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Autoindustrie: Die Angst der Zulieferer | BR24

© Arndt Wittenberg, BR

Die Automobilindustrie steht vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte. Ein Umbruch mit enormen Auswirkungen für die Arbeitnehmer, vor allem bei den Zulieferfirmen. Viele zittern jetzt um ihre Jobs.

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Autoindustrie: Die Angst der Zulieferer

Die Automobilbranche ist mitten im Umbruch. Das hat enorme Auswirkungen auf die Arbeitnehmer, besonders bei Zulieferfirmen. Viele zittern jetzt um ihre Jobs - vor allem in Bayern.

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Schichtwechsel bei Bosch in Bamberg, dem größten Arbeitgeber der Stadt. 7.400 Menschen fertigen hier Teile für Verbrennungsmotoren. Bis vor kurzem waren das absolut sichere Arbeitsplätze. Doch jetzt herrscht unter der Belegschaft große Verunsicherung.

"Das Ganze macht uns Angst. Wir wissen nicht, wie es in 15 - 20 Jahren ausschaut. Die Arbeitsplätze werden hier immer weniger. Und die Sicherheit, die wir hatten als Mitarbeiter, die haben wir einfach nicht mehr." Bosch-Mitarbeiter in Bamberg

Die Sorgen der Bosch-Mitarbeiter sind beispielhaft für den Umbruch in der gesamten Auto-Industrie: Der Dieselskandal und die immer schnellere Wende hin zu Elektro-Autos und autonomen Fahrzeugen zwingen die Auto-Giganten zu einem dramatischen Kurswechsel. Daimler, BMW, Volkswagen und andere Autobauer müssen Milliarden in neue Technologien investieren. Gleichzeitig gehen bei Diesel-PKW die Absätze zurück. Einsparungen und Absatzrückgänge sind die Folge, die auch beim Zulieferer Bosch in Bamberg voll durchschlagen.

"Der Rückgang der Nachfrage bei Dieselerzeugnissen trifft uns ganz massiv. Wir werden aus dem Grund auch weiter Personal abbauen - über sozialverträgliche Maßnahmen: Vorruhestandsregelungen, Altersteilzeit, aber auch einvernehmliche Aufhebungsverträge." Martin Schultz, Werksleiter von Bosch in Bamberg

Fast 4.000 Mitarbeiter fertigen an dem fränkischen Standort ausschließlich Komponenten für den Diesel-Motor. Das ist mittlerweile ein großes Problem. Wie angespannt die Situation ist, belegt ein internes Schreiben des Werkleiters an seine Führungskräfte Anfang 2018, das dem Bayerischen Rundfunk vorliegt. Darin fordert er drastische Sparanstrengungen.

Nach Angaben des Betriebsrats liegt die Auslastung nur noch bei 80 Prozent. Immer öfter stehen die Maschinen still. 200 Arbeitsplätze wurden 2018 bereits abgebaut. Setzt sich diese Entwicklung fort, droht innerhalb von zehn Jahren eine Reduzierung der Belegschaft um mehr als 2.000 Mitarbeiter. Für die Stadt Bamberg wäre das ein herber Schlag. Hinzukommt: Auch andere Zulieferbetriebe wie Brose oder FTE sind hier angesiedelt.

"Für die Region ist das eine Katastrophe. Denn wir haben hier 15.000 Arbeitsplätze, die an der Automobilindustrie und den Zulieferern hängen. Das muss die Stadt und der Landkreis auch verstehen." Mario Gutmann, Betriebsrat bei Bosch in Bamberg

Angst um die Jobs – auch in Herzogenaurach

Erst vor wenigen Wochen hat der Autozulieferer Schaeffler in Herzogenaurach verkündet: Drei bis vier Standorte in Deutschland werden geschlossen. 700 von weltweit über 90.000 Beschäftigten bangen nun um ihre Jobs. Die Geschäfte in China laufen schlechter, so der Konzern, und die schnelle Transformation zum E-Auto zwinge zur Umkehr.

"Wir haben einfach noch Produkte in Deutschland und auch bei uns im Portfolio, die wir dort zukünftig nicht mehr brauchen werden. Zur gleichen Zeit bereiten wir uns auf die Fertigung von E-Motoren, auf das autonome Fahren vor." Matthias Zink, Vorstand Automotive Schaeffler

Zum Beispiel elektrische Antriebsachsen, etwa für den Audi e-tron. Mitte vergangenen Jahres hat Schaeffler mit der Serienfertigung begonnen. Noch ist Audi der einzige offizielle Auftraggeber, doch mit allen anderen deutschen Autoherstellern stehe man in Verhandlungen, heißt es bei Schaeffler. Für die Mitarbeiter ein Lichtblick. Nur wissen sie auch: Zukunftstechnologien wie diese werden den befürchteten Stellenabbau in den herkömmlichen Sparten so schnell nicht kompensieren.