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Audi: Trotz schwacher Auslastung kein weiterer Stellenabbau | BR24

© Susanne Pfaller/BR

Betriebsratsvorsitzender Peter Mosch über die Zukunft bei Audi.

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Audi: Trotz schwacher Auslastung kein weiterer Stellenabbau

Die deutschen Audi-Werke sind schlecht ausgelastet. Betriebsratsvorsitzender Peter Mosch erwartet in diesem Jahr nur gut die Hälfte der möglichen Stückzahl in Ingolstadt und Neckarsulm. Angst um den Job will Mosch den Kollegen trotzdem nehmen.

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Im Audi Forum in Ingolstadt tragen alle Menschen Masken. Darum bittet das Unternehmen freundlich auf Plakaten am Eingang. Auch sonst prägt die Pandemie die Situation. Wie die großen Konkurrenten Daimler und BMW hat auch Audi im zweiten Quartal einen tiefen Absatzeinbruch erlebt. Das und die schlechte Auslastung der deutschen Werke ließen in der Belegschaft die Sorge aufkommen, ob nicht doch noch weitere Arbeitsplätze im Feuer stehen.

Kein weiterer Stellenabbau

Trotz der trüben Aussichten hält der Betriebsratschef Peter Mosch daran fest, dass in beiden deutschen Werken keine zusätzlichen Arbeitsplätze abgebaut werden. Es bleibe bei der Vereinbarung zwischen Betriebsrat und Management vom vergangenen November. Damals wurde im Pakt „Audi.Zukunft“ festgezurrt, dass an den beiden Audi-Standorten Ingolstadt und Neckarsulm höchstens 9.500 Stellen gestrichen werden und zwar bis 2025 sozialverträglich und freiwillig. So wurde es vor Corona vereinbart – und das gelte ungebrochen, so Betriebsratschef Peter Mosch:

"Da kann ich nur sagen: Für uns gilt der Vertrag! Und kein Verantwortlicher des Unternehmens war bisher bei mir und hat das Gegenteil behauptet!" Betriebsratschef Peter Mosch

Audi bestätigt Beschäftigungsgarantie

Mit diesen Worten tritt der Arbeitnehmervertreter den Gerüchten in den Audi-Werkshallen entgegen. Auch das Unternehmen selbst stellt schriftlich gegenüber dem Bayerischen Rundfunk klar:

"Unsere Beschäftigungsgarantie bis 2029 steht."

Vorruhestandsregelung gut angenommen

Mittlerweile ist der erste Programmschritt des Pakts Audi.Zukunft abgeschlossen. Angesprochen hatte Audi damit rund 2.500 Mitarbeiter der gut 60.000 köpfigen Belegschaft in Deutschland. Zielgruppe waren die Arbeitnehmer 58 Jahre und älter. Rund die Hälfte der Angesprochenen hat das Angebot angenommen und geht jetzt frühzeitig in den Ruhestand. Das Unternehmen gibt sich mit der Quote "sehr zufrieden".

Audi: "Nichts übers Knie brechen"

Unter welchen Modalitäten Audi die verbleibenden 8 200 Stellen streichen kann, ist derzeit Gegenstand von Detail-Verhandlungen zwischen Management und Betriebsrat. Das Unternehmen lässt sich hier wie folgt zitieren "Wir brechen nichts übers Knie. ... Bei der Umsetzung von Audi.Zukunft ... sind wir gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung ... auf einem guten Weg."

Betriebsrat hofft auf geringeren Stellenabbau

Betriebsratschef Peter Mosch betont, dass Audi in Deutschland auf keinen Fall insgesamt mehr 9.500 Stellen abbauen werde:

"Das ist eine Maximalzahl bis Ende 2025, die so im Pakt Audi.Zukunft definiert ist. Jetzt müssen wir mal schauen. Wenn in den nächsten Jahren die Konjunktur wieder anzieht, vielleicht braucht man dann den ein oder anderen Arbeitnehmer auch mehr." Betriebsratschef Peter Mosch

Zuversicht trotz Absatzeinbruch

Hier gibt sich Peter Mosch zuversichtlich. Und das obwohl der Betriebsratschef weiß, wie groß der weltweite Absatzeinbruch beim Autobauer im zweiten Quartal ausgefallen hier. Wie die Konkurrenten BMW und Daimler hat auch Audi von April bis Juni massiv weniger Autos (23 Prozent) ausgeliefert als im Vorjahreszeitraum. 

Schwache Auslastung der Audi-Werke

Das spiegelt sich auch in der schwachen Auslastung der beiden deutschen Audi-Werke wider. Sie wird laut Betriebsratschef Peter Mosch im Jahresmittel zwischen 50 und 60 Prozent liegen und zwar in Ingolstadt wie auch in Neckarsulm. So produziert das Audi-Werk Ingolstadt in diesem Jahr wohl nur rund 300.000 Autos. Dabei könnten fast doppelt so viele Audis hier vom Band laufen, betont Peter Mosch. Im Zukunftspakt Audi hatte er mit dem Management für Ingolstadt  eine jährliche Werkkapazität von 450.000 Fahrzeugen vereinbart. Durch Corona sind es tatsächlich nun noch einmal deutlich weniger.

Noch lange Verbrenner

Bis Herbst ist die Belegschaft geschützt durch Kurzarbeit, so Mosch. Für die Zeit danach fordert er Kaufprämien vom Staat und zwar für alle Antriebe, auch für die Verbrenner. Die werden nach Ansicht von Peter Mosch noch lange eine Rolle spielen. Darin ist sich der Betriebsratschef übrigens mit Audi-Vorstandschef Markus Duesmann einig.

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© BR

Audi hat im zweiten Quartal fast ein Viertel weniger Autos verkauft. Dennoch sollen nicht mehr als die geplanten 9500 Stellen abgebaut werden. Im Herbst will Audi dann ganz ohne Kurzarbeit auskommen.