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Aiwanger: Nutzen von Beherbergungsverbot "überschaubar" | BR24

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Der Hotel- und Gaststättenverband Bayern spricht mit Blick auf Corona von der "schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg". Und das Berherbergungsverbot belaste die Betriebe zusätzlich. Auch Wirtschaftsminister Aiwanger ist skeptisch.

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Aiwanger: Nutzen von Beherbergungsverbot "überschaubar"

Die Kritik am Beherbergungsverbot kommt aus allen Richtungen: Ärzte, Fachpolitiker und Hotelbetreiber halten wenig von der Vorschrift. Bei einem Branchentreffen in Augsburg hat jetzt auch Bayerns Wirtschaftsminister den Nutzen angezweifelt.

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Mehr als die Hälfte der Betreiber von Hotels und Gaststätten in Bayern sehen sich in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Das zeigt eine Umfrage des Branchenverbands Dehoga. Der Verband spricht von der "schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg" und von einer "noch nie dagewesenen Bewährungsprobe". Und in diese Gemengelage ist vergangene Woche der Beschluss von Bund und Ländern zum Beherbergungsverbot geplatzt. Ein Thema, das auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bayerischen Gastgebertags 2020 in Augsburg umtreibt, einer Dehoga-Veranstaltung.

Hotelbranche: "Ungeheure Verunsicherung" wegen Beherbergungsverbot

Angela Inselkammer, Präsidentin von Dehoga Bayern, fordert im BR-Interview ein Ende des Beherbergungsverbots. Nach ihren Worten setzen die Hotelbetreiber zwar "selbstverständlich" das um, was Gesetz sei. Allerdings gebe es eine "ungeheure Verunsicherung". Das Verbot sei von einem Tag auf den anderen gekommen – eine Herausforderung, die für Gäste und Gastgeber nur sehr schwer zu bewältigen sei.

Beherbergungsverbot: Ratlose Hotelgäste vor der Tür

In den vergangenen Tagen hätten ratlose auswärtige Gäste bayerischer Hotels "vor der Tür gestanden", die sich gefragt hätten: "Was machen wir jetzt?" Auf die Frage, ob der Verband rechtliche Schritte gegen das Beherbergungsverbot ins Auge fassen könnte, sagte Inselkammer: "Die Möglichkeit haben wir immer und lassen wir uns offen." Für die Zukunft wünscht sich Inselkammer einen größeren zeitlichen Vorlauf und mehr Planbarkeit.

Aiwanger: Nutzen von Beherbergungsverbot "überschaubar"

Auch Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sieht das Beherbergungsverbot skeptisch. Das macht Bayerns Wirtschaftsminister am Rande des Branchentreffens im BR-Interview deutlich. Die Mehrheit der Bundesländer habe diesen Weg eben beschlossen, "aber der praktische Nutzen ist in meinen Augen sehr überschaubar".

Söder nimmt zu Kritik an Beherbergungsverbot Stellung

Nach Aiwangers Worten werden in Hotels die Hygienemaßnahmen eingehalten. Es seien bisher keine Infektionsfälle im Zusammenhang mit Hotelübernachtungen bekannt geworden. Für eine Abschaffung des Beherbergungsverbots sieht Aiwanger allerdings keine Mehrheit in der bayerischen Koalition – und er verweist auf den Ministerpräsidenten und CSU-Chef: "Herr Söder wird darauf bestehen." Markus Söder nimmt am Montagabend in einem BR extra Stellung zur Kritik am Beherbergungsverbot – ab 19 Uhr hier im Livestream:

Auch Fachpolitiker sehen Beherbergungsverbot skeptisch

Die Kritik am Beherbergungsverbot war schon am Wochenende immer lauter geworden. Aus Sicht des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach etwa leistet das Verbot keinen Beitrag zum Seuchenschutz. Das machte der Bundestagsabgeordnete in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" deutlich. Lauterbach verwies auf die aktuell geringe Rolle von Reisenden im Infektionsgeschehen.

Ärzte warnen vor Überlastung

Hausärzte warnen mit Blick auf das Verbot vor Ressourcenverschwendung. "Die Hausarztpraxen sind derzeit mit der Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten voll ausgelastet – gerade auch vor dem Hintergrund der beginnenden Infekt- und Grippeimpfzeit", sagte der Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, der Nachrichtenagentur dpa.

Beherbergungsverbot gilt nicht für innerbayerische Reisen

Die meisten Bundesländer hatten sich vergangene Woche auf ein Beherbergungsverbot für Reisende aus innerdeutschen Corona-Risikogebieten geeinigt. Wer aus einem solchen Gebiet kommt, muss für eine Hotelübernachtung in einem anderen Bundesland einen negativen Corona-Test vorweisen können. Dieser Test darf nicht älter als 48 Stunden sein. Das Beherbergungsverbot gilt allerdings nicht für Menschen aus Bayern, die innerhalb des Freistaats Urlaub machen oder auf Dienstreise sind.

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"Wir müssen aufpassen, dass sich das Land nicht lahmlegt", so der bayerische Wirtschaftsminister Aiwanger zum Thema Beherbergungsverbot. Er plädiert an die Wissenschaft genau zu untersuchen, wie hoch wirklich das Infektionsrisiko in einem Hotel sei.

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