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Wirtschaft

Krise bei Audi: Neuer Vorstandschef und Brief an die Kanzlerin | BR24

© dpa-Bildfunk/Andreas Gebert

Das Audi-Werk in Ingolstadt ist nicht ausgelastet. Deshalb sind Arbeitsplätze in Gefahr.

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    Krise bei Audi: Neuer Vorstandschef und Brief an die Kanzlerin

    Die Krise bei Audi führt zu extremen Maßnahmen: Ex-BMW-Vorstand Duesmann ist neuer Audi-Chef. Außerdem hat der Standort Ingolstadt die Kanzlerin um Hilfe gebeten -hinter dem Gesuch an Angela Merkel steht eine außergewöhnliche Koalition.

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    Die Sorge um die Wirtschaftskraft der Region und damit um das Wohl der Menschen vereint in Ingolstadt die unterschiedlichsten Interessenvertreter. In einem gemeinsamen Brief an die Kanzlerin fordern die Stadtspitze, die Gewerkschaft IG Metall und die Betriebsräte von Audi und Airbus vom Bund finanzielle Unterstützung. Der Autobauer Audi selbst hat das Gesuch nicht unterzeichnet. Zudem wurde heute bekannt, dass der ehemalige BMW-Vorstand Markus Duesmann Bram Schot an der Spitze von Audi ablöst.

    Außergewöhnliche Koalition für den Audi-Standort

    Wie angespannt die Lage am Audi-Standort Ingolstadt ist, verdeutlicht, dass neben den verschiedenen Arbeitnehmer-Vertretern auch CSU-Oberbürgermeister Christian Lösel seine Unterschrift unter den Brief an die Kanzlerin gesetzt hat. Das größtes Problem am Standort Ingolstadt ist aktuell die mangelnde Auslastung des Audi-Werks. Wenn sie sich nicht bessert, werden viele Arbeitsplätze wegfallen. Den Autobauer belasten aber auch die Umstellung auf die E-Mobilität und die Digitalisierung im Allgemeinen.

    Finanzielle Hilfen erbeten für Umschulungen

    Die Unterzeichner wünschen sich deshalb von der Kanzlerin finanzielle Hilfe, um die Arbeitsplätze bei Audi und den Zulieferern zu schützen. Sie stellen sich ein so genanntes Transformations-Kurzarbeitergeld vor. Das sollen die Menschen erhalten, während sie im Betrieb für die Digitalisierung und die E-Mobilität qualifiziert werden. Gemeinsam erinnern OB und Arbeitnehmer-Vertreter die Kanzlerin dabei an die Finanzkrise 2009. In deren Folge habe man mit dem umfangreichen Einsatz von Kurzarbeitergeld gute Erfahrungen gemacht.

    Fördergelder für neue Technologien

    Die Unterzeichner weisen die Kanzlerin auch auf die Chancen hin, in der Region neue Arbeitsplätze im Bereich neuer Technologien zu schaffen. Sie nennen dabei explizit die Forschungsfelder Künstliche Intelligenz, Klimaschutz sowie neue Formen der Mobilität. Als Beispiele führt der Brief an die Kanzlerin die E-Mobilität an, aber auch die so genannte Urban Air Mobility, also den Einsatz unbemannter Drohnen wie etwa Flugtaxis. Die Unterzeichner machen sich zudem für das neue europäische Kampflugzeug FCAS stark.

    Verweis auf hohe Subventionen in Frankreich

    In ihrem Schreiben verweisen die Ingolstädter darauf, dass andere europäische Länder ihre Wirtschaft höher subventionieren als Deutschland. Als Beispiel nennen die Ingolstädter Subventionen Frankreichs für ihre Flugzeugbranche. Ähnliche Förderungen werden deshalb für die Region Ingolstadt erbeten. Im Bereich der Entwicklung unbemannter Drohnen gelte es in der Region Ingolstadt und in Manching eine "Innovationsführerschaft bei Airbus und der Wehrtechnischen Dienststelle auszubauen". Ziel der Kanzlerin müsse es deshalb sein, Ingolstadt und Manching als "europäisches Zentrum zur Urban Air Mobility" zu etablieren.

    Brief an Kanzlerin zeitgleich mit Suche nach neuem Audi-Chef

    Der Brief trifft zeitlich mit einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung von Audi am Freitag in Wolfsburg zusammen.

    Nicht auf der Tagesordnung des Aufsichtsrates steht der Abbau von Überkapazitäten an den beiden deutschen Audi-Standorten Ingolstadt und Neckarsulm. Derzeit sind die Werke bei weitem nicht ausgelastet. Dieses Thema wird den Aufsichtsrat wohl bei seiner ordentlichen Sitzung am 20. November beschäftigen.