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Automarkt im Umbruch: Die Limousine ist tot, lang lebe der SUV! | BR24

© dpa

SUVs sind weiter auf dem Vormarsch - und die Hersteller können mehr verdienen.

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    Automarkt im Umbruch: Die Limousine ist tot, lang lebe der SUV!

    Die Vorliebe nicht nur der Amerikaner für Pick-ups und SUVs zwingt die Autobauer zu einem drastischen Strategieschwenk. Der klassische Pkw wird zum Auslaufmodell.

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    Der F-150 Raptor ist ein Monster. Wo dieses Auto entlang donnert, da wächst kein Gras mehr. Benannt ist es nach einem furchteinflößenden Dinosaurier, dem Velociraptor aus der Kreidezeit. Tatsächlich gehört eine gewisse Furchtlosigkeit – oder Skrupellosigkeit – in Sachen Spritkonsum zu den Grundeigenschaften, die man am Steuer des Raptor mitbringen muss.

    Der Saurier unter den Pick-ups

    Doch der von Autojournalisten schon mal als "rasende Drecksau" bezeichnete Pick-up ist keineswegs vom Aussterben bedroht. In den USA ist die F-Serie von Ford das am meisten verkaufte Auto. Und der Raptor ist nur die Spitze des Eisbergs. Gut 100 Jahre nach dem Model T von Ford ist nämlich der klassische Pkw in den USA vom Aussterben bedroht.

    SUV-Trend ein "Luxus-Problem"

    Seit dem Jahr 1999 liegen die "Light Trucks" (SUVs plus Pick-ups) in den USA bei den Verkaufszahlen vor den Limousinen. Die Finanzkrisen-Jahre 2008 und 2009 sind Ausreißer-Jahre: Die schwerste Rezession in den USA seit der Großen Depression 1929 und ein steigender Ölpreis zwangen die Konsumenten zum Umdenken. Das zeigt: Der SUV-Trend ist auch ein Luxus-Problem.

    "In schlechten Zeiten, in denen das Geld nicht so locker sitzt, kauft man eher einen Pkw. Steigen dagegen die Einkommen, steigen auch die Verkaufszahlen der SUVs", so die ebenso nüchterne wie einleuchtende Erklärung von Frank Schwope, Auto-Analyst der NordLB, im Gespräch mit boerse.ARD.de.

    Tatsächlich setzte mit der wirtschaftlichen Erholung auch ein neuer Run auf SUVs ein. 2018 wurden in den USA mehr als doppelt so viele SUVs (11,786 Millionen) verkauft als Pkws (5,488 Millionen).

    Ford: Nur noch Mustangs, SUVs und Pick-ups

    Der Trend weg von der klassischen Limousine hin zum SUV oder Pick-up ist somit eine Entwicklung, die sich schon seit längerem abzeichnete. Doch in dieser Dimension, in dieser Schärfe hat damit offenbar niemand gerechnet. Noch nicht einmal die Manager bei den großen Autokonzernen.

    Das zeigen die jüngst verkündeten hastigen Strategieschwenks, mit denen die Hersteller der massiven Überkapazitäten bei Limousinen wieder Herr werden wollen. So kündigte Ford jüngst an, außer der Sportwagenikone Mustang solle es mittelfristig nur noch SUVs und Pick-ups geben. Allein General Motors plant, fünf Werke in Nordamerika zu schließen und fast 15.000 Stellen zu streichen.

    Laut Experten arbeiteten im Dezember 2018 vier von zwölf GM-Werken, drei von neun Ford-Werken und zwei von sechs Fiat-Chrysler-Werken unterhalb der empfohlenen Kapazität.

    Nach der Auto-Rezession ist vor der Auto-Rezession

    Ironischerweise sind es dabei die Folgen der letzten Auto-Rezession in den USA, die die Hersteller jetzt in die nächste Auto-Rezession treiben könnten: Im Zuge des konjunkturellen Abschwungs in den USA hatten die amerikanischen Autobauer ihre Kapazitäten bei Limousinen massiv ausgebaut – zulasten der SUV-Produktion.

    Dabei scheint der SUV-Trend auf den ersten Blick unumkehrbar: Bis 2025 wird der Limousinen-Anteil bei den Auto-Verkäufen auf 21,5 Prozent einbrechen, rechnet eine Studie des US-Researchhauses LMC Automotive vor.

    "Dirty Dancing" auch in Deutschland

    Der SUV-Trend ist jedoch beileibe kein rein amerikanisches Phänomen. So verzeichneten die SUVs mit einem Plus von 20,8 Prozent laut dem Kraftfahrtbundesamt den deutlichsten Zuwachs in Deutschland 2018. Ihr Anteil bei den Neuzulassungen kletterte auf 18,3 Prozent nach 15,2 Prozent im Vorjahr.

    Es gibt zwar in Deutschland viele Diskussionen um Umweltschutz und Fahrverbote. Doch die Realität sieht so aus: Wer früher einen Golf gekauft hat, der kauft heute einen Tiguan oder T-Roc. Wer früher einen Polo gekauft hat, wird sich gerne einen T-Cross gönnen. Der SUV-Trend ist damit auch in kleinere Segmente übergeschwappt.

    Money, money, money

    Aus Herstellersicht ist das eine absolut erfreuliche Entwicklung. Schließlich seien die Margen bei SUVs höher, betont Schwope. Mit SUVs können die Hersteller also mehr verdienen. "Kein Wunder also, dass sie dem Wunsch der Kunden nach mehr SUVs nur allzu gerne nachkommen."

    Das einzige, was den SUV-Trend jetzt noch stoppen kann, sind höhere Spritpreise. Wir erinnern uns: Zwei rasche, extreme Aufwärtsbewegungen beim Ölpreis in den 2000er Jahren genügten, um sogar die Amerikaner zur Vernunft zu zwingen.