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Aktienhandel im Bierzelt: Bayerische Börse feiert Jubiläum | BR24

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Der Neuaufbau nach dem Weltkrieg begann im Bierzelt: Vor 75 Jahren nahm die Bayerische Börse in München ihren Betrieb wieder auf. Wo früher auf dem Parkett gehandelt wurde, übernehmen mittlerweile Computerprogramme.

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Aktienhandel im Bierzelt: Bayerische Börse feiert Jubiläum

Der Neuaufbau nach dem Weltkrieg begann im Bierzelt: Vor 75 Jahren nahm die Bayerische Börse in München ihren Betrieb wieder auf. Wo früher auf dem Parkett gehandelt wurde, übernehmen mittlerweile Computerprogramme.

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Heute vor 75 Jahren wurde das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an der Bayerischen Börse gehandelt – an ungewohnter Stelle. In den letzten Kriegstagen hatte eine Bombe den Börsensaal in der Industrie und Handelskammer am Maximiliansplatz zerstört. Der damalige Vorsitzende der Löwenbräu AG, Karl Arthur Langes, stellte spontan sein Oktoberfestzelt zur Verfügung. Am 10. August begann der Handel mit 55 Aktien und 29 Rentenwerten – mit Papieren, die den Krieg überlebt hatten.

"Aktien waren gerettet, die Dokumente waren nicht verbrannt, sind sichergestellt worden und deswegen konnte man diese Aktien auch handeln." Andreas Schmidt, Vorstand Börse München

1950 für kurze Zeit die Nummer Eins

Die Bayern profitierten davon, dass die Berliner Börse ihre Bedeutung verlor. Anfangs wurde nur an zwei Tagen gehandelt, mit der Währungsreform 1948 folgte die Ausweitung auf die ganze Woche. 1950 war die Bayerische Börse für kurze Zeit sogar die Nummer Eins im deutschen Aktienhandel. Doch der unangefochtene Platzhirsch in Deutschland ist seit Jahrzehnten die Frankfurter Deutsche Börse AG, die über 90 Prozent des Wertpapierhandels kontrolliert.

Computerhandel statt Börsenparkett

Seit dem Neuanfang hat sich viel getan: Die Börse München ist heute eine moderne Computerbörse, die ohne den Handel Mensch zu Mensch auskommt. Wer in den 60er-Jahren Aktien kauften wollte, musste bei seinem Bankberater vorstellig werden. Aufträge mussten am Vormittag aufgegeben werden, denn pünktlich um 10.30 begann der Aktienhandel, aber nur für drei Stunden.

An der Börse gilt das gesprochene Wort - Händlerehre. In den Hochzeiten, also in den 70er- und 80er-Jahren, waren bis zu 500 Menschen am Münchener Aktienhandel beteiligt. Auch wenn nie alle gleichzeitig da waren, das Parkett im Handelssaal war immer gut gefüllt.

Doch der Aktienhandel hat sich gewandelt. Das berühmte "Börsenparkett" ist längst Geschichte. Die Bayerische Börse, die sich mittlerweile Börse München nennt, betreibt eine Computerhandelsplattform namens Max One.

Marktführer bei der Mittelstandsfinanzierung

Besonders stolz ist Börsenchef Andreas Schmidt auf die Rolle, die sein Haus für kleinere und mittlere Unternehmen spielt: "Wir sind Marktführer in Deutschland, was das Thema Mittelstandsfinanzierung angeht. Wir haben über 60 Emittenten in m:access. Im Vergleich dazu sind in Frankfurt knapp Mitte 40."

Die Börse München hat sich trotz vieler Unkenrufe – „sie sei zu klein, um zu überleben“ – als Nischenanbieter fest etabliert und steuert auf ihr 200. Gründungsjubiläum im Jahr 2030 zu.

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