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Warum die Nachtschicht bei Audi in Ingolstadt wegfällt | BR24

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Der Autobauer Audi hat mitgeteilt, dass die Dauernachtschicht einer Montagelinie am Standort Ingolstadt ab Mai gestrichen wird. Damit reagiert der Autobauer auf den schwächelnden Absatz des A3 und A4. Etwa 470 betroffenen Mitarbeiter sind betroffen.

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Warum die Nachtschicht bei Audi in Ingolstadt wegfällt

Audi streicht eine Nachtschicht im Ingolstädter Stammwerk. Im Gespräch war dieser Schritt schon länger. Der Hintergrund: Die VW-Tochter hat Absatzprobleme und muss sparen.

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Seit Bekanntwerden des Dieselskandals kommt Audi nicht zur Ruhe. Zahlreiche Manager mussten gehen. Der Höhepunkt war sicherlich im vergangenen Jahr die Verhaftung und der Rücktritt des damaligen Vorstandschefs Rupert Stadler. Mit einer Anklage ist in diesem Sommer noch zu rechnen. Bram Schot, der Vorstandschef von Audi, sagte dazu in der vergangenen Woche auf der Bilanz-Pressekonferenz in Ingolstadt:

"Glauben Sie mir, das war für uns alle ein Schock, als unser CEO verhaftet wurde. Das verunsichert ein Team natürlich sehr." Bram Schot, Vorstandschef von Audi

Probleme mit neuem Abgasstandard dauern an

Audi hat zudem massive Probleme wegen der Umstellung auf den neuen Abgasstandard WLTP. Weil die Ingolstädter es nicht schafften, zahlreiche Modelle entsprechend zu zertifizieren, können bis heute viele Fahrzeuge nicht ausgeliefert werden. Das hat die Verkäufe einbrechen lassen. Und deshalb soll nun auch eine Nachtschicht gestrichen werden, in der nachts die Modelle A4 und A5 hergestellt werden.

"Das reduzierte Produktionsvolumen am Standort Ingolstadt lässt sich ohne diese Dauernachtschicht langfristig erreichen und stellt so eine wirtschaftlichere Schichtfahrweise sicher." Stellungnahme der Audi AG

Betroffen sind rund 450 Beschäftigte. Diese sollen an anderen Stelle eingesetzt werden. Entlassungen soll es nicht geben. Zudem gilt am Stammwerk in Ingolstadt ein Kündigungsschutz bis 2025. Allerdings müssen die Mitarbeiter auf die Nachtzuschläge von 30 Prozent verzichten.

Audi will Sparkurs verschärfen

Die VW-Tochter muss gleichzeitig sparen und investieren. Nachdem der Gewinn im vergangenen Jahr deutlich zurückging und mit einer Verbesserung der Lage so schnell nicht zu rechnen ist, hat der neue Audi-Chef Bram Schot angekündigt, die sogenannte Transformation zu beschleunigen. Bis 2022 sollen seinem Willen nach 15 Milliarden Euro eingespart werden.

"Wir stellen die Gewinnzone klar vor die Komfortzone. So schaffen wir Freiraum für Vorleistungen und sichern unsere Renditeziele und damit die Zukunft von Audi ab. Bei Neueinstellungen werden wir künftig noch selektiver vorgehen. Wenn Kollegen in den Ruhestand gehen, stellen wir den Ersatzbedarf auf den Prüfstand." Finanzvorstand Alexander Seitz

Die Geschäftsführung denkt dabei auch über einen Stellenabbau nach. 90.000 Mitarbeiter seien zu viel, so Schot. Allerdings hat die Audi-Führung anders als bei der Konzernschwester VW keine Angaben dazu gemacht, wie viele Arbeitsplätze nun konkret gestrichen werden sollen. Darüber hinaus plant der Autohersteller die Produktpalette zu entschlacken, die Aufgaben zwischen den Werken neu zu verteilen und andere Plattformen des Konzerns zusammen mit VW und Porsche noch stärker gemeinsam zu nutzen.

Zukunft entscheidet sich in China

Audi-Chef Bram Schot braucht dringend Geld, um künftige Technologien entwickeln zu können. Dabei geht es vor allem um die Elektromobilität. So läuft gerade der Marktstart für den großen Elektro-SUV e-tron, der in Brüssel gebaut wird. Nächstes Jahr soll dann der Q4 e-tron folgen. Danach sind noch einige weitere Modelle geplant. Damit folgt Audi dem chinesischen Markt. China setzt stark auf Elektromobilität, und gerade der chinesische Kunde ist für Audi schon heute unverzichtbar. Das Land wird nach Ansicht des Vorstands auch in den nächsten fünf Jahren das größte Wachstum für das Unternehmen liefern. Mittelfristig sollen dort eine Million Fahrzeuge verkauft werden. Im vergangenen Jahr hat Audi insgesamt weltweit 1,8 Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

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Audi streicht eine Nachtschicht im Ingolstädter Stammwerk. Im Gespräch war dieser Schritt schon länger. Der Hintergrund: Die VW-Tochter hat Absatzprobleme und muss sparen.