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Arbeiten statt lernen: Alltag für über 150 Millionen Kinder | BR24

© ARD

Mehr als 150 Millionen Kinder weltweit müssen arbeiten und können nicht in die Schule gehen. Mit dem heute beginnenden UNO-Jahr für die Beseitigung von Kinderarbeit soll der Focus auf das Problem gerichtet werden.

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Arbeiten statt lernen: Alltag für über 150 Millionen Kinder

Keine Schule, keine Ausbildung, keine Perspektive: Weltweit mehr als 150 Millionen Kinder müssen arbeiten, um zu überleben. Sie sind gezwungen, Geld zu verdienen, um sich und ihre Familien zu ernähren. Was wird getan gegen diesen Teufelskreis ?

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Von
  • Dietrich Karl Mäurer
  • Ines Schneider

In einem kleinen Ort vor den Toren der indischen Hauptstadt Neu-Dehli sitzt eine Elfjährige mit ihren Geschwistern vor dem Haus und näht Fußbälle. Pro Tag schafft sie zwei Bälle und erhält dafür gerade einmal umgerechnet 23 Cent. Die Familie des Mädchens ist auf den Verdienst der Kinder angewiesen. Ob als Näherin, als Straßenverkäufer, als Helfer in der Landwirtschaft oder auf Baustellen - weltweit müssen etwa 152 Millionen Kinder arbeiten - so schätzt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf.

Was ist eigentlich Kinderarbeit ?

Kinderarbeit sind laut Definition Arbeiten, für die Kinder zu jung sind oder die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Sie beraubt Kinder ihrer Kindheit und verstößt gegen die weltweit gültigen Kinderrechte. Man muss also unterscheiden zwischen normalen Aufgaben zum Beispiel im Haushalt, zwischen legaler Beschäftigung von Jugendlichen und zwischen Ausbeutung von Kindern. "Neunzig Prozent finden in afrikanischen, arabischen, asiatischen Ländern statt. Zehn Prozent verteilt sich auf Lateinamerika und Europa", sagt Thomas Wissing, der sich als Teamleiter bei der ILO mit grundlegenden Menschenrechten in der Arbeitswelt beschäftigt.

Die Corona-Pandemie verschärft die Situation der Kinder

Bei der ILO geht man davon aus, dass die Coronavirus-Pandemie die Lage in Sachen Kinderarbeit verschlechtert hat.

"Es gibt natürlich Kinder, die ihre Jobs verloren haben. Es gibt umgekehrt aber auch die, die aus wirtschaftlichen Gründen ihre Familie unterstützen müssen. Also es gibt eine ganze Menge Kinder mehr, die jetzt arbeiten. Und wir befürchten, dass die Covid-Krise dazu führt, dass wir in einigen Monaten einen Anstieg der Kinderarbeit verzeichnen werden." Thomas Wissing, Teamleiter bei der ILO

Viele Familien sehen in ihrer Not keinen anderen Ausweg, als ihre Kinder zur Arbeit zu schicken. Tagelöhner haben von heute auf morgen nichts mehr zu essen und versuchen, wenigstens ein paar Cent zu verdienen oder zu erbetteln.

© BR Bild/Vijay Pandey

Ein Kind, das in Indien Lumpen sammelt.

© BR Bild/Marcus Frendberg

Ein Bub arbeitet auf einer Baustelle in Afrika.

© BR Bild/Vijay Pandey

Nach der Arbeit schmutzige Kinderhände.

© picture-alliance/dpa/Bernd Weißbrod

Kinder verkaufen Blumen.

© picture alliance/dpa/Jürgen Bätz

Ein Junge arbeitet in einer Kakao-Fabrik.

© picture alliance/dpa/Olaf Krüger

Ein Junge an einer Nähmaschine.

© picture alliance/dpa/Jalil Rezayee

Kinder knüpfen einen Teppich.

© picture alliance/dpa/Yavuz Sariyildiz

Ein Junge und eine Mädchen pflücken Baumwolle.

Rund 400 Millionen Kinder lebten bereits vor der Pandemie weltweit in extremer Armut, schätzen die UN. Weitere 66 Millionen Jungen und Mädchen sind infolge der Corona-Krise davon bedroht – und damit auch von Kinderarbeit.

Das Ziel der UNO-Staaten: Bis 2025 soll es keine Kinderarbeit mehr geben

Es ist ein ehrgeiziges Ziel, das die UNO-Staaten erreichen wollen. Sie haben sich verpflichtet, Kinderarbeit weiter mit allen Mitteln zu bekämpfen und bis zum Jahr 2025 sogar völlig zu beseitigen. Und es gibt auch erste Erfolge. In den letzten 20 Jahren ist die Kinderarbeit um 38 Prozent zurückgegangen. Doch um sie komplett abzuschaffen, dafür muss noch viel mehr geschehen. Mit dem heute beginnenden UNO-Jahr für die Beseitigung von Kinderarbeit wird verstärkt auf dieses Ziel hingewirkt. Dafür muss aber in den nächsten fünf Jahren die Zahl der arbeitenden Kinder jeweils um 30 Millionen reduziert werden.

Mehr Kontrollen sind nötig - und: es braucht auch mehr Geld

Es gibt noch viele Baustellen, die angegangen werden müssen, um wirklich effizient gegen Kinderarbeit vorgehen zu können. Deutlich mehr Kontrollen zum Beispiel, um Firmen, Unternehmen und Produktionsstätten aufzudecken, die Kinder beschäftigen. In anderen Ländern ist dringend mehr Geld nötig, um damit die Sozialsysteme auf- und auszubauen.

Das Resümee von Thomas Wissing ist eindeutig: "Es gibt ein breites Spektrum von Möglichkeiten, was getan werden kann und getan werden muss, aber es führt immer wieder drauf zurück, die ökonomischen Bedingungen für die Familien zu schaffen, um auf Kinderarbeit verzichten zu können."

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