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Arbeit im Homeoffice: Politik erhöht Druck auf die Wirtschaft | BR24

© ARD/Volker Schaffranke
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Jens Kalaene

Bundesarbeitsminister Heil hat die Wirtschaft dazu aufgerufen, ihren Mitarbeitern mehr Homeoffice zu ermöglichen. Auch das soll helfen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Immer mehr Politiker glauben, dass die Wirtschaft zu wenig tut.

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Arbeit im Homeoffice: Politik erhöht Druck auf die Wirtschaft

Bundesarbeitsminister Heil hat die Wirtschaft dazu aufgerufen, ihren Mitarbeitern mehr Homeoffice zu ermöglichen. Auch das soll helfen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Immer mehr Politiker glauben, dass die Wirtschaft zu wenig tut.

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Von
  • Katrin Schirner

Nach dem letzten Treffen der Länderchefs mit der Bundeskanzlerin am 5. Januar klang das noch so: "Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber werden dringend gebeten, großzügige Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen, um bundesweit den Grundsatz 'Wir bleiben zuhause' umsetzen zu können."

Es blieb also bei einem Appell. Kein Zwang für die Unternehmen. Aber das muss nicht so bleiben. Direkt nach der Runde am 5. Januar begann bereits die Diskussion, ob die Wirtschaft mehr tun müsse, um ihren Teil zur Eindämmung der Kontakte beizutragen.

Wirtschaft will keine gesetzliche Verpflichtung zum Homeoffice

Die Wirtschaftsverbände allerdings lehnen eine gesetzliche Verpflichtung, Homeoffice zu ermöglichen, rundweg ab. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, argumentiert: Die Entscheidung darüber, ob Homeoffice möglich sei oder nicht, müsse den Arbeitgebern überlassen bleiben. Schließlich sei jeder Betriebsablauf individuell zu betrachten.

Bayerische Wirtschaft: Unternehmen müssen selbst entscheiden

Auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ist skeptisch. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt ist zwar überzeugt, dass Homeoffice zusätzlich als Infektionsschutzmaßnahme wirkt. Aber: "Es ist nur eine Notmaßnahme für die Zeit, bis die Pandemie durch die Maßnahmen Abstand, Maske, Testen, Impfen gebrochen ist." Brossardt weist darauf hin, dass der Arbeitgeber immer das letzte Wort haben müsse, wenn es um den Einsatzort der Mitarbeiter ginge. Schließlich entstünden beim Homeoffice "Produktivitäts- und Kreativitätsverluste".

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will Recht auf Homeoffice

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, SPD, hatte schon vor Wochen vorgeschlagen, Unternehmen zu verpflichten, den Beschäftigten eine bestimmte jährliche Mindestzahl von Tagen im Homeoffice zu ermöglichen. Doch er blitzte ab – der Koalitionspartner Union will kein allgemeines Recht auf Homeoffice. Das sei zu bürokratisch, Unternehmen sollten das frei mit der Belegschaft verhandeln, statt vom Gesetzgeber Vorschriften zu bekommen.

Doch die nach wie vor hohen Infektionszahlen geben dem Bundesarbeitsminister neuen Rückenwind. Nach der Methode "steter Tropfen höhlt den Stein" spricht er mit den Arbeitgebern, erneuert seinen Appell. Und lässt nach einem Gespräch mit den Personalvorständen der DAX30-Unternehmen jetzt auch durchblicken, zur Not könne man die Maßnahmen noch ausweiten. "Wir wollen nicht die gesamte Wirtschaft in den Lockdown schicken". Das unausgesprochene "aber" war unüberhörbar.

Opposition und Gewerkschaften wollen gesetzliche Regelungen

Die Grünen, die Linke, und der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB plädieren seit Tagen dafür, es nicht bei Appellen zu belassen. Homeoffice müsse jetzt verpflichtend sein, wo immer es möglich ist. Das Recht auf Homeoffice solle gesetzlich festgeschrieben werden. Das würde aber bedeuten: es bliebe auch nach dem Ende der Pandemie. Womit sie einen klaren Gegenkurs zur Union und den Wirtschaftsverbänden fahren.

Wissenschaftler plädieren für mehr Homeoffice

Eva Grill, Professorin für Epidemiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, plädiert dafür, alle verfügbaren Maßnahmen einzusetzen, um die hohen Infektionszahlen zu senken. Auch wenn man nicht wisse, welchen Einfluss Homeoffice dabei zahlenmäßig habe, sei doch klar, dass es die Kontakte entscheidend reduziere, wenn Menschen nicht an ihren Arbeitsplatz pendeln müssten.

Gerade im Hinblick auf die hochansteckende Virus-Variante aus Großbritannien sei es jetzt entscheidend, die Bewegung der Menschen so weit wie möglich einzuschränken.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will es nicht bei Appellen belassen

Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder, CSU, setzt auf einen pragmatischen Ansatz. Statt das ideologisch aufgeladene Thema Homeoffice grundsätzlich zu verhandeln, gelte es jetzt, Kontakte weiter zu reduzieren. Er will deshalb Unternehmen zu konkreten Zielmarken drängen. Am Mittwoch will er mit Unternehmen und Gewerkschaften bei einer Art "Homeoffice-Gipfel" darüber sprechen, wie das Ziel, mehr Heimarbeit zu ermöglichen, erreicht werden kann.

Und hier erfahren Sie noch etwas über das, was bei der Überwachung von Mitarbeitern im Homeoffice erlaubt ist.

© BR
Bildrechte: BR

Bayerns Ministerpräsident Söder hat für morgen einen Homeoffice-Gipfel angekündigt. Dabei soll ausgelotet werden, wie man in Bayern die Bereitschaft von Unternehmen und Beschäftigten zur Heimarbeit vergrößern kann.

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