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Die Armutsgefährdung in Bayern nimmt zu, beklagt ein Bündnis aus 16 Organisationen. Deshalb seien schnelle Hilfen nötig.

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Armutsrisiken im Freistaat: Wie arm sind die Bayern wirklich?

Armutsrisiken im Freistaat: Wie arm sind die Bayern wirklich?

Bayern ist zwar auf den ersten Blick ein wohlhabendes Land, doch es droht eine soziale Schieflage. Davor warnt das Soziale Netz Bayern. Das Bündnis appelliert nun an die Politik, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen, um die Armut zu bekämpfen.

Bayern sei ein Land mit hoher Lebensqualität. Allerdings gebe es eine soziale Schieflage, kritisiert das Soziale Netz Bayern. Innerhalb eines Jahres habe die Armutsgefährdungsquote in allen Bereichen zugenommen. Besonders betroffen seien Frauen im Rentenalter und Alleinerziehende. Habe die Armutsgefährdungsquote bei Alleinerziehenden 2020 noch bei 35,1 Prozent gelegen, seien es 2021 bereits 38,5 Prozent gewesen. Die Inflation von aktuell 11 Prozent im Freistaat verschärfe die materielle Armut nochmal um ein Vielfaches.

Mehr sozialen Zusammenhalt und Chancengerechtigkeit fordert deshalb das Soziale Netz Bayern. Das breite Bündnis aus 16 Verbänden, Organisationen und Institutionen aus dem Sozialbereich sieht eine steigende Armutsgefährdungsquote und fordert schnelle Hilfen.

Schnelle, unkomplizierte Hilfen gefordert

Armut minimiere Bildungschancen, mache krank und verhindere soziale Teilhabe. Ihr müsse schnell und mit wirkungsvollen Maßnahmen begegnet werden. Positiv sei, dass die Bayerische Staatsregierung einen Bürger-Härtefallfonds auflegen wolle. In Höhe von 1,5 Mrd. Euro. Wie, wann und in welchem Umfang Mittel abgerufen werden könnten, sei aber noch nicht ganz klar. Mehr Tempo fordert hier der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bayern, Bernhard Stiedl. Man dürfe nicht erst bis in den Winter abwarten, das wäre zu spät. Schnelle und unkomplizierte Unterstützung sei jetzt erforderlich.

Mehr Unterstützung für pflegende Angehörige

Das soziale Netz Bayern fordert auch mehr Unterstützung für pflegende Angehörige, die manchmal ihren Beruf aufgeben müssten. Oder deren Einkommen aufgrund der häuslichen Pflege sinke. Pflege sei eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen. Von 578.000 pflegebedürftigen Personen in Bayern würden rund 80 Prozent zu Hause versorgt. Bessere Beratungsmöglichkeiten und Entlastungen seien erforderlich. Auch durch den Aufbau und die Ausweitung von Kurzzeitpflegeplätzen.

Hoher Ausbaubedarf bei der Ganztagsbetreuung

Großen Handlungsbedarf sieht das Soziale Netz Bayern auch im Bereich der Bildung. Es müssten mehr Kita-Betreuungsplätze entstehen, ohne die Qualitätsansprüche zu senken. Außerdem habe Bayern nach Schleswig-Holstein den höchsten Ausbaubedarf bei der Ganztagsbetreuung.

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