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Altersarmut: Rentner in Bayern besonders gefährdet | BR24

© BR/Nikolaus Nützel

Bayern steht beim Wohlstand im bundesweiten Vergleich insgesamt an der Spitze. Allerdings ist der Anteil der Rentner, die finanziell abgehängt sind, im Freistaat besonders hoch. Und dieser Anteil hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

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Altersarmut: Rentner in Bayern besonders gefährdet

Bayern steht beim Wohlstand im bundesweiten Vergleich insgesamt an der Spitze. Allerdings ist der Anteil der Rentner, die finanziell abgehängt sind, im Freistaat besonders hoch. Und dieser Anteil hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

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Von
  • Nikolaus Nützel

Hohe Löhne, geringe Arbeitslosigkeit: Diese für die Wirtschaft in Bayern typischen Kennzahlen schlagen sich auch bei der sogenannten Armutsgefährdungsquote nieder. Sie lag für die Gesamtbevölkerung im Freistaat zuletzt bei 11,9 Prozent. In Sachsen-Anhalt beispielsweise lag die Armutsgefährdungsquote zuletzt bei 19,5 Prozent, in Nordrhein-Westfalen bei 18,5 Prozent – also jeweils deutlich höher als in Bayern.

Mit der Armutsgefährdungsquote beziffert das Statistische Bundesamt den Anteil der Menschen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben. Dabei rechnen die Statistiker mit dem "Median", also der Einkommensgruppe, die am häufigsten vorkommt. Dadurch werden Verzerrungen vermieden, die entstehen, wenn etwa Super-Reiche in die Rechnung mit einbezogen sind.

Allerdings sind verschiedene Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich von Armut gefährdet – das gilt gerade für Bayern. Bei den Erwerbstätigen lag die entsprechende Quote im Freistaat zuletzt nur bei 5,5 Prozent, bei Rentnern war sie mit 18,5 Prozent hingegen mehr als dreimal so hoch.

Bayerns Reichtum entwertet Durchschnittsrenten

Sozialverbände wie etwa der VdK pochen dabei darauf, die Armutsgefährdung nicht nur mit bundesweiten Vergleichszahlen zu ermitteln, sondern mit Daten, die sich auf die Einkommen in Bayern beziehen. Weil es im Freistaat überdurchschnittlich viele Menschen mit vergleichsweise hohem Verdienst gibt, sind in vielen Regionen auch die Lebenshaltungskosten besonders hoch, vor allem die Mieten.

Im Freistaat ist es also schwieriger, mit einer Rente über die Runden zu kommen, die im bundesweiten Vergleich vielleicht ganz ordentlich ist.

Nur für Bayern betrachtet, liegt daher die Armutsgefährdungsquote von Rentnern nicht – wie beim bundesweiten Vergleich – bei 18,5 Prozent, sondern bei 23,1 Prozent. Und diese Armuts-Kennzahl ist in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Im Jahr 2004 lag sie noch bei 16,4 Prozent, also deutlich niedriger.

Wenige ältere Grundsicherungs-Bezieher

Die Bayerische Staatsregierung zeichnet im aktuellen Sozialbericht, der im Jahr 2017 vorgelegt wurde, allerdings ein optimistischeres Bild als es Sozialverbände wie der VdK tun. So heißt es im Sozialbericht, der Anteil der Menschen, die Grundsicherung im Alter in Anspruch nehmen sei "ein weiterer aussagekräftiger Gradmesser für Armut im Alter".

Hier hält es die Staatsregierung für ein gutes Zeichen, dass zuletzt nur 2,8 Prozent der über 65-Jährigen diese Leistung in Anspruch nahmen, die man, salopp gesprochen, als „Hartz IV für Rentner“ bezeichnen könnte.

Hohe Dunkelziffer

Die Vorsitzende des VdK Bayern, Ulrike Mascher, hält allerdings die Zahl der Bezieher der Grundsicherung für wenig aussagekräftig. „Vor allem Frauen schämen sich, einen solchen Antrag zu stellen, so dass man sie richtig überreden muss“, berichtet Mascher. Und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ist im Jahr 2019 in einer Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass mehr als die Hälfte derjenigen, die eigentlich ein Recht auf Grundsicherungszahlungen hätten, keinen entsprechenden Antrag stellen.

Risikofaktor Teilzeit

Bei der Frage nach den Haupt-Ursachen für Altersarmut sind sich Fachleute einig: Wer lange Zeit in Teilzeit arbeitet oder komplett aus der Erwerbsarbeit aussteigt, etwa um sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu kümmern, der hat später nur geringe Rentenansprüche. Und auch private Altersvorsorge kann sich nur leisten, wer dafür Geld beiseite legen kann. Vor allem Frauen stünden hier oft schlechter da als Männer, stellt die VdK-Vorsitzende Mascher fest. Denn sie arbeiten besonders oft in Teilzeit oder Minijobs. Entsprechend liegt die Armutsgefährdungsquote in Bayern bei Frauen über 65 Jahren deutlich höher als bei gleichaltrigen Männern: 24,8 Prozent gegenüber 18,5 Prozent.

Während des Arbeitslebens an die Rente denken

Einigkeit herrscht unter Fachleuten deshalb auch darüber, dass es vor allem eine Stellschraube ist, an der die Rentner von morgen drehen können, um ihr eigenes Armutsrisiko so gering wie möglich zu halten: Möglichst lange möglichst hohe Beiträge in die verschiedenen Alterssicherungssysteme einzahlen. Von der gesetzlichen Rente über private Vorsorge bis zu berufsständischen Altersvorsorgekassen.

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