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Agentur für Arbeit in Nürnberg

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    Arbeitslosengeld beantragen: Was Betroffene beachten müssen

    Eine Kündigungswelle hat es in Deutschland dank Kurzarbeit bisher nicht gegeben. Wenn die staatlichen Hilfen aber nicht mehr reichen, sind Entlassungen wahrscheinlich. Arbeitnehmer können Arbeitslosengeld beantragen - wobei einiges zu beachten ist.

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    Von
    • Birgit Harprath

    Den großen Einbruch auf dem Arbeitsmarkt hat es dank der Kurzarbeit zwar bisher nicht gegeben. Wenn die staatlichen Hilfen aber nicht mehr genügen, um Betriebe in der Corona-Krise vor der Pleite zu retten, werden sie Kündigungen aussprechen. Viele Arbeitnehmer werden dann Arbeitslosengeld (ALG1) beantragen müssen. Dabei gilt es einiges zu beachten.

    Nach Kündigung: Frühzeitig bei der Agentur für Arbeit melden

    Nur selten landet eine Kündigung völlig unerwartet im Briefkasten. In den weitaus meisten Fällen wurde die schon angekündigt. Der Mitarbeiter muss dann gleich die Bundesagentur für Arbeit informieren und zwar spätestens drei Monate, bevor das Arbeitsverhältnis endet. Wenn das zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt oder sicher ist, dann gilt eine Frist von drei Tagen, nachdem die Kündigung feststeht. Der Betroffene meldet sich arbeitssuchend.

    Das war dem Gesetzgeber wichtig, damit die Agenturen gleich mit der Vermittlung oder einer Schulung starten können. Die Zeit ohne Job soll möglichst kurz sein. Als arbeitslos gilt dabei, wer nicht beschäftigt ist oder weniger als 15 Stunden in der Woche arbeitet. Spätestens am ersten Tag ohne Job muss man sich zusätzlich persönlich bei der Agentur zum Gespräch melden. In Corona- Zeiten kann das auch per Videoschalte geführt werden.

    Arbeitslosengeld muss beantragt werden

    Überweist der Arbeitgeber nach einer Kündigung nicht mehr das Einkommen auf das Konto, dann hat der Betroffene Anspruch auf Arbeitslosengeld. Er muss allerdings eine gewisse Zeit in die Versicherung eingezahlt haben. Der Antrag kann auch online gestellt werden. Die Bundesagentur für Arbeit bietet auf ihre Homepage diesen Service an.

    Arbeitslosengeld gibt es ab dem Tag, an dem man arbeitslos ist. Das Geld wird dabei auf ein Konto überwiesen oder aber als "Zahlungsanweisung zur Verrechnung" zugeschickt. Die kann man sich dann bei der Deutschen Post oder Postbank auszahlen lassen. Es fällt allerdings eine Gebühr an.

    Höhe des Arbeitslosengeldes hängt vom früheren Einkommen ab

    Wieviel Arbeitslosengeld einem zusteht, das kann man selber herausfinden. Die Bundesagentur für Arbeit hat einen Online-Rechner ins Netz gestellt. Die Höhe hängt davon ab, wieviel der Betroffene in den zwölf Monaten zuvor brutto verdient hat. Dabei werden auch einmalige Zuschläge wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld mit einberechnet. Eine gezahlte Abfindung kann unter Umständen gegengerechnet werden. Die Zeiten, in denen man Kurzarbeitergeld erhalten hat, werden so berechnet, als hätte man voll gearbeitet. Steuern- und Sozialversicherungsbeiträge werden pauschal abgezogen.

    Vom so ermittelten Leistungsentgelt gibt es 60 Prozent, mit Kindern 67 Prozent. Ein Nebenjob ist erlaubt. Er darf jedoch 15 Stunden in der Woche nicht überschreiten und muss auf jeden Fall der Agentur gemeldet werden. Der Freibetrag liegt zurzeit bei 165 Euro. Wenn die Leistung der Arbeitslosenversicherung nicht reicht, um die Lebenskosten zu sichern, dann kann aufgestockt werden. Der Betroffene bekommt zusätzlich Arbeitslosengeld 2, also Hartz IV.

    Dauer des Anspruches auf ALG1 fällt unterschiedlich aus

    Wer sechs Monate Arbeitslosengeld erhalten will, der muss zuvor mindestens zwölf Monate in die Versicherung eingezahlt haben – mit Ausnahmen. Arbeitnehmer ab 50 haben, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen, Anspruch auf eine längere Zahlung, und zwar bis zu 24 Monate.

    Die Agentur kann zudem Sperrfristen verhängen, wenn der Betroffene sich zum Beispiel nicht arbeitslos meldet oder ohne wichtigen Grund selber kündigt. Sperrfrist bedeutet, dass es bis zu zwölf Wochen kein Arbeitslosengeld gibt. Wer am Ende der Bezugsdauer nicht vermittelt werden kann, ist auf Grundsicherung angewiesen, also Hartz IV.

    Arbeitslose müssen bei Jobsuche aktiv mitwirken

    Auf den Anruf der Agentur mit einem Jobangebot zu warten, reicht nicht. Man muss sich schon selber einbringen. Das heißt, Stellenanzeigen lesen, Bewerbungen schreiben, sich weiterbilden. Und man muss dem Arbeitsmarkt "zur Verfügung" stehen, und zwar orts- und zeitnah. Urlaub und Krankheit werden da ausgenommen, müssen aber gemeldet werden. Es ist auch möglich, sich im EU Ausland nach einem Job umzuschauen, allerdings nur für eine bestimmte Zeit.

    Immer wieder für Streit sorgt die Frage, welchen angebotenen Job man annehmen muss. Nicht vermittelt werden darf zum Beispiel an Firmen, die sich nicht an den Arbeitsschutz halten, den gesetzlichen Mindestlohn nicht einhalten oder wenn der neue Job die Rückkehr in den erlernten Beruf erschweren würde.

    Die Bundesagentur für Arbeit hat auf ihrer Homepage ein Merkblatt eingestellt, das es gedruckt auch in den Agenturen für Ort gibt. Der persönliche Betreuer hat in vielen Punkten einen Ermessensspielraum. Wer mit Entscheidungen der Behörde nicht einverstanden ist, der kann dagegen Widerspruch einlegen. Informationen gibt es auch bei Arbeitsloseninitiativen oder Gewerkschaften.

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