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Arbeitsmarkt 2020: Bundesagentur bleibt relativ gelassen | BR24

© BR/Stanislaus Kossakowski

Brexit, Handelskrieg und Konjunktursorgen belasten die Wirtschaft. Für die Bundesagentur für Arbeit aber kein Grund zur Panik: Sie erwartet 2020 trotz Kurzarbeit ein Beschäftigungswachstum, so Vorstandsmitglied Daniel Terzenbach im BR24-Interview.

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Arbeitsmarkt 2020: Bundesagentur bleibt relativ gelassen

Brexit, Handelskrieg und Konjunktursorgen belasten die Wirtschaft. Für die Bundesagentur für Arbeit aber kein Grund zur Panik: Sie erwartet 2020 trotz Kurzarbeit ein Beschäftigungswachstum, so Vorstandsmitglied Daniel Terzenbach im BR24-Interview.

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Die Metall- und Elektroindustrie befindet sich aktuell in konjunkturell schwierigen Zeiten, das trifft insbesondere die Autoindustrie. Daniel Terzenbach, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA), sieht im drohenden Jobverlust von Beschäftigten im metallverarbeitenden Gewerbe aber keine größere Gefahr. Das sagte er im Interview mit BR24.

Die Fachkräfte, die im Zuge der Umbrüche der Automobil- und Metallindustrie möglicherweise ihren Arbeitsplatz verlieren, hätten gute Chancen auf eine neue Stelle. Denn die Fachkräftenachfrage am Arbeitsmarkt sei ungebrochen hoch, so Terzenbach.

Positive Erwartungen setzt er zudem auf das 2019 in Kraft getretene Qualifizierungschancengesetz. Mit dem Gesetz haben alle Beschäftigten das Recht auf berufliche Weiterbildung, unabhängig von Ausbildung, Alter und Betriebsgröße. Terzenbach beteuert: Das werde "im nächsten Jahr viel intensiver" genutzt - gerade vor dem Hintergrund der digitalen Transformation.

Kurzarbeit: Mehr Anträge erwartet

Auch die Entwicklung der Kurzarbeit hält der Terzenbach nicht für besorgniserregend. Im November befanden sich 59.000 Beschäftigte in Kurzarbeit - ein ähnliches Niveau wie 2012/13, als die europäische Schuldenkrise auf ihrem Höhepunkt war. Dass es deutlich schlechter werden könnte, erwartet er nicht, da es "aktuell keine Anzeichen struktureller Grundprobleme" gebe.

Dass es weitere rund 50.000 Anträge auf Kurzarbeit gebe, sei vor allem eine Präventionsmaßnahme. Es heiße aber nicht, dass alle Anträge umgesetzt würden. Terzenbach, der im Vorstand der BA für Regionen zuständig ist, erwartet zugleich noch weitere Anträge auf Kurzarbeit.

"In den persönlichen Gesprächen mit größeren Unternehmen – insbesondere aus Süddeutschland – hören wir auch, dass im neuen Jahr durchaus das ein oder andere Kurzarbeit-Programm noch dazu kommen könnte." Daniel Terzenbach, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA)

Brexit und Handelskrieg belasten Unternehmen weiterhin

Terzenbachs Ausblick auf die konjunkturelle Entwicklung fällt moderat aus: Ja, es gebe eine konjunkturelle Delle. Doch stelle er darin eine "tendenziell positive Entwicklung" fest. Im globalen Umfeld gebe es unveränderte Gefahren: Der Brexit stehe "in irgendeiner Art und Weise vor der Tür". Auch im Handelskrieg zwischen den USA und China verändern sich täglich die Positionen. "Das sind Rahmenbedingungen, die sind nicht optimal", sagt Terzenbach und fügt hinzu:

"Aber auf der anderen Seite sehen wir: Das Entlassungsrisiko ist extrem gering. Es werden weiter Fachkräfte gesucht. Wir haben auch die Konsumlaune, die positiverweise auch weiter zugelegt hat. Wir hören insgesamt: Die Ausrichtung der Unternehmen ist tendenziell positiv. Es gibt Große, die haben Strukturthemen, mit denen sie sich befassen. Also ich würde sagen, in der jetzigen Phase wird es ungefähr in dem Level weitergehen. Wir werden auch im nächsten Jahr unter schwierigeren Bedingungen trotzdem weiter Beschäftigungswachstum haben." Daniel Terzenbach, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA)

Sprachkurse für Migranten: Mehr Absolventen nötig

Noch zu tun gebe es aus Sicht der Bundesagentur bei der sprachlichen Qualifikation von Migranten und anerkannten Asylbewerbern. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) teilte kürzlich mit, mehr als 400.000 Teilnehmer hätten die entsprechenden Berufssprachkurse besucht, die seit Mitte 2016 angeboten werden.

Terzenbach begrüßt diese Entwicklung - er mahnt jedoch auch an, dass die Quote der erfolgreichen Absolventen deutlich steigen müsse. Das Bundesamt gehe nach seiner Kenntnis das Problem aber bereits an.