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Audi-Abgasprozess: "Alle wussten Bescheid" | BR24

© BR/Gabriel Wirth

Im Strafprozess um den Audi-Abgas-Skandal hat der Verteidiger einer der Angeklagten betont, dass alle im Unternehmen über die Manipulationen Bescheid gewusst hätten. Anweisungen zur Entwicklung der umstrittenen Motoren seien von oben gekommen.

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Audi-Abgasprozess: "Alle wussten Bescheid"

Im Strafprozess um den Audi-Abgas-Skandal hat der Verteidiger einer der Angeklagten betont, dass alle im Unternehmen über die Manipulationen Bescheid gewusst hätten. Anweisungen zur Entwicklung der umstrittenen Motoren seien von oben gekommen.

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Der Strafprozess um Abgasmanipulationen beim Autohersteller Audi ist heute fortgesetzt worden. Am Vormittag äußerten sich die Verteidiger von zwei Angeklagten: der Rechtsbeistand von einem Entwicklungsingenieur auf Abteilungsleiterebene, Giovanni P., und der Anwalt vom ehemaligen Motoren-Entwicklungschef Wolfgang Hatz.

Ingenieur weist jegliche Verantwortung von sich

Der Vertreter von P. betonte, dieser habe keine Entscheidungskompetenz gehabt. Sämtliche Anweisungen seien von der Konzernspitze gekommen. Damit hat der Motorenentwickler indirekt auch den früheren Audi-Chef Rupert Stadler und den mitangeklagten ehemaligen Motorenchef von Audi, Wolfgang Hatz, belastet.

"Alle wussten zu jeder Zeit Bescheid"

Jeder habe zu allen Zeiten gewusst, dass auf Rolle und Straße unterschiedliche Werte herausgekommen seien, führte der Anwalt des Motorenentwicklers aus. Nicht P. gehöre auf die Anklagebank, sondern das Unternehmen, so sein Verteidiger Walter Lechner.

"Kein Ingenieur entscheidet darüber auf eigene Faust. Das war eine strategische Entscheidung." Verteidiger Walter Lechner

Die Probleme, die Abgaswerte der "Clean Diesel"-Motoren ohne einen unerwünscht hohen Verbrauch des Harnstoff-Zusatzes "AdBlue" unter Kontrolle zu halten, seien allen bei Audi bekannt gewesen - bis hin zur Konzernspitze.

Angeklagter stand vier Stufen unter dem Vorstand

Der heute 63-jährige P. war für die Abgasnachbehandlung verantwortlich und stand vier Hierarchiestufen unter dem Vorstand. In den nächsten Verhandlungstagen wird er sich voraussichtlich noch ausführlicher zu den konkreten Vorwürfen der Anklage äußern. P. gilt als weitgehend geständig. Ihm wird von der Münchner Staatsanwaltschaft vorgeworfen, zusammen mit einem anderen angeklagten Motorenentwickler und Hatz, die illegale Abschalteinrichtung entwickelt zu haben.

Widerspruch vom ehemaligen Motoren-Entwicklungschef Hatz.

Der ehemalige Audi-Chef-Motorenentwickler Wolfgang Hatz hat nach Angaben seines Verteidigers allerdings nichts von der illegalen Schummel-Software bei Dieselantrieben im VW-Konzern gewusst. "Herr Hatz wurde zu keinem Zeitpunkt über die Manipulationen informiert", sagte sein Verteidiger Gerson Trüg.

Er habe die Manipulation nicht gebilligt - und hätte sie auch nie geduldet. Trüg sagte, die vermeintlichen Beweise für eine Beteiligung von Hatz seien dünn. Die Staatsanwaltschaft berufe sich nur auf - nicht einmal zeitlich genau bestimmbare - Telefonate mit dem für die Abgasnachbehandlung zuständigen Ingenieur Giovanni P., in denen Hatz die Software abgenickt habe.

Stadler soll Verkauf nicht gestoppt haben

Der frühere Audi-Chef Stadler soll den Verkauf von betroffenen Fahrzeugen in Europa nicht gestoppt haben, obwohl er spätestens seit September 2015 von dem Skandal wusste, so der Vorwurf.

Den vier Angeklagten wird deshalb unter anderem Betrug vorgeworfen. Es wird mit einem langen, voraussichtlich mehr als zweijährigem Verfahren, gerechnet.

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