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Aktien in der Corona-Krise: So gelingt der Einstieg an der Börse | BR24

© BR / Ralf Schmidberger

Mit ein paar Tipps gelingt der Start an der Börse.

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Aktien in der Corona-Krise: So gelingt der Einstieg an der Börse

Zinsen für Gespartes gibt es so gut wie gar nicht mehr. Aktienbesitzer aber können sich freuen: die Kurse steigen trotz Coronakrise. Dennoch trauen sich viele nicht, Aktien zu kaufen. Verbraucherschützer raten dazu. Ein paar Tipps können helfen.

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Von
  • Ralf Schmidberger

Till Uhde hat schon länger mit dem Gedanken gespielt, in den Aktienhandel einzusteigen. Ein Freund hatte von seinen Börsengeschäften erzählt und den 22-jährigen Studenten neugierig gemacht. Im Frühjahr des vergangenen Jahres, als durch die Corona-Pandemie die Aktienkurse eingebrochen waren, war es dann soweit. Till Uhde hat seine ersten Aktien gekauft.

Der Student der Stadtplanung hat sich für einen Aktienbroker entschieden, der ausschließlich über eine App auf dem Smartphone funktioniert, weil ihm vor allem die günstigen Kosten wichtig waren. Bei seinem Anbieter muss er keine Provision und keine Kontoführungsgebühren zahlen.

Suche nach passendem Finanzdienstleister

Nach Ansicht von Geldanlageexperte Michael Beumer von der Zeitschrift Finanztest kann man zwar den günstigsten Aktien-Finanzdienstleister wählen, muss dann allerdings auch möglicherweise Nachteile in Kauf nehmen. Oft gebe es keinen Service, "das heißt, wenn Sie ein Problem haben, müssen sie sich selbst weiterhelfen können", erklärt Michael Beumer. "Das können aber viele nicht."

Deswegen sei es besser, sein Depot bei einem herkömmlichen Online-Broker zu eröffnen oder, wenn man auf persönliche Hilfe angewiesen sei, dann doch in die Filialbank zu geht. Auch wenn die Depotkosten damit deutlich höher seien.

Depoteröffnung so leicht wie Girokonto-Eröffnung

Ein Depot zu eröffnen, ist in jedem Fall ziemlich einfach und vergleichbar mit dem Eröffnen eines Girokontos, meint der Finanztest-Experte. Für den Studenten Till Uhde sind niedrige Gebühren auch deshalb wichtig, weil er immer nur für sehr wenig Geld Aktien kauft. Größere Risiken scheut er dabei nicht. Das sieht man an der ersten Aktie, die er mitten im Corona-Crash vergangenen April gekauft hat: Airbus. "Ich habe mir gedacht, das eben Airbus eine relativ gute Möglichkeit ist, einzusteigen, weil der Flugzeugbauer natürlich auch Probleme hat, schlussendlich aber doch ein sehr solides Unternehmen", sagt der Student.

Doch auch wenn der 22-Jährige von seinem ersten Aktienengagement überzeugt war, etwas mulmig war ihm schon zumute. "Das war natürlich schon Nervenkitzel", sagt Till Uhde. "Am Anfang checkt man dann doch ziemlich häufig das Depot, wie sich das entwickelt. Es war wirklich eine sehr spannende Sache."

Nach dem Corona-Crash stiegen viele Aktien

Im Moment macht ihm der Blick auf sein Depot durchaus Freude. Die Kurse vieler seiner Aktien sind in den vergangenen Monaten gestiegen. Allerdings ist der Student auch schon auf die Nase gefallen und zwar wie viele erfahrene Anleger auch mit einer Spekulation auf Wirecard. Er hat sich ein kleines Zertifikat gekauft und darauf gewettet, dass die Kurse steigen. "Schlussendlich ist es ja dann in die Hose gegangen auf gut deutsch", sagt er.

Nachdem der Bilanzskandal des Zahlungsdienstleisters bekannt und der ehemalige Vorstand Markus Braun verhaftet wurde, verlor die Aktie im Juni vergangenen Jahre drastisch an Wert. Und Till Uhde verlor seine Wette.

Experten raten: Aktienportfolio breit streuen oder Sparplan anlegen

Einzelne Aktien oder noch risikoreichere Wertpapiere kaufen, damit kann ein Neuling sicher seine Erfahrungen machen. Er muss aber auch bereit sein, entsprechend Lehrgeld zu bezahlen, meint Finanztest-Redakteur Michael Beumer. Zockerei könne man machen, wenn man Spaß daran habe, sagt Michael Beumer. Wer solide Geld anlegen will, dem empfiehlt Beumer einen Sparplan, den könne man günstig auch in kleinen Summen kaufen.

Bereits für 25 oder 50 Euro im Monat macht so ein Sparplan Sinn, sagt der Experte und empfiehlt dafür sogenannte ETFs. Das sind kostengünstige börsengehandelte Fonds, die einen Index abbilden. Der Finanztest-Redakteur empfiehlt, weltweit anlegende ETF auf den Index MSCI World zu kaufen. Dort sind Papiere von 1600 Firmen enthalten, was das Risiko streut. Denn, "wenn eine Firma Pleite gehen sollte, dann kratzt einen das nicht viel. Denn das macht prozentual so gut wie gar nichts aus", erklärt Beumer.

Experte: Aktien sind alternativlos

Gerade momentan, wo man für sein Erspartes keine Zinsen mehr bekommt, gibt es auf lange Sicht keine Alternative zu Aktien. Laut Michael Beumer muss sich ein Anleger dabei weder mit dem Aktienmarkt noch mit Wirtschaft auskennen.

Für Aktien-Anfänger und -Fortgeschrittene empfiehlt Beumer das sogenanntes Pantoffel-Portfolio, weil es sehr einfach sei. Wenn man Geld habe, könne man die eine Hälfte auf ein Tagesgeldkonto legen, das sei der sichere Teil, und die andere Hälfte in einen Aktienfonds oder einen ETF auf den MSCI World, ein weltweit anlegender Aktienfonds, anlegen. "Damit fährt man auf lange Sicht sehr gut und hat wenig Arbeit", sagt Michael Beumer.

Experte: Einmal im Jahr Sparplan anpassen

Wer will, könne beispielsweise einmal im Jahr die Verteilung von Aktien und Tagesgeld anpassen, so Beumer. Wem das noch immer nicht ganz geheuer sei, könne natürlich auch einen kleineren Anteil an Aktien nehmen.

Aber vielleicht kommt mit dem Einstieg an der Börse auch das Interesse. Till Uhde ist zumindest ganz begeistert. Von sinkenden Kursen und vielleicht auch mal einem Aktiencrash will er sich nicht entmutigen lassen. Der 22-Jährige denkt langfristig. Er sieht die Aktien als Altersvorsorge, "als erweiterte Rente sozusagen". Denn Aktien brächten momentan langfristig die höchste Rendite.

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