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© Johannes Lenz, BR
Bildrechte: Marijan Murat / Picture Alliance

Deutlich weniger Azubis haben dieses Jahr einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Corona ist ein wichtiger Grund. Doch es spielen noch andere Faktoren eine Rolle.

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Ausbildung wegen Corona in Gefahr: Diese Branchen trifft es

Die Corona-Krise bringt nicht nur Entlassungen und Kurzarbeit mit sich. Auch viele Schulabgänger könnten dieses Jahr leer ausgehen, denn Corona beeinflusst den Ausbildungsmarkt in Bayern massiv. Diese Branchen trifft es besonders.

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Von
  • Johannes Lenz

Viele Schulabgänger könnten in diesem Jahr leer ausgehen, zum Beispiel in der Gastronomie und im Tourismus. Carina Maier steht in der leeren Lobby des Vier-Sterne-Hotels Cristal im Bahnhofsviertel von München. Sieben neue Azubis betreut die Ausbilderin normalerweise jedes Jahr.

Doch heuer kann sie niemanden nehmen – die Einbußen und die Unsicherheit wegen Corona sind zu groß. "Mir macht es Spaß, junge Menschen anzuleiten, ihnen etwas beizubringen, mein Wissen zu teilen", so Maier. "Und das jetzt erstmal nicht mehr zu dürfen, das wird mir sehr fehlen."

Weniger Ausbildungsverträge durch Corona

So wie Carina Maier geht es vielen Ausbildern im Freistaat. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Ausbildungsverträge in Bayern im Handwerk um 8,6 Prozent gesunken. In den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen sogar um 15 Prozent. Vor allem Hotels und Gaststätten, Autozulieferer und der Einzelhandel sind vom Rückgang betroffen.

Der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie und Handelskammertags, Manfred Gößl, macht vor allem den Corona-bedingten Lockdown dafür verantwortlich. Der habe den gesamten Ausbildungsprozess nach hinten verschoben. "Wir haben deshalb jetzt deutlich mehr Anfragen von Bewerbern als sonst Ende August", erklärt Gößl. "Das heißt: Wir haben die Hoffnung, dass sich in den nächsten Wochen noch sehr viel tut. Und man muss ja wissen, dass man ein Ausbildungsverhältnis auch ohne Probleme noch bis Ende dieses Jahres starten kann."

"Rechnen mit starker Nachvermittlung"

Gößl ist der Meinung, dass noch viele Ausbildungen nachträglich vermittelt werden können. Diese Hoffnung teilt auch der bayerische Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl. "Wir hoffen, dass unsere Betriebe auch in diesem Jahr im ähnlichen Umfang ausbilden können, rechnen wegen der Corona-Krise im Frühjahr aber mit einer starken Nachvermittlung bis weit nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn am 1. September."

Ausbildungsbetriebe in großer Unsicherheit

Grund für die zurückgehenden Ausbildungsverträge im August sind laut Handwerkskammer für München und Oberbayern: Viele Betriebe können noch nicht absehen, wie gut sie die Krise wirtschaftlich verkraften. Außerdem hätten viele Jugendliche ihre Abschlussprüfungen in diesem Jahr später geschrieben und bisher keine Gelegenheit gehabt, an einer virtuellen Veranstaltung zur Berufsorientierung teilzunehmen.

Azubis können bis Ende des Jahres Ausbildung beginnen

Viele junge Menschen werden in diesem Herbst später in die Ausbildung starten, was aber überhaupt kein Problem ist. Der Beginn der Ausbildung war immer schon flexibel bis in den späteren Herbst hinein möglich. Nach wie vor gibt es in Bayern mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. In keinem anderen Bundesland gingen so wenige Bewerberinnen und Bewerber leer aus, wie in Bayern, so Gößl.

Demographie verstärkt den Trend zu weniger Azubis

Laut dem Bayerischen Industrie und Handelskammertag haben die Betriebe im Freistaat eher das Problem, dass sie in diesem Jahr bis zu 20.000 Ausbildungsplätze nicht besetzen können.

Ein Grund: Langfristig lässt die Demographie die Zahl der Azubis sinken. Gab es letztes Jahr noch 130.000 Schulabgänger in Bayern, sind es dieses Jahr noch 124.000 – also 6.000 weniger. Der negative Trend wird wohl auch in den nächsten Jahren weitergehen.

Erste Anzeichen für wirtschaftliche Erholung?

Das Hotel Cristal in München tut deshalb alles, um die bestehenden Azubis fertig auszubilden und sieht schon erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung: Die Gäste kommen, das Geschäft läuft langsam wieder an. Das macht der Ausbilderin Carina Maier Hoffnung: "Die Motivation ist wieder da bei den Mitarbeitern. Wir haben jetzt schon wieder hundertprozentige Auslastung. (...) Da ist wieder ein Geschehen hier im Haus, es bewegt sich wieder was und das ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man hier reinkommt."

Dieses Jahr kann sie leider keine neuen Azubis nehmen. Doch wenn sich das Geschäft erholt hat, will sie 2021 wieder neue Auszubildende willkommen heißen.

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