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Auto-Versicherer gibt Rabatte für Dashcam-Besitzer | BR24

© pa/dpa/Michael Fludra

Dashcam an einer Windschutzscheibe

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    Auto-Versicherer gibt Rabatte für Dashcam-Besitzer

    Seit einem BGH-Urteil vom Mai 2018 können Aufzeichnungen von Dashcams als Beweismittel vor Gericht zugelassen werden. Ein bayerisches Versicherungsunternehmen gewährt Kunden beim Kauf einer Dashcam nun einen Rabatt auf den Versicherungsbeitrag.

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    In Russland und Großbritannien sind sie fast schon Standard, in Deutschland bisher noch eher selten. Allerdings könnte sich das jetzt ändern: "Die Bayerische", ein Versicherungsunternehmen aus München, verspricht seinen Kunden bis zu 15 Prozent Nachlass auf den Beitrag, wenn sie den Kauf einer Dashcam nachweisen können.

    Auslöser war Studie aus Großbritannien

    Die Nachfrage nach dem Tarif sei erstaunlich, berichtet Vorstand Martin Gräfe: "Wir haben das Angebot ja überhaupt erst seit 1. Januar am Markt, aber selbst in der kurzen Zeitspanne konnten wir mehrere Hundert Verträge mit Dashcam-Rabatt abschließen."

    Auf die Idee kam das Unternehmen durch eine Studie aus Großbritannien, wo Dashcams deutlich stärker verbreitet sind als hierzulande. Laut dieser Studie fahren Dashcam-Besitzer selbst sehr defensiv, und sind daher auch weniger oft in Unfälle verwickelt. Eine mögliche Ersparnis für den Versicherer, die man möglichst unbürokratisch an die Kunden weitergeben wolle.

    Aufgezeichnete Daten bleiben beim Kunden

    Um den Rabatt zu bekommen, genügt der Nachweis über den Kauf einer Dashcam mittels Kassenzettel. Wer sich für ein Modell der Firma Nextbase entscheidet, mit dem die Bayerische eine Kooperation abgeschlossen hat, erhält auch noch fünf Prozent Rabatt auf den Kaufpreis der Kamera. Die Daten sollen komplett beim Kunden bleiben und von diesem dann nur im Ernstfall vor Gericht als Beweismittel vorgelegt werden.

    Laut BGH sind Dashcam-Aufnahmen zwar prinzipiell als Beweis vor Gericht erlaubt, allerdings verstoßen Dashcam-Besitzer, die andauernd das Verkehrsgeschehen um sich herum aufzeichnen, gegen Datenschutzrecht. Wer die Aufnahmen gar in sozialen Netzwerken oder auf Filmkanälen im Internet veröffentlicht, dem drohen bis zu 300.000 Euro Bußgeld. Markus Schäpe, der Leiter der Rechtsabteilung des ADAC, rät deshalb dringend: "Wer eine Dashcam kaufen will und keinen Ärger mit dem Datenschutzgesetz bekommen möchte, sollte darauf achten, dass er ein System einsetzt, das nur wenige Sekunden am Stück das Verkehrsgeschehen aufzeichnet."

    Moderne Geräte lösen das Problem durch eine sogenannte Videoloop-Funktion. In bestimmten Intervallen überschreibt die Kamera dabei fortlaufend ihre Aufnahmen und speichert sie nur bei einem Unfall ab. Das kann automatisch durch einen Beschleunigungssensor ausgelöst werden oder per Knopfdruck durch den Benutzer erfolgen. Aktuelle Dashcams beherrschen diese Funktion standardmäßig. Einstiegsmodelle gibt es schon ab 20 Euro, Spitzenmodelle können bis zu 350 Euro kosten.

    Aufnahmen können hilfreich sein - übertreiben sollte man es aber nicht

    Auch der Verkehrspolizei können Dashcams in Privatfahrzeugen die Arbeit erleichtern, sagt Peter Schall, Vorstand der Gewerkschaft der Polizei in Bayern: "Gerade bei Blechschäden gibt es oft keine brauchbaren Spuren zum Unfallhergang, und dann ist es im Sinne der Rechtssicherheit aus unserer Sicht begrüßenswert, wenn eine Dashcam vorhanden ist."

    Selbsternannte Hilfssheriffs, die andere mit ihren Dashcam-Aufnahmen anzeigen, sehen die Polizisten allerdings gar nicht gerne. In solchen Fällen gibt’s von den Beamten eher einen Gratis-Schnellkurs in Sachen Datenschutz, als dass eine Anzeige aufgenommen wird.