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Ausländische Investoren profitieren von bayerischen Start-ups | BR24

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Bundeswirtschaftsminister, besucht das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

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Ausländische Investoren profitieren von bayerischen Start-ups

Immer mehr Geld wird in Start-ups aus Bayern investiert. Um zu wachsen, brauchen die jungen Unternehmen viel Geld. Aber das kommt häufig aus den USA oder China – droht der deutschen Wirtschaft der Ausverkauf?

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Gelbe Beschichtung, in etwa so groß wie ein DIN-A4-Blatt, mitten ins Gleisbett geschraubt – die Sensor-Technologie des Münchner Start-ups Konux kommt unscheinbar daher, besitzt aber das Potenzial, das Unternehmen zum nächsten Münchner "Unicorn" zu machen. Das sind Start-ups, deren Marktwert vor dem Börsengang auf eine Milliarde beziffert wird.

Intelligente Lösungen aus Bayern

Auf der Basis künstlicher Intelligenz sendet die kleine Konux-Box rund um die Uhr Daten - über den Zustand der Weichen und darüber rauschende Züge. Ein Produkt, mit dem Bahnunternehmen viel Geld sparen können. Mit den Daten kann die Bahn den Streckenabschnitt warten, bevor ein Schaden eintritt, Züge ausfallen und entnervte Fahrgäste am Gleis Däumchen drehen. So könnten bis zu zehn Prozent aller Störungen im Schienennetz vermieden werden, schätzt die Deutsche Bahn.

Internationale Geldgeber finanzieren bayerische Ideen

Verschiedene Geldgeber haben schon jetzt, fünf Jahre nach dem Start von Konux, 45 Millionen Euro investiert. Schon früh hat Konux auf Investoren aus den USA gesetzt.

"Die Situation für Wachstumsunternehmen wie unseres ist definitiv ausbaufähig in Deutschland. Heute gibt es zu wenige Venture Capital-Fonds, die wirklich größere Finanzierungsrunden tragen können und deswegen gehen mehr und mehr Unternehmen ins Ausland, um sich Kapital für Deutschland zu holen.” Andreas Kunze, Gründer & CEO von Konux

Junge Technologieunternehmen wie Konux haben traditionell einen hohen Geldbedarf. In der Wachstumsphase geht es um zweistellige Millionenbeträge. Mit diesem Geld können sie erst die langwierige und teure Produktentwicklung finanzieren, neue Mitarbeiter einstellen oder Büros eröffnen.

Europa hinkt in der Finanzierung von Start-ups hinterher

In der Frühphase gibt es für deutsche Start-ups inzwischen viele verschiedene Finanzierungsmittel. Wenn ein junges Unternehmen nach der ersten Gründungsphase im Anschluss schnell auf den Weltmarkt drängt, fehlt es dagegen häufig am Geld. Wagniskapital, Beteiligungskapital, Risikokapital oder auch Venture Capital - es gibt viele Begriffe für das, wovon es in Deutschland und Europa aus Sicht von Kritikern immer noch zu wenig gibt.

Wie groß die Unterschiede zwischen Europa und dem Rest der Welt in der Wagniskapitalfinanzierung sind, zeigt eine Studie der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) in Zusammenarbeit mit der Förderbank KfW und der Deutschen Börse. Sie haben junge Technologie-Start-ups, Wissenschaftler, Banken und Kapitalgeber zusammengebracht, um Lösungsvorschläge für die Wachstumsfinanzierung zu entwickeln. Zwar ist die Zahl der Investitionen in Europa zwischen 2012 und 2017 von 4,1 auf 15,6 Milliarden gestiegen. Trotzdem investieren Fonds aus den USA oder Asien weiterhin das Vierfache.

"Da gibt es auch die Fälle, die tatsächlich, weil sie hier nicht viel Kapital finden, bei US-amerikanischen und asiatischen Investoren landen. Und dann auch tatsächlich von diesen ins Ausland verkauft werden. Da müssen wir ansetzen, Kapital bereitstellen und aktivieren, dass das in Zukunft nicht mehr geschieht." Reiner Braun, Co-Projektleiter und Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurial Finance an der TU München

Tatsächlich kommt eine noch unveröffentlichte Studie der Lehrstühle für Entrepreneurial Finance an der TU München zu dem Schluss, dass ausländische Investoren die erfolgreicheren europäischen Start-ups finanzieren. Rund zwei Drittel der mitfinanzierten Unternehmen werden ins Ausland verkauft oder gehen im Ausland an die Börse. Damit sich das ändert, müsste die Politik aber zunächst einmal die hohen gesetzlichen Hürden für Investments in Wagniskapital beseitigen.

"Ich teile diese Kritik, weil für den Erfolg des Wirtschaftsstandortes Deutschland ganz wichtig ist, dass junge, gute innovative Unternehmen schnell wachsen können." Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

Investitionen in Start-ups sind in Deutschland bisher nicht reizvoll

Bisher ist es in Deutschland für die, die viel Geld hätten, also Banken, Versicherungen oder Pensionsfonds, nicht attraktiv, in Start-ups zu investieren. Das liegt daran, dass gesetzlich vorgeschrieben ist, in diesem Fall 49 Prozent Eigenkapital zurückzuhalten. Bei Investitionen in Staatsanleihen ist das nicht der Fall.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat das Problem erkannt

Altmaier will sich des Themas annehmen. Zum einen will er die gesetzlichen Hürden heruntersetzen, zum anderen hilft man selbst mit Kapital nach. Im vergangenen Herbst hat der Bund die KfW-Tochter KfW Capital gegründet. In zehn Jahren sollen zwei Milliarden Euro aus dem ERP-Sondervermögen in Wagniskapital fließen. Ein Anfang, doch das Wirtschaftsministerium hat selbst errechnet, dass aktuell mindestens rund 500 Millionen Euro pro Jahr fehlen. Ein großer deutscher Fonds, der mit der ausländischen Konkurrenz mithalten kann, fehlt bislang.

"Das kann der Staat nicht leisten, weil der Staat ein lausiger schlechter Unternehmer ist. Aber der Staat kann mithelfen, dass die Unternehmen einen solchen Fonds zustande kriegen. Das ist mein Ziel und daran werden wir in den nächsten Monaten arbeiten." Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

Konux will in München bleiben

Das Beispiel Konux zeigt auch: nicht jedes Unternehmen, das mit Wagniskapital aus dem Ausland finanziert wird, verlagert auch automatisch den Sitz ins Ausland.

"Dieses Jahr werden wir mehr als 25 neue Arbeitsplätze in München schaffen, um unsere Technologie weiter auszubauen, um mehr in das ganze Thema Künstliche Intelligenz zu investieren. Ich glaube, es ist eine Zukunftstechnologie in der Branche." Andreas Kunze, Gründer & CEO von Konux

In den kommenden Monaten soll die intelligente Sensor-Technologie auch in anderen europäischen und asiatischen Ländern zum Einsatz kommen. Die Arbeitsplätze bleiben zunächst einmal in Deutschland – die Rendite kassieren aber überwiegend die Investoren aus dem Ausland.

© BR

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