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Altersarmut deutschlandweit besonders in Bayern eine Gefahr | BR24

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Wer sein Leben lang nur wenig verdient hat, dem droht die Altersarmut. Jeder fünfte Deutsche über 65 Jahre ist betroffen, darunter besonders viele Frauen. Der Sozialverband VdK fordert jetzt einen höheren Mindestlohn, um Armutsrenten zu verhindern.

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Altersarmut deutschlandweit besonders in Bayern eine Gefahr

In vielen Bereichen ist Bayern Spitzenreiter in Deutschland. Doch nicht immer ist das etwas Gutes. Denn auch beim Thema Altersarmut liegt der Freistaat an erster Stelle, die Bedrohung ist hier besonders groß. Sozialverbände schlagen Alarm.

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Für Renterin Christine Krögler muss zum Mittagessen oft ein kleiner Salat reichen. "Mehr kann ich mir von meiner Rente nicht leisten", sagt sie. 830 Euro hat die 67-jährige Witwe pro Monat zur Verfügung, da ist jeder Euro wichtig.

Jeder fünfte Mensch in Bayern ist bedroht

Wie ihr geht es vielen Menschen in Bayern, und ihre Zahl wird voraussichtlich steigen. 22 Prozent aller 65-Jährigen in Bayern sind von Altersarmut bedroht, sagt das Statistische Bundesamt. Jede fünfte Person, ein trauriger Rekord in Deutschland. Die Ursache dafür sei häufig im vorherigen Berufsleben zu suchen, sagt Ulrike Mascher, die Vorsitzende des Sozialverbands VdK Bayern. Gerade in der in Bayern so wichtigen Tourismusbranche seien die Gehälter sehr niedrig, in der Gastronomie beispielsweise auch.

Hinzu kommt, dass viele in dieser Branche nur in Teilzeit arbeiten und das wirke sich natürlich sehr negativ auf die spätere Rente aus, erklärt Ulrike Mascher. Im Jahr 2018 bekamen bayerische Rentnerinnen und Rentner durchschnittlich 895 Euro ausgezahlt, das sind rund 20 Euro weniger als im gesamtdeutschen Durchschnitt.

© BR/Florian Eckl

Frau Krögler muss sich jede Investition, jeden Einkauf genau überlegen

Frauen besonders von Altersarmut betroffen

Für Frauen kommt oft noch ein zusätzliches Problem dazu: Die klassische Rollenverteilung in einer Ehe. Er arbeitet, sie kümmert sich um den Haushalt. Auch Frau Krögler beginnt erst spät, selbst in die Rentenkasse einzuzahlen, nach dem Tod ihres Ehemannes, sie ist damals 57 Jahre alt. So werden im Alter selbst vermeintliche Kleinigkeiten wie der Kaffee in der Stadt oder der Gang zum Friseur zum unerreichbaren Luxus. Denn seit einer Erkrankung hat sie entschieden, sich dieses Geld für Dringenderes zurückzulegen.

VdK: Nur wer für 13 Euro Stundenlohn in Vollzeit arbeitet, ist sicher vor Altersarmut

Für den Sozialverband VdK Bayern ist ein wichtiger Schritt gegen Altersarmut die Erhöhung des Mindestlohns. 13 Euro pro Stunde sollten es mindestens sein, damit die Menschen auch im Alter etwas davon haben. Denn nur wer diesen Stundenlohn erhalte und gleichzeitig ein Erwerbsleben in Vollzeit habe, so Verbandsvorsitzende Mascher, könne sichergehen, dass er oder sie nicht nur während des Berufslebens, sondern auch im Rentenalter nicht unter die Armutsgrenze rutsche.

Zudem rät sie Betroffenen, den Anspruch auf Grundsicherung wahrzunehmen. Diese sei kein Almosen, für den man sich etwa schämen müsse, sondern ein Rechtsanspruch.

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