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Arbeitsmarkt in Bayern: Konjunkturelle Delle wird spürbar | BR24

© dpa-Bildfunk

Immer mehr Menschen melden sich direkt aus der Berufstätigkeit arbeitslos.

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    Arbeitsmarkt in Bayern: Konjunkturelle Delle wird spürbar

    Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Oktober saisonüblich gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist aber ein Anstieg zu verzeichnen. Bedenklich ist, dass sich immer mehr Menschen direkt aus der Erwerbstätigkeit arbeitslos melden.

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    Wie die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit mitteilt, waren im Oktober 200.515 Menschen im Freistaat arbeitslos gemeldet. Das waren 8.953 weniger als im September, aber 4.720 mehr als im Oktober vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 2,7 Prozent, das ist ein Rückgang von 0,1 Prozentpunkten im Vergleich zum September. Im Oktober 2018 hatte die Arbeitslosenquote allerdings bei 2,6 Prozent gelegen.

    Konjunkturelle Delle macht sich bemerkbar

    Der Chef der bayerischen Arbeitsagenturen, Ralf Holtzwart, erklärt den Rückgang im Vergleich zum September mit vielen jungen Menschen, die im Oktober eine Ausbildung begonnen und sich somit aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet haben. Entscheidend ist für Holtzwart allerdings der Vorjahresvergleich. Hier sei zu spüren, dass sich die derzeitige konjunkturelle Delle in ihrer Bedeutung ausweite. Untermauert wird dies durch die aktuellen Zahlen. Denn immer mehr Menschen melden sich direkt aus der Erwerbstätigkeit arbeitslos. Vor allem in der Zeitarbeit sei dies zu spüren. Umgekehrt sei die Arbeitslosigkeit im Bereich der Grundsicherung weiterhin rückläufig, so Holtzwart.

    Mehr Menschen in sozialversicherungspflichtiger Arbeit

    Erfreulich bleibe das weitere Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Freistaat, die allerdings leicht zeitversetzt ermittelt wird. Nach einer aktuellen Hochrechnung waren im August 5.691.500 Personen in entsprechenden Beschäftigungsverhältnissen – 91.100 beziehungsweise 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter den einzelnen Agenturbezirken weist der Landkreis Eichstätt mit 1,3 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote auf. Auch das Schlusslicht ist dasselbe, wie in den Monaten zuvor: die Stadt Schweinfurt mit einer Quote von derzeit 6,0 Prozent.

    Duale Ausbildung attraktiv

    Mit dem Arbeitsmarktbericht für diesen Monat ziehen die Arbeitsagenturen auch eine Bilanz zum Ausbildungsmarkt 2018/2019: Den Angaben zufolge wurden im vergangenen Ausbildungsjahr in Bayern 95.080 Ausbildungsstellen besetzt, gut 15.000 Stellen konnten nicht besetzt werden. Rein rechnerisch hätten aber 72 Prozent der Schulabsolventen im Freistaat eine Ausbildung begonnen. Dies zeige, dass die duale Ausbildung in Betrieben und Berufsschulen zunehmend attraktiver werde. 2012 lag der Anteil noch bei 69 Prozent. Ralf Holtzwart bezeichnet diese steigende Tendenz als erfreulich, denn eine abgeschlossene Ausbildung sei ein Grundpfeiler für eine erfolgreiche Berufsbiografie.

    Überangebot an Ausbildungsplätzen

    Mittlerweile gebe es aber seit acht Jahren konstant mehr Ausbildungsplätze als Bewerberinnen und Bewerber in Bayern. Grund sei vor allem die geringer werdende Zahl der Schulabsolventen. Es sei allerdings auch so, dass bei einem Überangebot an Ausbildungsstellen Jugendliche die Ausbildungsvermittlung seltener und später nutzten. Beim Überangebot an Ausbildungsstellen gibt es allerdings erhebliche regionale Unterschiede. So kommen in der Oberpfalz auf einen unversorgten Bewerber 68 freie Ausbildungsplätze, in Mittelfranken hat ein Bewerber noch die Wahl zwischen sieben offenen Stellen.

    Industrie attraktiver als Handwerk

    Bei einem derartigen Bewerbermarkt gebe es nach wie vor Probleme, Ausbildungsplätze im Bereich des Lebensmittelhandwerks, etwa Metzger und Bäcker, zu besetzen. Und insgesamt habe es das Handwerk schwerer, seinen Bedarf an Lehrlingen zu decken als die Industrie. In der Industrie habe allerdings der Wandel auch eine Umorientierung der Jugendlichen ausgelöst. Mittlerweile seien die unterschiedlichen Bereiche in der Fachinformatik bei potenziellen Bewerbern beinahe so beliebt wie die KFZ-Mechatronik, die seit Jahren die Hitliste der beliebtesten Berufe bei den Jugendlichen anführt.