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Deutsche Bank Hauptversammlung

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Aktionärsvertreter kritisieren Bonussprung bei Deutscher Bank

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing gibt sich selbstbewusst zur Online-Hauptversammlung. In seiner Rede für die Aktionäre betont der Vorstandschef seine Erfolge. Gleichzeitig sorgen höhere Bonuszahlungen im Haus für Ärger.

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Von
  • Felix Lincke
  • BR24 Wirtschaft

Auch in diesem Jahr findet das Aktionärstreffen nur virtuell statt und nicht wie sonst üblich in der Frankfurter Festhalle. Gleich zu Beginn der Online-Hauptversammlung der Deutschen Bank gab es einen Lichtblick: 2020 erzielte das größte deutsche Geldhaus erstmals seit sieben Jahren einen Gewinn. Aber auch Kritik blieb nicht aus. Ein kräftiger Anstieg der Boni im Geldhaus sorgte für Ärger bei den Aktionären. Um 29 Prozent seien die variablen Vergütungen der Banker im Jahr 2020 gestiegen. "Das ist zu viel in einem Jahr, in dem die Bank gerade einmal eine Milliarde Euro vor Steuern verdient hat", kritisierte Andreas Thomae von Deka Investment anlässlich der Online-Hauptversammlung des Frankfurter Dax-Konzerns. Die Bank habe sich operativ deutlich verbessert, aber die Auszahlung der Boni sollte sich am tatsächlich erwirtschafteten Gewinn orientieren.

Variable Vergütungen fast ein Drittel höher als im Vorjahr

Nach dem ersten Nettogewinn seit 2014 hatte Deutschlands größtes Geldhaus die Summe der variablen Vergütung im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel auf 1,9 Milliarden Euro erhöht. Die Vergütung des Deutsche-Bank-Vorstands stieg von 36 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 50 Millionen Euro - und das, obwohl das Führungsteam auf einen Teil der Bezüge verzichtete, um angesichts der Belastungen infolge der Corona-Pandemie ein Zeichen zu setzen. Es gebe bei der Deutschen Bank seit Jahren "ein eklatantes Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden", bemängelte Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment. Der Vorstand der Deutschen Bank werde im Vergleich zu anderen europäischen Banken überdurchschnittlich entlohnt, während die Profitabilität unterdurchschnittlich sei.

Aktionäre fordern: Aufsichtsrat soll handeln

Der Aufsichtsrat müsse dafür sorgen, dass die Höhe der Vergütung in einem angemessenen Verhältnis zur Wertschaffung steht, fordern Aktionärsvertreter. Für die Aktionäre haben sich die zahlreichen Jahre des Wartens immer noch nicht ausgezahlt. Für ihre Dividende ist nach wie vor keine ordentliche Gewinnbeteiligung vorgesehen. Währenddessen gibt sich Vorstandschef Christian Sewing selbstbewusst zur Online-Hauptversammlung. In den drei Jahren seiner Amtszeit habe er den deutschen Branchenführer wieder auf Kurs gebracht und die Trendwende geschafft. Die Aktionäre müssen aber weiter geduldig sein, so Sewing. Er fügte hinzu, bei der Hauptversammlung im nächsten Jahr wieder eine Dividende vorschlagen zu wollen.

Achleitners letzte Runde im Aufsichtsrat

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner sagte bei der Eröffnung des Treffens, der 2019 gestartete Umbau der Bank zahle sich nun aus. "Die Deutsche Bank hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt." Das Institut sei auf nachhaltige Gewinne ausgerichtet und werde die Aktionäre wieder am Erfolg teilhaben lassen. Für Achleitner beginnt das letzte Jahr als Chefkontrolleur. Nach der Hauptversammlung 2022 will er aufhören.

Investmentbanking läuft wieder besser

Immerhin: Für die umstrittenen Investmentbanker lief es wieder besser, nachdem sie in der Vergangenheit viele Skandale und Milliardenverluste verursacht hatten. Die starken Kursschwankungen zu Beginn der Corona-Krise erlaubten es der Bank gute Gewinne einzufahren.

Deutschen Bank kann von der alten Größe nur träumen

Allerdings: Die Erträge sind nicht mehr vergleichbar mit den internationalen Wettbewerbern, da die Deutsche Bank ihre Risiken nach der Finanzkrise notgedrungen zurückfahren musste. Nach dieser Verkleinerung kann die Bank von ihrer alten Größe nur noch träumen. Das wissen auch die Aktionäre, die inzwischen mit deutlich weniger zufrieden sind.

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