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In Deutschland erfunden - bald nur noch Ausstellungsstück im deutschen Museum? Die EU-Kommission will das Ende des Verbrennungsmotors bis 2035.

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    Deutsche Autoindustrie reagiert verhalten auf Verbrenner-Aus

    Nach dem Klima-Plan der EU-Kommission dürfen neue Autos ab 2035 kein CO2 mehr ausstoßen. Praktisch bedeutet das das Ende des klassischen Verbrennungsmotors. Die Entscheidung muss noch von den Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament bestätigt werden.

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    Von
    • Peter Althammer

    EU-Kommission will Umstieg auf Elektromobilität

    Die Grenzwerte für den CO2-Ausstoß von Autos will die EU-Kommission deutlich verschärfen. Bisher darf der durchschnittliche Flottenausstoß nicht über 95 Gramm pro Kilometer liegen, ab 2030 soll dieser Wert um 55 Prozent gesenkt werden.

    Ab 2035 soll dann der Ausstoß um 100 Prozent gesenkt werden, neue Autos dürfen also gar kein CO2 mehr freisetzen. Das funktioniert mit Verbrennungsmotoren nicht. Praktisch ist damit also das Ende der klassischen Motoren definiert. Eine kleine Türe ist allerdings noch offen: 2028 soll das Null-Emissions-Ziel nochmals überprüft werden.

    Damit einhergehen soll der Aufbau einer dichten Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Bis 2030 sollen die EU-Staaten an Autobahnen und wichtigen Landstraßen mindestens alle 60 Kilometer eine leistungsstarke Ladestation einrichten.

    Autohersteller haben sich mit dem Plan arrangiert

    Die Autoindustrie fordert nun genau das, nämlich den Aufbau eines dichten und leistungsfähigen Ladenetzes. Mit dem Umstieg auf die Produktion von Elektrofahrzeugen hat die Branche bereits begonnen. Einige Hersteller, wie etwa der VW-Konzern, haben sogar den Ausstieg aus der klassischen Motorentechnik angekündigt. Andere wollen technologieneutral alle Antriebsarten - auch die Wasserstoff-Technologie - weiterentwickeln.

    Teils heftige Kritik an den EU-Plänen

    Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft BVMW erwartet erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsplätze bei den mittelständischen Zulieferbetrieben. Er fordert von der Bundesregierung einen "mittelstandsfreundlichen Fahrplan".

    "Bereits unter den geltenden Flottengrenzwerten wären bis 2030 bis zu 215.000 Arbeitsplätze im Automobilsektor von der tiefgreifenden Transformation zur E-Mobilität betroffen. Das Verbot von Neuzulassungen für Verbrennungsmotoren ab 2035 wird diesen Druck weiter erhöhen. Davon werden vor allem die vielen mittelständischen Zulieferbetriebe betroffen sein. Das europäisches Klimapaket wird so zur Belastungsprobe für den deutschen Mittelstand." Markus Jerger, BVMW Bundesgeschäftsführer

    Der deutsche Verband der Automobilindustrie VDA fordert von der EU den flächendeckenden Aufbau einer Ladeinfrastruktur in den städtischen und ländlichen Räumen aller Mitgliedsstaaten. Das Null-Emissionsziel sieht seine Präsidentin kritisch.

    "Mit dem für 2035 vorgesehenen Flottengrenzwert von null Gramm schlägt die EU-Kommission faktisch ein Verbot von Verbrennungsmotoren vor – auch in Hybriden. Das ist innovationsfeindlich und das Gegenteil von technologieoffen. Auch die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher wird damit eingeschränkt. Die angestrebte Beschleunigung der Transformation ist für viele Zulieferer kaum zu schaffen. Die Auswirkungen für die Arbeitsplätze in diesem Bereich werden erheblich sein, eine Abschätzung der sozialen Folgen ihrer Pläne hat die EU Kommission aber leider nicht vorgenommen." Hildegard Müller, Präsidentin VDA

    Auch bei den erneuerbaren Kraftstoffen sei die EU-Kommission nicht ehrgeizig genug. Die Quote für erneuerbaren Kraftstoff müsse nach Ansicht des VDA auf 30 Prozent im Jahr 2030 angehoben werden, damit auch die Fahrzeuge mit Verbrenner-Motor, die schon heute auf den Straßen sind, zur Erreichung der Klimaziele beitragen könnten.

    Aufbau der Ladeinfrastruktur und Schutz von Arbeitsplätzen

    Die für die deutsche Automobilindustrie zuständige Gewerkschaft, die IG Metall, fordert neben dem Aufbau der Ladeinfrastruktur vor allem den Schutz der Arbeitsplätze vor außereuropäischen Billigproduzenten.

    "Der Ausbau der notwendigen Infrastruktur und der Schutz des Produktionsstandorts Europa vor Umwelt- und Sozialdumping – das sind die entscheidenden Themen. Darum muss die Politik sich jetzt kümmern. Aber vor allem muss die Politik einen Rahmen setzen für eine aktive Beschäftigungs- und Qualifizierungspolitik sowie für eine moderne regionale Strukturpolitik." Jörg Hofmann, Vorsitzender IG Metall

    BMW-Chef Oliver Zipse ist zugleich Vorsitzender des europäischen Autoverbandes ACEA. Im Namen der europäischen Hersteller nimmt er den ersten Zeitabschnitt bis 2030 in den Blick. In diesem Zeitraum sind noch - wenn auch deutlich reduziert - CO2-Emissionen erlaubt. Der ACEA erklärt, dass dieses Zwischenziel der starken Absenkung von CO2-Emissionen nur durch einen massiven Anstieg der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen zu erreichen sei und plädiert für Technologieoffenheit bei der Antriebstechnik.

    "Alle Optionen - einschließlich hocheffizienter Verbrennungsmotoren, Hybriden, batterie-elektrischen und Wasserstoff-Fahrzeugen - müssen eine Rolle spielen beim Übergang zu Klimaneutralität. Nicht der Verbrennungsmotor schadet der Umwelt, sondern fossiler Kraftstoff." Oliver Zipse, ACEA-Präsident und Vorstandsvorsitzender von BMW

    Beobachter rechnen damit, dass es noch etliche Monate dauern wird, bis der Klimaplan der EU mit dem Namen "Fit for 55" die Gesetzgebungsverfahren in den Mitgliedsstaaten und auf EU-Ebene durchlaufen haben wird. Mit Änderungen in Details ist daher zu rechnen.

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