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Arbeitsplätze - für die Kommunalpolitiker im ländlichen Raum ist das die Währung, nach der sie gemessen werden. Um die Menschen in der Region zu halten, ist es wichtig, für Unternehmen attraktiv zu sein.

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Arbeitsplätze: Maschinenbau-Mekka in der Oberpfalz

Arbeitsplätze sind für die Kommunalpolitiker im ländlichen Raum die Währung, nach der sie gemessen werden. Um die Menschen in der Region zu halten, ist es wichtig, für Unternehmen attraktiv zu sein. Roding in der Oberpfalz hat dafür Strategien.

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Eigentlich müssten sich die 12.000 Einwohner von Roding in der Oberpfalz keine Sorgen machen, zumindest nicht über ihre Arbeitsplätze. Hier herrscht Vollbeschäftigung. Das ist auch das Verdienst von Bürgermeister Franz Reichold. Seit 1996 ist der zweifache Familienvater im Amt und das, obwohl er damals gar nicht kandidieren wollte.

"Dann hab ich gesagt ich mach´s, aber dann hab ich riesige Schwierigkeiten gekriegt mit meiner Frau, die hat dann ein halbes Jahr nicht mehr mit mir gesprochen, nur mehr das Notwendigste." Franz Reichold, Bürgermeister Roding

Großer Arbeitgeber der Region schließt Werk

Die Ehe hält bis heute. Doch jetzt droht wirklich Gefahr und das hat mit Einspritzpumpen für Dieselmotoren zu tun. Der Autozulieferer Continental will sein Werk in Roding schließen. Franz Reichold demonstriert dagegen mit 500 Mitarbeitern im Herbst 2019. Die Angst geht um. Keiner versteht die Entscheidung des Konzerns.

"Ich versteh´s auch nicht ganz. Ich hab gefragt, was passiert mit Elektromotoren, dann krieg ich die eiskalte Antwort, die produzieren wir künftig in China. Meine erste Reaktion war, dass ich auf meinen Dienstwagen geschaut habe, was für Reifen ich drauf hab, ich hätte wahrscheinlich Conti-Reifen abmontiert." Franz Reichold, Bürgermeister Roding

Aufgewachsen ist Franz Reichold in Roding in den 1950er Jahren. Damals gilt dieser Teil der Oberpfalz als das Armenhaus in Bayern.

"Ich bin in einer Zeit groß geworden, als die Arbeitslosigkeit bei bis zu 40 Prozent gelegen hat. Mein Vater ist zum Beispiel jeden Sonntagabend nach Nürnberg zum Arbeiten gefahren und am Samstagmittag wieder gekommen. In den Ferien musste ich in den Wald raus, musste Holz sammeln, Heidelbeeren pflücken. Das habe ich dann verkauft, damit ich ein bisschen Taschengeld gehabt hab. War schon eine harte Zeit gewesen." Franz Reichold, Bürgermeister Roding

Bundeswehr sicherte Arbeitsplätze

Doch dann kommt 1958 die Bundeswehr und eröffnet einen Standort in Roding. Den Grundstein für die Arnulf-Kaserne legt der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß.

Die Soldaten sind für die Kommune wirtschaftlich wichtig. Franz Reichold hat einen Termin mit dem Kommandeur der Kaserne, Oberstleutnant Michael Hanisch. Die Bundeswehr plant den Standort zu erweitern.

"Die Bundeswehr ist ein großer Faktor, eintausend Soldaten, die Handwerksbetriebe, die Baufirmen haben Arbeit bekommen, dann ist es erst aufwärts gegangen." Franz Reichold, Bürgermeister Roding

Weitere Firmen siedeln sich an

Aber für den Aufschwung braucht es noch mehr. In den 60er Jahren eröffnet in Roding die Heizungsbaufirma Vaillant ihr Werk. Der Bedarf an Fachkräften wächst ständig.

"Dann sind die Facharbeiter ausgebildet worden aus der Landwirtschaft. Die Grundlage dafür, dass sich eine besondere Facharbeiterqualität entwickelt hat." Franz Reichold, Bürgermeister Roding

Diese Kompetenz half dem Standort, sich weiter zu entwickeln. Die Firma von Josef Mühlbauer, der bei Vaillant Dreher gelernt hat, ist heute der größte Arbeitgeber in Roding mit 1.500 Beschäftigten und 80 bis 90 neuen Auszubildenden pro Jahr. Die Mühlbauer AG ist Weltmarktführer und baut unter anderem die Maschinen für die Platinen des iPhones sowie für die Produktion von Geldkarten oder Reisepässen weltweit.

Ein weiteres Beispiel ist die Firma Webutex. Ein Start-up aus dem Rodinger Gründerzentrum. Das Unternehmen produziert seit 2008 Kunststoff-Komponenten, die besonders leicht und belastbar sind. Sie finden sich in ICE-Zügen, in der Medizintechnik oder in der Raumfahrt. Franz Reichhold ist mit Firmenchef Wolfgang Wese verabredet. Webutex zählt zu den erfolgreichsten mittelständischen Unternehmen in Deutschland und will weiter expandieren. Da ist der Bürgermeister gefragt.

"Ein Bürgermeister muss genauso flexibel sein wie ein Unternehmer. Er muss voraus denken und den Firmen ein Angebot machen. Ihr könnt diese Fläche kaufen und habt aber später die Möglichkeit zu erweitern." Franz Reichold, Bürgermeister Roding
"Wir haben den Betrieb in den vergangenen zehn Jahren fast versiebenfacht in der Produktionsfläche. Wir planen aktuell eine weitere Investition in das angrenzende Grundstück, was ohne die Zusprüche des Bürgermeisters oder auch der Stadt nicht machbar wäre." Wolfgang Wese, Geschäftsführer Webutex

Firmen erhalten ländlichen Raum

Deshalb geht Webutex nicht ins Ausland, sondern bleibt in Roding. Die Arbeitslosenquote liegt hier bei unter zwei Prozent, Vollbeschäftigung eben. Franz Reichold zieht am Ende seiner Amtszeit eine positive Bilanz: Roding ist die einzige Stadt im Landkreis Cham, die wächst. Es wurden Schulen saniert und Kindergärten gebaut. Um den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken, hat die Stadt ein Busunternehmen gekauft.

Franz Reichold hat auch gegen ein Bürgerbegehren gekämpft, das den Neubau eines Ganzjahresbades verhindern wollte. Das Bad wird jetzt für 20 Millionen Euro realisiert.

"Wenn man ein attraktives Ganzjahresbad hat, dann kann das den Ausschlag geben. Ich nehme immer folgendes Beispiel: Wenn Sie einen Urlaub planen und das eine Hotel hat ein Schwimmbad dabei. Wo gehen Sie hin? Ins Hotel mit dem Schwimmbad." Franz Reichold, Bürgermeister Roding

Ab Mai neuer Bürgermeister in Roding

Die Rodinger schätzen ihre Nummer eins seit mehr als zwei Jahrzehnten. Bodenständig und bescheiden ist er geblieben. Doch Ende April ist Schluss. Dann will Franz Reichold studieren und ökologische Projekte unterstützen.

"Man ist auch irgendwann am Ende seiner Kräfte und es kommt eine neue Generation mit vielleicht besseren Ideen, denen muss man auch Raum geben." Franz Reichold, Bürgermeister Roding

Roding ist gut für die Zukunft gerüstet.