsprechend werden auch Neufahrzeuge weniger nachgefragt. Wir müssen uns in China insgesamt auf geringere Wachstumsraten einstellen.

Sind die deutschen Hersteller ausreichend für den chinesischen Markt gewappnet, der stark auf Digitalisierung setzt?

Die deutschen Hersteller sind sicherlich im Bereich der Innovationen sehr gut. Beim Thema Digitalisierung muss man aber mit den chinesischen Big Data-Playern wie Tencent, Baidu und Alibaba zusammenarbeiten. Hier gibt es sicherlich auch Fortschritte bei den eigenen chinesischen Automobilherstellern, die stark sind. Das ist ein Gebiet, wo sich die deutschen Hersteller in den nächsten Jahren noch deutlich schneller und stärker aufstellen müssen.

Wie gut sind die Zulieferer dafür gerüstet?

Die großen Themen werden in den nächsten Jahren Software- und Datenkompetenz sein, aber auch Dienstleistungskompetenz. Hier hat die deutsche Automobilindustrie aber eher Nachholbedarf. Wir werden noch ein paar Jahre brauchen, bis wir bei der Digitalisierung ganz vorne mit dabei sind. Man darf sich aber auch nichts vormachen: Die deutsche Autoindustrie ist besser als ihr Image derzeit. Ich glaube, dass sie auch bei der Digitalisierung große Chancen hat, wenn sie mit den großen Playern vernünftig zusammenarbeitet.