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Alleinerziehende trotz Mindestlohn und Vollzeitjob auf Hilfe angewiesen
© pa/dpa/Julian Stratenschulte

Autoren

Michael Bartmann
Tina Wenzel
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Alleinerziehende trotz Mindestlohn und Vollzeitjob auf Hilfe angewiesen

Für Alleinerziehende reicht der Mindestlohn nicht zum Leben. Das zeigen aktuelle Erhebungen der Bundesregierung, über die auch die Augsburger Allgemeine in ihrer morgigen Freitagsausgabe berichtet. Die Zahlen stammen aus der Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Linken im Bundestag.

Linke: Mindestlohn müsste in Bayern deutlich höher sein

8,84 Euro pro Stunde beträgt derzeit der gesetzliche Mindestlohn überall in Deutschland. Alleinerziehende schaffen es damit aber nirgends über das Harz-IV-Niveau, selbst wenn sie Vollzeit arbeiten. Vor allem in Bayern müsste der Mindestlohn teilweise deutlich höher angesetzt werden, um Alleinerziehenden mit einem Vollzeitjob ein Leben ohne staatliche Unterstützung zu ermöglichen. Der Mindestlohn sichere "nicht mal den Bedarf, der offiziell zugestanden wird", so Susanne Ferschl, stellvertretende Fraktionschefin der Linken im Bundestag. "Eine solche Politik ist absolut sinnfrei".

Zu wenig Geld für die Miete

Der Hartz-IV-Anspruch variiert von Region zu Region. In Bayern liegt er im Schnitt bei 550 Euro im Monat. Alleinerziehenden mit Vollzeitjob und Mindestlohn bleiben jedoch nach den Abzügen des gesetzlich vorgesehenen Lebensunterhalts rechnerisch nur 336 Euro pro Monat für die Miete übrig, so die Auswertung. Das heißt im Klartext: Der Mindestlohn müsste in Bayern im Schnitt 11,09 Euro betragen, damit die Alleinerziehenden nicht auf Zuschüsse vom Staat angewiesen sind.

Starnberg und Fürstenfeldbruck für Alleinerziehende besonders teuer

Alleinerziehende in Nürnberg bräuchten einen Mindestlohn von 11,30 Euro, in Regensburg bereits 11,49 Euro, in Ingolstadt 11,46 und in München-Stadt wären es 12,48 Euro im Monat. Wer als Alleinerziehender in Starnberg wohnt, müsste gar 13,15 Euro mindestens pro Stunde verdienen, in Fürstenfeldbruck 13,11 Euro. Wird der Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro auf 9,19 Euro im kommenden Jahr angehoben, dann würde er in genau einer Region in Bayern ausreichen, um über den Hartz-IV-Anspruch zu kommen: in Freyung-Grafenau. Insgesamt hatte die Linke für 401 Kreise und kreisfreie Städte in Deutschland die Daten abgefragt. In mehr als der Hälfte (in 215) der Kreise und kreisfreien Städte müsste der Mindestlohn schon heute über zehn Euro, in 117 über elf Euro und in 20 sogar bei über zwölf Euro liegen.

Fast alle Alleinerziehenden unter Harz-IV-Niveau

Mehr als 90 Prozent der rund 198.000 Alleinerziehenden in Deutschland, die ein unter sechs Jahre altes Kind haben und Vollzeit arbeiten, fallen mit ihrem Lohn unter die Hartz-IV-Schwelle für Unterkunft und Heizung, so das Ergebnis der Linken-Anfrage.

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Michael Bartmann
Tina Wenzel

Sendung

B5 Bayern vom 06.12.2018 - 13:08 Uhr