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Automesse Peking: Deutsche Hersteller mit Altbewährtem | BR24

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Bildrechte: BR / dpa-Bildfunk, Ng Han Guan

In China heiß begehrt: Klassische Luxus-Limousinen und SUVs von deutschen Herstellern. Deren E-Autos wirken dort eher langweilig.

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    Automesse Peking: Deutsche Hersteller mit Altbewährtem

    In der chinesischen Hauptstadt Beijing hat am Wochenende die „China Auto 2020“ begonnen, also die Auto-Leitmesse auf dem größten und wichtigsten Automarkt der Welt. Auch für die deutschen Hersteller ist China seit langem der wichtigste Absatzmarkt

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    Von
    • Steffen Wurzel

    Mercedes mit drei neuen Modellen

    Mercedes stellt drei neue Autos vor: Eine neue E-Klasse-Limousine, die neue S-Klasse und ein neues Modell aus der Kleinbus-V-Klasse von Mercedes. Der Wagen ist speziell für den chinesischen Markt konfiguriert: Extralang, extra-starker Benzin-Motor und luxuriös ausgestattet.

    "Mit unserer V-Klasse bekommen Sie mehr als nur ein Auto. Dieses V-Klasse-Auto ist eine Lebenseinstellung. Damit können Sie allen zeigen, wie großartig Ihr Leben ist!" Duan Jian Jun, China-Marketingmanager Mercedes

    Groß, luxuriös, stark motorisiert - darauf setzt Mercedes auf der China Auto Show dieses Jahr.

    Geld wird mit großen Limousinen verdient

    Ähnliches gilt auch für die beiden anderen deutschen Auto-Konzerne BMW und Volkswagen. Sie setzen in erster Linie auf Altbewährtes, auf die Klassiker. So stellt Volkswagen-China-Chef Stephan Wöllenstein nicht VWs neues E-Auto ID.4 vor, sondern den neuen Golf. BMW, Daimler und Volkswagen haben zwar alle mehr oder weniger große Elektro-Auto-Pläne für China. Geld verdienen sie in der Volksrepublik aber nach wie vor mit großen Benzin-Limousinen, SUVs und Sportwagen.

    "Die deutschen Hersteller leben in China vor allem von ihrem guten traditionellen Marken-Image. Die chinesischen Marken probieren Neues aus, um junge Kundschaft anzusprechen. Da geht’s vor allem um das Aussehen der Autos und um die Ausstattung mit Extras." Wang Ke Xin, chinesische Automobil-Bloggerin

    Design deutscher E-Autos begeistert in China wenig

    Die neuen E-Autos der deutschen Hersteller kommen insgesamt gut an, gelten als ausgereift und top-verarbeitet. Aber:

    "Die sehen immer noch aus, wie normale Benziner. Zum Beispiel der Audi E-Tron. Die Bedienung und das Fahrgefühl sind wie bei einem traditionellen Audi." Wang Ke Xin, chinesische Automobil-Bloggerin

    Tatsächlich wirken die E-Autos chinesischer Hersteller wie Nio, Xiaopeng oder BYD moderner als die deutschen – man könnte auch sagen: sie wirken verspielter mit ihren zahlreichen Online-Funktionen und dem Fokus auf Sprachsteuerung und Vernetzung.

    "Es geht in China längst nicht mehr nur darum, ob ein Auto zuverlässig ist oder nicht – es geht um die Extra-Erfahrung, die das Fahren mit dem Auto mit sich bringt. Es stellt sich hier tatsächlich die Frage, wie sich die deutschen Auto-Firmen neu positionieren können, um eine neue Generation von Kunden in China zu erreichen. Das ist eine große Herausforderung." Zhong Shi, Auto-Analyst

    VW zeigt den ID.4 nicht

    Für VW soll das neue Elektroauto ID.4 den Aufbruch in eine neue Zeit in China bedeuten. Der Wagen ist bei der Messe in Peking allerdings nicht zu sehen. Volkswagen-China-Chef Stephan Wöllenstein vertröstet auf Ende Oktober an, dann soll das Auto im südchinesischen Shenzhen vorgestellt werden. Im Anschluss an die Präsentation gibt Wöllenstein chinesischen Staatsmedien mehrere Interviews. Deutschen Journalistinnen und Journalisten will er keine Fragen beantworten. Gleiches gilt für BMW und Daimler.

    Bei der Frage nach den Menschenrechten: Schweigen

    Zu groß ist offensichtlich die Angst vor kritischen Fragen zur Abhängigkeit der deutschen Autoindustrie von China und zu den Menschenrechtsverletzungen der Kommunistischen Führung in Hongkong, in Xinjiang, in der Inneren Mongolei und Tibet. Nach wie vor sind alle deutschen Autokonzerne mit so genannten Joint Ventures in China aktiv, sie arbeiten also eng mit großen staatlichen Autokonzernen zusammen. Internationale Menschenrechtsorganisationen kritisieren vor allem immer wieder den Volkswagen-Konzern. Er betreibt in Xinjiang ein Monatewerk