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Autoindustrie: Probleme dürften sich 2020 verschärfen | BR24

© ARD/Eric Graydon

Weltweit wurden heuer weniger Autos verkauft, zeigen aktuelle Zahlen des Branchenverbands. Auch für 2020 erwartet der VDA ein Minus von einem Prozent. Die Autohersteller und Zulieferer müssen sich auf weitere Sparrunden und Stellenabbau einstellen.

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Autoindustrie: Probleme dürften sich 2020 verschärfen

Weltweit wurden heuer weniger Autos verkauft, zeigen aktuelle Zahlen des Branchenverbands. Auch für 2020 erwartet der VDA ein Minus von einem Prozent. Die Autohersteller und Zulieferer müssen sich auf weitere Sparrunden und Stellenabbau einstellen.

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Als Bernhard Mattes vor ein paar Monaten ankündigte, sich als Chef des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) zurückzuziehen, war die Überraschung groß. Mattes steht erst seit März 2018 an der Spitze eines der einflussreichsten Verbände Deutschlands. Nun legt er zum Jahresende sein Amt nieder - und das in unruhigen Zeiten.

Denn die Autoindustrie steckt in der Krise. Heute stellte Mattes in Berlin zum letzten Mal den Jahresrückblick des Verbands vor und machte der Branche dabei wenig Hoffnung. Sein Fazit: "In vielen Unternehmen ist die Anspannung zu spüren" - und sie werde wohl auch nächstes Jahr nicht weniger.

Mehr Autos auf dem deutschen Markt - weniger weltweit

Die aktuellen Zahlen belegen: Zwar dürften laut VDA bis zum Jahresende in Deutschland rund vier Prozent mehr Fahrzeuge neu zugelassen worden sein – rund 3,57 Millionen an der Zahl. Doch auf dem Weltmarkt zeigt sich das Gegenteil: Dort erwartet der Verband für das Gesamtjahr ein Minus von fünf Prozent, das wären 80,1 Millionen Pkw.

"Der Rückgang ist größer als während der Finanz- und Wirtschaftskrise vor zehn Jahren", sagte Mattes. Als Hauptursache nennt er den chinesischen Markt. Dort liefen die Geschäfte 2019 um zehn Prozent schlechter als im Vorjahr. Das Problem der deutschen Hersteller: Drei von vier Fahrzeugen gehen in den Export.

Stellenabbau bei Autobauern und Zulieferern

Dementsprechend spüren die Autobauer die Schwierigkeiten auf dem weltweiten Absatzmarkt bereits deutlich: Erst vergangene Woche kündigte Daimler einen massiven Stellenabbau an. Rund 10.000 Arbeitsplätze sollen dort bis Ende 2022 wegfallen. Auch Audi will in den nächsten Jahren 9.500 Jobs streichen. Immerhin: BMW verzichtet bislang auf solche Schritte. Die Beschäftigten werden dort aber weniger am Erfolg beteiligt.

VDA-Präsident Mattes fasst es so zusammen: "Die Auslastung geht zurück, beim Personal werden befristete Arbeitsverträge nicht verlängert, das Instrument Kurzarbeit wird wieder eingesetzt." Und der Personalabbau könnte sich nächstes Jahr sogar noch verstärken.

Gerade die Zulieferer stehen enorm unter Druck. Sie müssen nicht nur die sinkende Nachfrage kompensieren, sondern sich auch auf die Elektromobilität einstellen. Denn für E-Autos sind deutlich weniger Teile und weniger Beschäftigte nötig. Viele Unternehmen wie Schaeffler haben deshalb ebenfalls einen Stellenabbau angekündigt oder setzen bereits Kurzarbeit um.

Autoindustrie erwartet auch für 2020 ein Minus

Auch für das kommende Jahr kann Mattes zum Abschied wenig Mut machen: "Die Prognosen für 2020 sind noch einmal verhaltener." Weltweit geht der VDA von 78,9 Millionen verkauften Autos aus – das wären ein Rückgang von einem Prozent.

Diese Sorgen muss in Zukunft seine Nachfolgerin Hildegard Müller moderieren. Die frühere Vorständin des Energieversorgers Innogy wurde vergangene Woche zur künftigen Präsidentin ernannt.

Den Kurs hat sie da schon einmal vorgegeben: "Es braucht Kraft für Veränderungen und Mut zur Innovation für alternative Antriebsformen", sagte sie. Die deutschen Hersteller wie Audi und BMW haben diesen Wandel inzwischen erkannt – nur umsetzen müssen sie ihn noch.