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Autogipfel: Kommt jetzt die zweite Abwrackprämie?

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Autogipfel: Streit um zweite Abwrackprämie

Kaum jemand kauft in der Corona-Krise ein Auto. Deswegen fordern Autobauer: Wer sich ein Auto kauft, soll einen Zuschuss vom Staat bekommen. Kritiker warnen vor einer zweiten Abwrackprämie. Heute findet dazu ein Autogipfel in Berlin statt.

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Knapp 240.000 bayerische Arbeitsplätze hängen an der Automobilindustrie. Mehr als ein Viertel aller in Deutschland produzierten Autos kommt aus dem Freistaat. Die Corona-Krise trifft bayerische Autobauer wie Audi und BMW hart. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hält eine Kaufprämie deshalb für sinnvoll, um die Nachfrage wieder anzukurbeln. Und zwar egal, ob der Wagen einen Verbrennungs-, Elektro- oder Wasserstoffantrieb hat. Es müssten jetzt alle von einer Autoprämie erfasst werden.

Forderung nach Kaufprämie – auch für Verbrenner

Am Tag vor dem Autogipfel in Berlin stellte Bayern gemeinsam mit den anderen "Autoländern" Baden-Württemberg und Niedersachsen einen Forderungskatalog auf: 4.000 Euro zusätzlich soll es für den Kauf von Autos mit Elektro-, Brennstoffzellen- oder Plug-in-Antrieben geben, 3.000 Euro für den Kauf hochmoderner Verbrenner.

Indessen dämpft Finanzminister Olaf Scholz (SPD) die Erwartungen auf schnelle staatliche Hilfen für die Automobilindustrie. Man brauche ein umfassendes Programm zur Belebung der Konjunktur, das sei Ende Mai, vielleicht Anfang Juni denkbar.

Alternativ: Höhere Prämie für E-Autos?

Wenn Konjunkturpaket - dann mit Fokus auf das Klima, das fordert seine SPD-Parteigenossin, Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Das heißt, staatliche Hilfen gezielt für klimafreundliche Technologien. Auch Umweltverbände und Verbraucherschützer kritisieren den Vorschlag, Verbrenner zu fördern. Günther Hörmandinger, stellvertretender Direktor des Thinktank Agora Verkehrswende, plädiert zum Beispiel dafür, die Kaufprämien für Elektrofahrzeuge zu erhöhen.

Eine Kaufprämie an die Schadstoffklasse Euro 6 zu koppeln - wie Aiwanger es vorschlägt - hält Hörmandinger für wenig sinnvoll. Anfang nächsten Jahres müssten ohnehin alle Autos diese Standards erfüllen, man werde also keinen großen Unterschied bei der Luftqualität bemerken.

Ifo-Institut bezweifelt Wirksamkeit von Kaufprämien

Klaus Wohlrabe vom Münchner Ifo-Institut stellt in Frage, ob eine Kaufprämie langfristig überhaupt sinnvoll ist. Das Ifo-Institut hat untersucht, wie sich die Abwrackprämie nach der Finanzkrise ausgewirkt hat. Dabei habe sich sich gezeigt, dass es zwar zu einem kurzfristigen Impuls gekommen sei. Allerdings hätten sich häufig diejenigen ein Auto gekauft, die das ohnehin schon geplant hatten. Wohlrabe vermutet, dass eine Prämie nach der Corona-Krise ebenfalls wenig langfristige Effekte haben könnte.

Wenig E-Autos aus deutscher Herstellung

Eine reine Förderung von Elektroautos hält Wohlrabe für nicht realistisch. Mehr als 90 Prozent der Neuwagen waren im vergangenen Jahr klassische Verbrenner. Von einer Kaufprämie für E-Autos würden vor allem ausländische Produzenten profitieren, erklärt Wohlrabe. Ihr Angebot an E-Autos sei größer. Allerdings: Wenn der Staat gezielt E-Autos fördert, könne das auch eine Chance sein - damit die Autoindustrie den Strukturwandel schneller voranbringt.

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