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Wirtschaft

Autobanken wollen Staatsgarantien für Autokredite | BR24

© stock.adobe.com/Sven Krautwald

Autos stehen in einer Autohalle und werden zum Verkauf angeboten.

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    Autobanken wollen Staatsgarantien für Autokredite

    Der Autoabsatz in Deutschland stockt. Autobanken wollen deshalb den Absatz mit guten Kredit-Konditionen ankurbeln. Allerdings drohen in der Krise dabei auch mehr Ausfälle. Die Banken wünschen sich deshalb, dass der Staat einen Teil des Risikos trägt.

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    Frankreich plant Schutzschirme für die Autobranche und die Luftfahrt. Die deutsche Automobilindustrie dagegen hat mit ihrer Forderung nach Kaufprämien für Neuwagen noch keinen Erfolg gehabt. Ihr Verband VDA kann sich aber auch einen verkaufsfördernden Rettungsschirm vorstellen - und zwar für die konzerneigenen Autobanken der Hersteller und ihre Leasinggesellschaften.

    Wie die Finanzkrise, in der die VW-Bank unter den staatlichen Rettungsschirm schlüpfte, birgt auch die Corona-Krise für Autobanken und ihre Leasingfirmen große Risiken. Millionen von vorfinanzierten Autos, die zum Teil bereits hergestellt wurden und weltweit bei den Händlern stehen, könnten vorerst keine Abnehmer finden. Und wenn sie Kunden finden, dann welche mit höheren Ausfallrisiken, weil in der Krise mehr Kredit- und Leasingnehmer insolvent werden. Höhere Zinsen zur Absicherung der Autokredite würden den Kauf der Neuwagen aber unattraktiv machen.

    KfW soll Risiken der Autobanken im Neugeschäft übernehmen

    In diesem Dilemma empfiehlt der Verband der Automobilindustrie VDA ein KfW-Garantieprogramm des Staates für Autobanken und Leasing-Gesellschaften. Bei sogenannten Neustart-Krediten für Autokäufer sollte die KfW nach diesem Vorschlag für die Autobanken das Ausfallrisiko übernehmen. So wie das die staatliche Förderbank bei den Corona-Krediten für Firmen macht. Solche speziellen Garantien für einzelne Branchen gibt es bei der KfW bisher aber gar nicht.

    KfW-Kreditgarantien als Ergänzung zur Kaufprämie für Neuwagen

    Der VDA fordert außerdem eine Kaufprämie für alle Neuwagen, auch für solche mit Verbrennungsmotor. Denn in der Autobranche ist man, was die Verkaufszahlen angeht, am verzweifeln. Der Handel mit Fahrzeugen ist auch nach dem Ende des Lockdowns in den Autohäusern nicht in Schwung gekommen. Bei den Neuzulassungen war der April fast ein Totalausfall. Der Mai wird trotz Wiedereröffnung der Händler und Zulassungsstellen nach wie vor unbefriedigend sein.

    Anhaltende Kaufzurückhaltung trifft Autobranche besonders hart

    Auch im Sommer wird die Kaufzurückhaltung der Autokunden anhalten. Das erwarten Experten wie von der Gesellschaft für Konsumforschung GfK in Nürnberg. Hohe wirtschaftliche Unsicherheiten für Verbraucher wie für Unternehmen bleiben bestehen. Die Zahl der Kurzarbeiter ist auf Rekordniveau und kann jederzeit in Arbeitslosigkeit umschlagen. Daher erscheint es für viele ratsam, größere Anschaffungen und Ausgaben zu verschieben und derzeit kein Auto zu kaufen. Schon gar nicht auf Kredit, was ein noch größeres Risiko darstellt.

    Gebrauchtwagen ebenfalls nur mit hohen Preisabschlägen verkäuflich

    Viele Händler haben neben dem stockenden Absatz mit den Neuwagen auch ein Problem mit den Gebrauchten. Viele junge Gebrauchte im Alter von ein bis drei Jahren finden ebenfalls keine Kunden. Als Firmenwagen oder Rückläufer aus Leasingverträgen müssten sie jetzt dringend weitervermarktet werden.

    Wenn es nun zu einer staatlich finanzierten Kaufprämie für Neuwagen kommt, wie von Herstellern und Autoindustrie gefordert, droht der Handel auf vielen hochwertigen Gebrauchtwagen sitzen zu bleiben, weil Neuwagen durch Kaufprämie und Rabatte kaum teurer wären. In der Folge müssten die Preisabschläge für die Gebrauchtwagen höher ausfallen.

    Kaufprämie auch für Gebrauchtwagen politisch kaum machbar

    Eine staatliche Kaufprämie auch für Gebrauchtwagen ist dagegen unwahrscheinlich, weil ihr die industrielle Logik fehlt. Der Staat will mit einer Prämie wie der Abwrackprämie von 2009 nicht nur den Konsum ankurbeln, sondern in erster Linie auch Arbeitsplätze erhalten in der Automobilindustrie, bei Herstellern und Zulieferern. Da die Gebrauchtwagen ja schon längst hergestellt wurden, hätte eine Prämie bei ihnen so gut wie keinen Beschäftigungseffekt. Die Kurzarbeit in den Werken würde trotzdem unvermindert weitergehen, weshalb diese Maßnahme politisch kaum eine Chance hat.

    Zu viele vorbestellte Fahrzeuge in den Autohäusern

    Hinzu kommt, dass viele Neuwagen bereits bestellt und auch schon geliefert wurden für den Saisonauftakt, der voll mit dem Höhepunkt der Corona-Krise zusammentraf. Das geschah in der Erwartung des üblichen Autofrühlings im April und im Mai, wenn normalerweise viele kommen, um sich neue Modelle anzuschauen.

    In dieser Zeit des Jahres müssen Händler auch Vorführwagen und Autos mit Tageszulassungen anbieten können, um die Kunden in die Autohäuser zu locken. Doch die konnten wegen des Lockdowns diesmal zunächst gar nicht kommen und bleiben wegen der anhaltenden Krise vorerst zögerlich.

    Angst vor Coronavirus könnte neue Nachfrage schaffen

    Doch aus der Corona-Krise könnten sich auch Chancen für die Autobranche ergeben. So steigen viele Deutsche, wahrscheinlich wegen der Ansteckungsgefahr, vom Öffentlichen Personenverkehr auf das Fahrrad oder eben auch das Auto um. Die Fahrt im eigenen Auto erscheint vielen Verkehrsteilnehmern als optimale Lösung in Sachen Infektionsschutz.

    Einige denken deshalb auch über die Anschaffung eines neuen Autos nach. Das ergab eine Umfrage der Nürnberger Marktforschung Puls.

    Trend zum Sparen könnte Autobanken helfen

    Für die Autobanken könnte sich der Trend zur Sparsamkeit in der Krise allerdings in einem anderen Bereich bezahlt machen. Die Ökonomen gehen davon aus, dass die Sparneigung wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten eher zunimmt und damit auch die entsprechenden Bankeinlagen, die inzwischen kaum noch verzinst werden.

    Autobanken bieten immer schon etwas höhere Sparzinsen, um diese Kundengelder in Kredite umzuwandeln. Das zählt zum normalen Geschäft von Banken und Sparkassen. Bis 100.000 Euro sind Sparguthaben durch die neue europäische Einlagensicherung geschützt. Bei vielen Banken und Sparkassen sind die Kunden darüber hinaus zusätzlich abgesichert durch andere Vorkehrungen.

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