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Analyse: Autogipfel - Die Zukunft vertagt | BR24

© pa / dpa / Britta Pedersen

Kanzlerin Merkel auf dem Weg zum Autogipfel

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Analyse: Autogipfel - Die Zukunft vertagt

Deutschlands Schlüsselbranche mit fast einer Million Beschäftigten steht vor dem größten Umbruch der vergangenen Jahrzehnte. Die Kanzlerin hatte zum nichtöffentlichen Autogipfel mit Herstellern und Zulieferern eingeladen. Herausgekommen ist wenig.

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Über drei Stunden saßen die Spitzen der Großen Koalition, die halbe Bundesregierung und die Vertreter der Automobilindustrie zusammen. Kurz vor Mitternacht tritt aber nur einer vor die Presse. Ein demonstrativ gut gelaunter Bernhard Mattes, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Er sei zufrieden, denn man habe sich gemeinsam verständigt, ein Netz von Ladestationen für Elektroautos auszubauen. "Wir haben uns klar verständigt, dass wir an einem Masterplan arbeiten wollen, einen Masterplan für die Ladeinfrastruktur. Denn das ist einer der wesentlichen Punkte für die Kundenakzeptanz."

Ladesäulen wichtig für Kundenakzeptanz

Wenn man sein E-Auto nirgends laden kann, warum dann eins kaufen? Keine Ladeinfrastruktur, keine E-Autos auf deutschen Straßen. Aber genau die braucht es eben jetzt. Erstens: Die Politik braucht die E-Autos, sonst erreicht sie die europäischen Klimaziele 2030 nicht. Dann drohen teure Strafzahlungen. Zweitens: Der Automobilindustrie geht es ähnlich. Die CO2-Grenzwerte werden die Autobauer mit einer reinen Verbrennerflotte reißen. Auch hier drohen hohe Strafzahlungen. Da ist also ein gemeinsames Interesse zwischen Politik und Autoindustrie: Niemand will Strafen zahlen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) fand zumindest vor dem Autogipfel im Kanzleramt klare Worte. "Es wird nur eine Lösung geben, wenn wir Weltmeister werden im Bau von umweltfreundlichen, nachhaltigen Fahrzeugen, mit denen wir unsere CO2-Klimaziele erreichen können."

Masterplan zum Ausbau von Ladestationen für E-Autos

Jetzt nach dem Autogipfel im Kanzleramt bekennt man sich also zu einem Plan. Zu mehr aber eben auch nicht. Die Industrie hätte aber mehr erwarten dürfen. Denn die deutschen Autohersteller stecken Milliarden in Entwicklung und Produktion von Elektroautos. Für die kommenden Jahre haben sie etliche rein elektrische oder Hybrid-Varianten ihrer Fahrzeuge angekündigt. Doch konkrete finanzielle Zusagen, etwa Förderungen beim Ausbau der Ladestationen in den Städten und Gemeinden sowie an den Autobahnen, gab es nicht, sagt VDA-Chef Mattes: "Wir haben über finanzielle Zusagen und Fördermittel nicht gesprochen."

Klimaziele in Gefahr

Stattdessen soll zunächst geklärt werden, wie man in Deutschland das Ladenetz so ausbaut, dass bis 2030 bis zu zehneinhalb Millionen E-Fahrzeuge auf der Straße sein könnten. So viele bräuchte es laut dem VDA-Chef, damit Deutschland die Klimaziele erreicht. Die Ergebnisse dieser Klärung sollen bei einem nächsten Treffen erörtert werden. "Wir haben uns noch nicht auf einen konkreten Termin geeinigt. Wir müssen jetzt erst einmal arbeiten. Aber es wird dann noch warm sein", hofft Mattes.

Maßnahmen und Beschlüsse erst im Herbst

Irgendwann im Herbst sollen dann auch Beschlüsse folgen. Bis dahin bleibt ein Autogipfel im Kanzleramt ohne Maßnahmen. Doch die Zeit drängt, denn 2030 rückt jeden Tag näher. Anfang 2019 gab es aber nur rund 400.000 Elektro-Fahrzeuge in Deutschland. Das sind dann doch einige weniger als die notwendigen zehn Millionen E-Autos.