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Audi: Staatsanwaltschaft klagt Ex-Vorstand Stadler an | BR24

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Ex-Audi-Vorstandschef Rupert Stadler saß bereits mehrere Monate in Untersuchungshaft. Jetzt will ihn die Staatsanwaltschaft München II vor Gericht bringen. Damit beginnt einer der wichtigsten Prozesse im Diesel-Skandal.

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Audi: Staatsanwaltschaft klagt Ex-Vorstand Stadler an

Ex-Audi-Vorstandschef Rupert Stadler saß bereits mehrere Monate in Untersuchungshaft. Jetzt will ihn die Staatsanwaltschaft München II vor Gericht bringen. Audi wertet den erwarteten Prozess gegen Stadler als Chance zur Aufklärung des Dieselskandals.

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Offenbar geht die Staatsanwaltschaft München II von einer Mitschuld des Ex-Audi-Chefs Rupert Stadler am Diesel-Skandal aus. Die Ermittler haben Anklage erhoben und wollen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Ingolstädter Autobauers sowie drei weitere Beschuldigte mit mehreren Anklagepunkten vor Gericht konfrontieren. Dem 56-jährigen Stadler wirft die Staatsanwaltschaft vor, "spätestens ab Ende 2015 von den Manipulationen Kenntnis gehabt und gleichwohl weiter den Absatz von betroffenen Fahrzeugen der Marken Audi und VW veranlasst bzw. den Absatz nicht verhindert zu haben".

Vorwürfe gegen den Ex-Audi-Chef wiegen schwer

Neben dem Vorwurf, Diesel-Neuwagen in Europa mit Schummel-Software weiter auf den Markt gebracht zu haben, obwohl er von den illegalen Abschalteinrichtungen wusste, wird dem Ex-Audi-Chef vorgeworfen, Zeugen und Beschuldigte beeinflusst zu haben. Jetzt muss er sich wegen Betrug, mittelbarer Falschbeurkundung sowie strafbarer Werbung verteidigen. Der langjährige Audi-Vorsitzende selbst weist alle Vorwürfe von sich.

Audi sieht Anklage gegen Stadler als Chance zur Aufklärung

Audi wertet den erwarteten Strafprozess gegen den früheren Konzernchef Rupert Stadler als Chance zur Aufklärung des Dieselskandals. "Es liegt im Interesse der Mitarbeiter, der Anteilseigner und des ganzen Unternehmens, die Sachverhalte, die zur Dieselkrise geführt haben, juristisch restlos aufzuklären", sagte ein Unternehmenssprecher. Für alle Beschuldigen gelte die Unschuldsvermutung.

Wie Audi in den Dieselskandal rutschte

• Am Anfang war der Mutterkonzern VW im Visier der Ermittler – zunächst nur in den USA. Im September 2015 machte die US-Umweltbehörde öffentlich: Volkswagen hat eine Software in seine Autos eingebaut, die den Schadstoffausstoß künstlich gedrückt hat.

• Nur ein Monat später gab Audi zu: Die Schummel-Software wurde auch in die Drei-Liter-Dieselmotoren eingebaut.

• Im Sommer 2017 schwappte der Dieselskandal dann nach Deutschland. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gab bekannt: Die illegale Software wurde auch hierzulande eingesetzt.

• Zum ersten Mal leitete daraufhin die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen wegen Abgasbetrugs ein. Unter anderem gegen den ehemaligen Leiter eines Ingenieursteams im Werk Neckarsulm. Er soll Mitarbeiter angewiesen haben, eine Software zu entwickeln, die wie in den USA die Behörden täuschte. Er wiederum belastete daraufhin das Top-Management von Audi schwer.

• Nach den Vorwürfen im Abgas-Skandal beruft der Audi-Aufsichtsrat Ende August 2017 vier neue Mitglieder ein. Stadler, der umstrittene Audi-Chef, bleibt aber vorerst im Amt.

• Im Juni 2018 dann die Razzia beim Audi-Chef, die zur Festnahme führt: Die Staatsanwaltschaft wirft Stadler unter anderem Betrug vor. Er soll schon lange von der illegalen Software gewusst haben und muss für mehrere Monate in Untersuchungshaft – es besteht Verdunkelungsgefahr. Schließlich wird er von all seinen Aufgaben bei Audi entbunden.

"Ex-Audi-Chef Stadler unter dringendem Tatverdacht"

Stadler wurde Ende Oktober 2018 unter strengen Auflagen entlassen. Der zuständige Richter betonte: Es bestehe weiter dringender Tatverdacht. In der Öffentlichkeit ist Stadler seither nicht mehr aufgetreten. Nachdem die Staatsanwaltschaft München II das Verfahren aber jetzt eröffnet hat, und er sich vor Gericht verteidigen muss, wird man ihn wieder zu Gesicht bekommen.

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Gut 7000 Seiten dick sind die Ermittlungsakten, die die Münchner Staatsanwälte im Verfahren gegen Rupert Stadler zusammentrugen. Ob und wann es zum Prozess kommt, das dürfte sich erst im Winter klären. Die Vorwürfe sind happig.