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Antibiotika: Aufklärung senkt den Verbrauch | BR24

© BR/Nikolaus Nützel

Antibiotika-Verbrauch durch Aufklärung senken

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Antibiotika: Aufklärung senkt den Verbrauch

Mediziner wissen offenbar zu wenig über die Risiken einer Antibiotika-Behandlung. Ein Informations-Projekt mit Schwerpunkt in Bayern soll diese Wissenslücken schließen. Die vor zwei Jahren ins Leben gerufene Initiative ARena zeigt erste Erfolge.

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Wenn zur kalten Jahreszeit die Grippe-Patienten dicht gedrängt in den Wartezimmern sitzen, steigt auch die Nachfrage nach Antibiotika-Verordnungen. Nach Angaben der AOK Bayern glauben immer noch viele, dass Antibiotika auch gegen virusbedingte Erkältungen helfen. Antibiotika gehören laut der AOK zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten in Arztpraxen. Durch den übermäßigen Einsatz können aber resistente Keime entstehen, gegen die es kaum noch wirksame Medikamente gibt.

AOK will Ärzte und Personal sensibilisieren

Deutsche Ärzte sind beim Einsatz von Antibiotika im internationalen Vergleich eher sparsam. Es sei aber wichtig, noch besser zu werden, sagt Dr. Veit Wambach von der Agentur deutscher Arztnetze, die beim Info-Projekt mit dem Namen "Antibiotika-Resistenzen nachhaltig abwenden (ARena)" mitmacht. Pro Jahr sterben in Deutschland schätzungsweise zweieinhalbtausend Menschen an Erregern, die gegen Antibiotika resistent geworden sind. Um solche Resistenzen einzudämmen, müssten Ärzte weniger entsprechende Arzneien verordnen, sagt Wambach. Bei vielen Infekten sei das die klügste Entscheidung. Ein Informationsprojekt mit dem Ziel, den Einsatz von Antibiotika zu senken, ist nach Einschätzung der Initiatoren erfolgreich.

"Wir wollen den Patienten helfen, aber mit den geeigneten Mitteln. Also beim klassischen grippalen Virusinfekt dann eben nicht mit Antibiotika, sondern mit anderen Dingen: Engmaschige Kontrollen natürlich, und dann die klassischen vier Dinge: Viel trinken, inhalieren, viel Obst essen und ausruhen." Dr. Veit Wambach, Agentur deutscher Arztnetze

Info-Projekt senkt Antibiotika-Verbrauch

Am ARena-Projekt nehmen rund 290 Ärzte teil, die in 14 Ärztenetzen zusammengeschlossen sind. Zwölf der Ärztenetze arbeiten in Bayern und zwei in Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen des Projekts erhalten teilnehmende Praxen Schulungen und Info-Materialien. Auch über Social Media-Portale wie Twitter und Youtube-Kanäle wie "Mileys Welt" oder "JustKetchupAnimation" wird das Projekt flankiert.

Erste Auswertungen zeigen, dass die Informationskampagne wirkt. Bei den teilnehmenden Praxen sind die Antibiotika-Verordnungen bei einfachen Infekten in den vergangenen zwei Jahren um rund acht Prozentpunkte zurückgegangen, auf knapp 50 Prozent. Auf alle Patienten betrachtet, betrug der Rückgang nur rund fünf Prozent.

Grippeschutz-Impfung statt Antibiotika

Lutz Bayer von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns wirbt dafür, dass sich noch mehr Patienten gegen Grippe impfen lassen. Ebenso gegen Pneumokokken, die unter anderem Lungenentzündungen auslösen können.

"Wenn eine Impfung eine Ansteckung verhindert, stellt sich die Frage nach Antibiotika gar nicht." Lutz Bayer, Kassenärztliche Vereinigung Bayern

Veit Wambach von der Agentur deutscher Arztnetze kritisiert gleichzeitig einen Beschluss des Bayerischen Landtags von Beginn des Monats, wonach in einer Studie untersucht werden soll, ob homöopathische Präparate den Einsatz von Antibiotika verringern können. Patienten sollten grundsätzlich nichts schlucken, so Wambach, dessen Nutzen nicht erwiesen ist. Darunter fielen auch homöopathische Präparate.

"Wenn es darum gehe, den Antibiotika-Einsatz zu verringern, sollte daher gelten 'keine Globuli'." Dr. Veit Wambach, Sprecher der Arztnetze-Agentur

Jedes Jahr sterben 33.000 Menschen in der EU an Infektionen, die durch Antibiotika-resistente Bakterien verursacht wurden. Das geht aus einer neuen Studie des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) hervor. Beim Kampf gegen die resistenten Keime spielen den Angaben der ECDC zufolge medizinische Fachkräfte eine entscheidende Rolle. Aus Unsicherheit werden immer noch zu viele Antibiotika verschrieben.