| BR24

 
 

Bild

Ein Zuwanderer aus Afghanistan in einem Siemens-Ausbildungszentrum
© pa / dpa / Monika Skolimowska
© pa / dpa / Monika Skolimowska

Ein Zuwanderer aus Afghanistan in einem Siemens-Ausbildungszentrum

Abdelhafez Suleiman ist Projektleiter bei der Stahlbaufirma Remmert. Er ist Palästinenser und seit zehn Jahren in Deutschland. Er hat an der TU Berlin studiert, seit vergangenem Jahr hat er seinen Job in der Firma im ostwestfälischen Löhne. Ein Glücksfall für die Firma Remmert, die händeringend nach qualifizierten Fachkräften sucht.

Die Babyboomer gehen

Die Babyboomer gehen bald in Rente, die Auftragsbücher sind derzeit voll und das soll auch so bleiben. Abdelhafez Suleiman ist froh, denn er weiß: Ist man einmal drin im Arbeitsmarkt, bleibt man in den technischen Berufen gefragt.

Aber es sind nicht nur die akademischen Berufe, in denen die Unternehmen den Nachwuchs suchen. Mehr denn je werden in Zukunft auch viele Fachleute mit Berufsqualifikationen in Rente gehen.

Deutschland kann Nachwuchs-Bedarf nicht selbst decken

Genau das bestätigt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung und sie fragt, wo Unternehmen künftig die fehlenden Arbeitskräfte suchen müssen. Das Interessante: Die Studie geht optimistisch davon aus, dass in Deutschland die Geburtenrate weiter steigen wird, Frauen und Männer gleich viel arbeiten und eine Rente mit 70 eingeführt wird.

Zuwanderung aus der EU reicht nicht

Trotzdem würde das den Bedarf nicht decken, und selbst die Zuwanderung aus den EU-Staaten würde nicht reichen. Die Zuzüge beispielsweise aus Rumänien oder Polen werden künftig weniger, weil auch diese Länder das gleiche demografische Problem bekommen wie Deutschland.

Mit jährlich 114.000 Zuwanderern aus den EU-Staaten nach Deutschland rechnen die Macher der Studie. Das bedeutet, dass 146.000 Menschen aus Drittstaaten außerhalb der EU kommen müssten.

Einwanderungsgesetz wichtiges Signal

Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren noch zu wenige Zuwanderer nach Deutschland gekommen: 2017 waren es gerade mal 38.000 Menschen. Deshalb müsse die Politik den Zuzug besser steuern, meint Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. "Das Einwanderungsgesetz muss schnell verabschiedet werden."

Die Forscher am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln gehen von einem ähnlich großen Zuwanderungsbedarf aus. Vor allem qualifizierte Menschen im IT-Bereich müssten jetzt angeworben werden.

In Indien zum Beispiel seien derzeit die Sprachkurse in den Goethe-Instituten gefragt. Das Land hat ein großes Interesse, seinen Nachwuchs im Ausland gut ausbilden zu lassen. "Genau deswegen muss der jetzige Entwurf des Fachkräfte-Einwanderungsgesetzes - so schnell es geht - kommen", sagt Wissenschaftler Alex Plünnecke vom IW. Und damit müsse sich eine entsprechende Willkommenskultur paaren.

Leichterer Zugang zum Arbeitsmarkt

In der Praxis könnte die zum Beispiel in Ämtern beginnen: Und zwar mit einer leichteren Anerkennung von ausländischen Ausbildungen. Das bewährte deutsche duale Ausbildungssystem wird nämlich zur Hürde, wenn ausländische Abschlüsse mit Lehre und Meisterbrief verglichen werden.

Für Abdelhafez Suleiman aus Löhne sind es aber auch praktische Informationen, die Zuwanderern oft fehlen. Etwa wie man sich auf den deutschen Arbeitsmarkt überhaupt bewirbt. "In manchen Ländern ist das gar nicht üblich", weiß er. Vielen fehle genau das Wissen. Und wenn man einmal sich falsch präsentiert hat, dann wird es schwierig, einen Job zu finden.