BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Allianz-Chef warnt vor Blase an Finanzmärkten | BR24

© BR/Kaiser

Allianz warnt vor Blase an Finanzmärkten

5
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Allianz-Chef warnt vor Blase an Finanzmärkten

Europas größter Versicherer Allianz warnt vor einer gefährlichen Spekulationsblase an den Finanzmärkten. Vorstandschef Oliver Bäte vergleicht das derzeitige Umfeld mit der Situation vor großen Aktiencrashs der vergangenen Jahrzehnte.

5
Per Mail sharen
Von
  • Ralf Schmidberger

Warnungen vor einer Spekulationsblase gab es in den vergangenen Monaten immer wieder. Doch dass sich Chefs eines Dax-Konzerns so deutlich äußern, ist eher selten. Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte findet aber deutliche Worte. "Wir machen uns große Sorgen um das Thema Finanzmarktstabilität", sagte Vorstandschef Oliver Bäte bei der Bilanzpressekonferenz des Münchner Versicherungskonzerns in München.

Bitcoin-Kursexplosion "verrückt"

Die Situation insbesondere an den Aktienmärkten ähnele der Situation vor dem Crash 2008/09 und dem Crash des Jahres 2000. Mit Anspielung an Tesla-Chef Eleon Musk meinte Bäte: "Da kauft irgendeine Celebrity irgendein Bitcoin und dann explodieren die Preise für diese Assets."

"Das ist schon ziemlich verrückt, da müssen wir wirklich aufpassen." Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte

Versicherer reduziert Aktien-Anteil

Die Allianz selbst hat nach den Worten von Bäte den Anteil der Aktien bei ihren Kapitalanlagen reduziert. Der Versicherer wolle damit sicher gehen, dass eine mögliche Volatilität den Konzern nicht in irgendeiner Form stark beeinträchtige.

Immer mehr Kundengelder

Dabei hat die Allianz im Laufe des vergangenen Jahres selbst von der Entwicklung profitiert. Ende 2020 verwaltete die Allianz den Angaben zufolge insgesamt knapp 2,4 Billionen Euro, so viel wie nie zuvor. Davon waren 1,7 Billionen Kundengelder. Nach Angaben von Finanzchef Giulio Terzariol summierte sich der Nettozufluss neuer Kundengelder 2020 auf knapp 33 Milliarden Euro.

Corona-Krise könnte Rekordpläne durchkreuzen

Für das laufende Jahr stellt Vorstandschef Oliver Bäte ein operatives Ergebnis von rund zwölf Milliarden Euro in Aussicht. Das wäre etwas mehr als im Rekordjahr 2019 (11,9 Milliarden). Allerdings gibt er eine Schwankungsbreite von einer Milliarde nach oben und unten an, die doppelt so groß ist wie bei der Allianz üblich. Auf der Bilanzpressekonferenz in München verwies Bäte auf die Corona-Situation.

"Wir sind ja überhaupt noch nicht raus aus dem Thema. Es bleibt schwierig." Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte

Eine dritte Corona-Welle, eine Rezession oder ein Crash am Aktienmarkt könnten die Pläne durchkreuzen. Eine Absage der Olympischen Spiele in Tokio etwa würde den Versicherer einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

2020 überraschend viel verdient

Die Allianz hat das Jahr 2020 trotz coronabedingten Belastungen besser überstanden als von manchen Börsenfachleuten erwartet. Der operative Gewinn sei um neun Prozent auf 10,8 Milliarden Euro gefallen, wie die Allianz mitteilte. Analysten hatten ihr dagegen im Schnitt nur 10,4 Milliarden zugetraut. Die Folgen der Pandemie haben den Versicherer insgesamt 1,3 Milliarden Euro gekostet, im vierten Quartal kamen keine Belastungen mehr hinzu.

Stabile Dividende

Die Aktionäre sollen für 2020, wie angekündigt, eine stabile Dividende von 9,60 Euro bekommen. Zwar warnt die EU-Versicherungsaufsicht EIOPA angesichts der Spätfolgen der Pandemie weiter vor großzügigen Ausschüttungen. Doch hatte die deutsche Finanzaufsicht BaFin selbst auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle nichts gegen die Dividende.

Ausfall von Großveranstaltungen belasten

Am stärksten zu spüren bekam der Versicherungskonzern die Krise in der Schaden- und Unfallversicherung, deren operativer Gewinn 2020 um 13 Prozent schrumpfte. Der Ausfall von Großveranstaltungen, Hotel- und Restaurantschließungen, weniger Reisen und Ausfälle von Lieferantenkrediten schlugen ins Kontor.

Weniger Lebens- und Krankenversicherungen

In der Lebens- und Krankenversicherung litt das Neugeschäft, dessen Wert wegen der Beschränkungen des öffentlichen Lebens um 500 Millionen auf 1,7 Milliarden Euro einbrach. Seit Jahresende gehe es aber mit dem Absatz von Leben- und Kranken-Policen wieder aufwärts, sagte der Finanzvorstand.

Vermögensverwaltungs-Sparte erfolgreich

Die Vermögensverwaltungssparte konnte den Gewinn um 5,5 Prozent steigern. Der Boom an den Kapitalmärkten und Zuflüsse von fast 33 Milliarden Euro ließen bei Pimco und Allianz Global Investors das für Dritte verwaltete Vermögen um 26 Milliarden auf 1,71 Billionen Euro steigen, obwohl der schwache Dollar das US-lastige Geschäft bremste.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR

Bei der Bilanzpressekonferenz des Versicherungskonzerns sagte Vorstandschef Bäte, er sehe am Aktienmarkt große Ähnlichkeiten zu der Zeit vor dem Crash 2008/2009.